Pirmasens
Wochenend-Kolumne: Von Waffen, Geld und kuriosen Schildern
Schild 1: Fundsache
Gehören Sie zu den Leuten, die öfter mal etwas verlieren? Nicht Kilos oder die Zuversicht, sondern Dinge, meine ich. Ich eigentlich nicht. Doch neulich war es auch bei mir soweit: Irgendwo auf dem Weg zwischen Spielplatz und Zuhause kam der Sonnenhut meiner Anderthalbjährigen abhanden. Nicht weiter dramatisch, es war nur ein Kleidungsstück, kein Kuscheltier. Denn wenn die plötzlich weg sind, so berichten erfahrene Eltern, gibt es schon mal Zetermordio-Rufe und schlaflose Nächte, nicht nur beim Kind.
Jugendliche und Erwachsene hängen nur noch selten an Kuscheltieren, dafür umso mehr an Handys und den dazugehörigen Ladekabeln. Denn ohne aufgeladenen Akku nutzt ja das beste Handy nichts, und dann beginnen die wahren Tragödien. Nun sollte man meinen, solche Kabel sind vergleichsweise leicht zu ersetzen. Dennoch hat ein Unbekannter an einem Laternenmast an der Kreuzung Güterbahnhofstraße/Gasstraße einen großen Zettel hinterlassen, sogar sorgfältig festgeklebt: „Hier Ladekabel gefunden. Im Fundbüro abgegeben.“ Irgendwie schräg, aber auch irgendwie nett. Selbst wenn man bei einem Ladekabel im Fundbüro wohl nur schwerlich glaubhaft machen kann, dass es einem tatsächlich gehört (wie soll man es beschreiben, sehen die nicht alle so ziemlich gleich aus?): Schön, dass es so etwas noch gibt.
Schild 2: Goldene Regel
Das Coronavirus hat die Welt verändert, besonders unser Miteinander. Manche Menschen sind achtsamer geworden, andere deutlich aggressiver. An Letztere richtete sich die Leitung des Pirmasenser Hornbach-Marktes jüngst mit Schildern: „Unsere Mitarbeiter geben zurzeit 120 Prozent für Sie. Wir waren alle noch nie in so einer Ausnahmesituation. Wir versuchen, allen Wünschen gerecht zu werden und das Beste daraus zu machen. Behandeln Sie bitte unsere Verkäufer(innen) und Kassierer(innen) so, wie Sie selbst behandelt werden möchten“, steht auf den Schildern, die an verschiedenen Stellen im Baumarkt hängen. Was mögen sich da vor Rollladenkasten-Dämmungen, Streckmetallblechen und Rückschlagventilen für Szenen abgespielt haben? So ein Hinweis wird ja nicht schon nach dem ersten querulantischen Auftritt aufgehängt. Dass die Marktleitung ihr Personal auf diese Weise schützen und die Kunden an die Goldene Regel („Was du nicht willst, dass man dir tu ...“) erinnern muss: Erschreckend, dass es so etwas gibt.
Umleitung: Zeit, sich mal umzusehen
Gelassenheit brauchten Autofahrer zu Beginn der Woche, als ein Abschnitt der Gasstraße eine neue Asphaltschicht bekam. Der Verkehr staute sich auf der Umleitung, die über Güterbahnhof-, Hermann- und Schachenstraße führte. Da ging schon mal eine Viertelstunde drauf. Zeit, sich ausgiebig die Gegend zu betrachten. Wer wohnt in den heruntergekommenen, wer in den schickeren Häusern? Was ist das für ein geradezu pink leuchtendes riesiges Firmengebäude? Und hält sich heutzutage tatsächlich noch ein Gardinen-Nähatelier? So interessant kann ein Umweg sein.
Taser-Einsatz: Rechtens und richtig?
Der Vorfall sorgt für Diskussionen: Die Pirmasenser Polizei hat einen querulierenden Betrunkenen mit einer Elektroschock-Pistole zu Fall gebracht und ihm, als er immer noch keine Ruhe gab, weitere Stromstöße versetzt. Wie viele, sagt die Polizei nicht. Stattdessen geht sie nun gegen die Menschen vor, die diesen Einsatz per Handyvideo festgehalten haben - mit der Begründung, sie hätten eine hilflose Person gefilmt. Mag sein, doch ging es ihnen wohl eher um das Vorgehen der Polizei. Der Pirmasenser Polizeichef sagt, seine Leute hätten alles richtig gemacht. Selbst wenn einige die Ansicht „Die Polizisten machen hier doch nur ihre Arbeit“ teilen: Ein Taser ist eine Waffe und als solche verhältnismäßig einzusetzen.
Edeka: Der Umsatz zählt
Gegen die geplante Schließung des Edeka-Marktes auf der Ruhbank regt sich Widerstand: Schließt der Markt, hätten vor allem ältere Menschen dort keine nahegelegene Einkaufsmöglichkeit mehr. Eine Bürgerin hat nun eine Online-Petition gestartet. Die Erfolgsaussichten solcher Unterschriftensammlungen sind fraglich, und nicht selten kommen diese Initiativen einfach zu spät. Edeka ist ein Unternehmen, es schließt den Markt, weil er sich nach seinen Maßstäben nicht mehr rentiert - Nahversorgungsauftrag hin oder her. Was zählt, ist der Umsatz. Natürlich ist ein Laden um die Ecke schön. Wer ihn halten will, muss dort einkaufen - auch dann, wenn er selbst gar nicht auf ihn angewiesen ist. Oder wie es ein Unterstützer von „Edeka Moses muss bleiben“ im Internet formuliert: „Mir persönlich ist es nicht wichtig. Aber mir ist es wichtig für die Leute, denen es wichtig ist. Und denen möchte ich helfen.“