Pirmasens
„Wir müssen intensiver um Pflegekräfte werben“
Einen großen Mangel an Pflegekräften gebe es bei der Pirmasenser Diakonie mit ihren Einrichtungen in Pirmasens, Thaleischweiler-Fröschen, Zweibrücken und Contwig nicht, versichert Pfarrer Stefan Höhn, der Theologische Vorstand des Diakoniezentrums in der Waisenhausstraße. „Wir sind aktuell für fünf Stellen im Bewerbungsprozess und optimistisch, die auch zeitnah besetzen zu können“, erzählt Höhn, der jedoch nicht verhehlen will, dass auch die Diakonie offene Stellen immer schwieriger neu besetzen kann. „Wir müssen länger ausschreiben und intensiver werben.“
80 Mitarbeiter hat die Diakonie insgesamt. 300 davon arbeiten in der Pflege. Die Diakonie bildet aber auch in großem Maß aus. Aktuell werden 30 neue Pfleger ausgebildet. „Bis 2025 wollen wir die Anzahl auf etwa 45 erhöhen“, gibt Höhn die Priorität in der strategischen Entwicklung der Diakonie vor. Von den selbst ausgebildeten Pflegern werden jedoch nicht alle bleiben, was mit persönlichen Plänen der früheren Azubis aber auch mit Abwerbungen privater Träger zusammenhänge.
Konkurrenz durch private Anbieter
Mancher privater Anbieter locke mit sehr attraktiven Ablösesummen von mehreren tausend Euro, kann Höhn berichten. Allerdings werde meist verheimlicht, dass im Gegenzug der Monatslohn im Vergleich zu tariflich gebundenen Einrichtungen wie der Diakonie deutlich geringer sei. „Wir zahlen in unseren Einrichtungen nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschlands mit einem der besten Tarife in unserer Branche“, versichert Höhn.
Und was heißt das konkret in Euro? Eine Fachkraft, die nach der Ausbildung übernommen wird, verdient laut Höhn 3257,80 Euro brutto plus den Arbeitgeberanteil für die Zusatzversorgung in Höhe von 172,67 Euro, eine Jahressonderzahlung sowie weiteren Zulagen beispielsweise für das Einspringen oder die betriebliche Altersvorsorge und Kinderzulagen.
Eine körperlich und seelisch fordernde Arbeit
Höhn will einen guten Arbeitgeber aber nicht nur am Geld festmachen. „Das Arbeiten in der Pflege ist sicher sehr fordernd, sowohl körperlich als auch seelisch“, sagt er und verweist auf die Arbeitshilfen für die einfachere Lagerung der Bewohner oder Supervisionsgespräche, um den Mitarbeitern den Umgang mit schwierigen Situationen zu erleichtern.
Die Diakonie versuche, den Alltag der Beschäftigten in Einklang mit dem Beruf zu bringen. Als Beispiel nennt Höhn die Mütter-Dienste, bei denen Mütter schulpflichtiger Kinder diese zuerst in die Schule bringen können und erst dann ihren Dienst antreten müssen. Was allerdings nicht in jedem Fall gelinge, aber zumindest immer versucht werde. Aktuell nehmen das Angebot der Mütter-Dienste zwölf Mitarbeiterinnen in Anspruch. Das ist in allen Häusern pro Wohnbereich ein Mütter-Dienst. „Die Kolleginnen bringen hier einiges an Flexibilität und Rücksicht mit und verteilen die Arbeit entsprechend“, so Höhn.
„Alle Menschen sollen sich bei uns wohlfühlen“
Die Gesundheit der Fachkräfte ist der Diakonie wichtig, weshalb gerade für die Pflegenden ein Gesundheitsmanagement geschaffen worden sei, das Sportgruppen organisiert, regelmäßig Gesundheitstage veranstalte und über das Dienst-Fahrräder geleast werden können, die von den Mitarbeitern auch privat gefahren werden dürfen und von der Diakonie bezuschusst werden.
Pfarrer Stefan Höhn betont auch, dass es bei der Diakonie nicht vorrangig um das Abdecken von Diensten und das Erwirtschaften von Gewinn für die Anteilseigner gehe. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, Bedingungen zu schaffen, mit denen sich bei uns alle Menschen gut und wohlfühlen.“ Das betreffe nicht nur die Bewohner der einzelnen Einrichtungen sondern auch die Mitarbeiter, was der Theologische Vorstand des Diakoniezentrums als Basis für den Diakonie-Leitsatz „Leben teilen“ ansieht.