Pirmasens Workshop im Jugendhaus: Lipgloss und Badekugel selbst hergestellt
Wie viel Chemie steckt in unseren Kosmetik- und Pflegeprodukten? Aus welchen Inhaltsstoffen bestehen sie? Und wieviel davon ist gut für uns? Mit all diesen Fragen haben sich die ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen des Workshops „Kosmetik aus dem Reagenzglas“ im Jugendhaus One beschäftigt. Nach einer theoretischen Einführung durch die Mentorinnen des Projekts ging es an die Praxis.
Durchgeführt wurde der Workshop vom Ada-Lovelace-Projekt. Bereits seit 25 Jahren gibt es das Konzept in Rheinland-Pfalz, bei dem es darum geht, Mädchen und junge Frauen für eine Karriere im MINT-Bereich – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – zu gewinnen. „Wir wollen traditionelle Rollenbilder aufbrechen und zeigen: Es ist keine Männerdomäne, Frauen können das genauso“, erklärt Susanne Eisel, die Projektleiterin vom Standort Kaiserslautern.
Arbeiten wie im Kosmetiklabor
Gemeinsam mit drei Mentorinnen des Ada-Lovelace-Projekts Nina Hoffmann, Nathalie Greco und Emine Topçu haben die Teilnehmer zunächst einen Lipgloss hergestellt. Dafür wurden Distelöl, Bienenwachs, Carnaubawachs und Sheabutter im Becherglas auf etwas über 80 Grad erhitzt. Ist die Fettmasse schön dünnflüssig, kann das Pigment, das Lebensmittelaroma und das Paraben K zur Konservierung hinzugegeben werden.
Für die Badekugeln haben die Teilnehmer Natron, Zitronensäure, Speisestärke und Kaffeeweißer in einer Schüssel gemischt. Anschließend wurde Palminfett im Wasserbad geschmolzen und mit dem Pulver-Gemisch verrührt. Noch Duft und Farbe untergemischt und schon konnte die Kugel mit etwas Druck geformt werden. In Klarsichtfolie muss die Badekugel nun mehrere Tage im Kühlschrank trocknen, bis sie einen festen Zustand erreicht.
Regelmäßige Projekte im Jugendhaus One
Fünf junge Mädchen im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben an dem Workshop teilgenommen. „Wir hatten krankheitsbedingt einige Absagen“, erklärt Jugendhaus-One-Mitarbeiterin Lisa Biegaj. Der Workshop im Jugendhaus wurde im Rahmen des Projekts „MINT-Region Westpfalz“ durchgeführt. Innerhalb dieser Aktion wollen fünf Kernpartner, die aus der Zukunftsregion Westpfalz, der Technischen Universität Kaiserslautern, der Hochschule Kaiserslautern, dem IB Südwest sowie dem Dynamikum Pirmasens bestehen, zu einem aktiven Netzwerk zusammenwachsen, um ein Jahresprogramm außerschulischer MINT-Bildung aufzubauen.
2021 haben sich die Organisationen im Rahmen des Programms „MINT-Bildung für Jugendliche“ beim Bundesministerium für Bildung und Forschung beworben und eine Gesamtfördersumme von rund 400.000 Euro erhalten. Im Jugendhaus One wird das Projekt neben einzelnen Workshops regelmäßig durch die MINT-AG umgesetzt, die jeden Mittwoch von 17 bis 20 Uhr stattfindet. Dort führen die Kinder und Jugendliche verschiedene Experimente in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft und Technik durch.
Vom Programmieren zum Kriminal-Workshop
Das Ada-Lovelace-Projekt ist ebenfalls Teil des Programms und an die Technische Universität Kaiserslautern angegliedert. Dort arbeiten zwei Projektleiterinnen und 15 Mentorinnen an rund 100 durchgeführten Workshops im Jahr. „Dabei sind wir interdisziplinär“, erläutert Eisel. Die Mentorinnen stammen aus den Fachbereichen Biophysik, Biowissenschaften, Chemie, Informatik, Lebensmittelchemie, Maschinenbau, Mathematik, Mechatronik, Physik, Raumplanung, Sozioinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Entsprechend vielfältig sind die Workshop-Themen. Von der Programmierung über das Löten bis hin zu Kriminalworkshops und dem Arbeiten mit Holz sei alles dabei. „Wichtig ist, dass sich die Mädchen und jungen Frauen dabei praktisch ausprobieren können“, erläutert Eisel. Weitere Standorte des Projekts sind Bingen, Koblenz, Mainz, Remagen, Trier und Worms. Das Ada-Lovelace-Projekt wird vom Europäischen Sozialfond Plus sowie dem rheinland-pfälzischen Frauenministerium und dem Wissenschaftsministerium gefördert.