Pirmasens
Wolfgang Keller illustriert Graphic Novel über König Ludwig II.
Die Idee, über König Ludwig II. zu schreiben, ist nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick vielleicht aussieht. Immerhin floss im Blut des bayerischen Märchenkönigs auch welches aus Pirmasens, und es gibt sogar die steile These, dass die blühende Fantasie des Bayernkönigs genetisch bedingt vom Pirmasenser Landgrafen Ludwig IX. stammen könnte, der bekanntermaßen auch nicht so dem Zeitgeist entsprach. Die erwiesene Abstammung Ludwig II. von Ludwig IX. war aber nicht der Grund für den Pirmasenser Wolfgang Keller für das Buch „Ludwig II. ein Mythos in Bildern“. Der München Verlag habe das Buch bei dem als Illustrator deutschlandweit gefragten Keller in Auftrag gegeben. „Von Ludwig II. wusste ich davor nicht viel. Als Kind war ich auf Schloss Neuschwanstein, und einen Film hatte ich gesehen“, erzählt Keller im Gespräch mit der RHEINPFALZ über das Buch, das jetzt im München Verlag erschienen ist. Von Keller wird es nicht nur illustriert, sondern auch mit Dialogen der Figuren und einer packenden Dramaturgie ausgestattet.
Graphic Novel über Hugo Ball?
Wolfgang Keller ist in Pirmasens nicht so bekannt. Eine Ausstellung seiner Kunst, der 56-Jährige malt auch, gab es bisher in seiner Heimatstadt nicht. „Ich habe mich noch nie um eine Ausstellung meiner Kunst bemüht und werde immer selbst darauf angesprochen“, begründet Keller die bisherige Abwesenheit seiner Gemälde in Pirmasenser Ausstellungsräumen. Gleichzeitig verkündet er seine Offenheit für eine Ausstellung in der Heimatstadt, wenn jemand auf ihn zukäme. 1965 in Pirmasens geboren und hier aufgewachsen in einer prominenten Familie, besuchte Keller das Immanuel-Kant-Gymnasium mit Matthias Strugalla als Kunstlehrer und wechselte dann nach Freiburg, um Grafik-Design zu studieren.
Das künstlerische Gen gibt es in der Familie Keller. Sein Onkel Frederic Keller wurde Orgelbauer. Sein Onkel Emil Wolfgang Keller schlug einen anderen Weg ein und wurde mit der CDU Finanzminister in Mainz. Wolfgang Keller blieb in der Region Freiburg und lebt heute in Riegel im Kreis Emmendingen. In Pirmasens sei er aber noch sehr oft, um seine Eltern zu besuchen. Oft auch die Tante, Monika Wurmdobler, die selbst als Künstlerin und Illustratorin erfolgreich war. Von Wurmdobler stammt auch die Idee, eine Graphic Novel über Hugo Ball zu schreiben, mit der Keller sich anfreunden könnte. „Das könnte ich mir gut vorstellen“, sagt er. Hier fehle es aber noch an dem Verlag, der das Ganze finanzieren würde.
Regelmäßige Buchillustrationen
Nach dem Studium blieb Keller bei den Illustrationen, auch wenn er damit nicht sofort erfolgreich gewesen sei, im finanziellen Sinne. Lange Jahre arbeitete er für einen Comicverlag. Inzwischen konnte er sich als Illustrator etablieren. Buchillustrationen aus seiner Feder kommen regelmäßig für einen Verlag. Und auch Graphic Novels, die früher Comics hießen, habe er viele gezeichnet. Unter anderem Gedichte von Charles Baudelaire oder die Walpurgisnacht in Goethes Faust seien von ihm mit dem Stilmittel der Graphic Novel verbildlicht worden.
Das Thema Ludwig II. habe ihn auf jeden Fall sogleich gepackt. Schnell sei ihm klar gewesen, dass der Stoff sich für ein Drama eigne, das er mit neuen Aspekten wie beispielsweise der Beziehung Ludwigs zu Paul von Thurn und Taxis über das bisher bekannte Maß hinaus erweitern könnte. „Das wurde in anderen Biografien richtig unterschlagen“, sagt er. Auch die problematische Verehrung Ludwigs für Richard Wagner wird in dem Buch klar benannt und der Antisemitismus des Komponisten nicht beschönigt. Keller: „Der Kreis um Wagner hat dem Antisemitismus in Deutschland einen neuen Impuls gegeben. Von denen bis Hitler gibt es eine gerade Linie.“