Pirmasens „Wir-Gefühl ist weg“

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Markus Epple, neuer Einzelhandelsgutachter der Stadtverwaltung Pirmasens, hat Punkte gesammelt. Bei der IHK-Tischrunde im Hotel Kunz bescheinigte er Pirmasens an vielen Stellen Handlungsbedarf, lobte aber auch.

Reden kann er, der neue Pirmasenser Einzelhandelsgutachter Markus Epple. Bei dem Branchentreff IHK-Tischrunde am Dienstagabend im Hotel Kunz nahm er die Zuhörer mit, informierte über neue Trends, beruhigte die Einzelhändler. „Das Internet wird vieles abgreifen, aber den stationären Handel werden wir nicht verlieren.“ Trotz Internethandels, der zuletzt um elf Prozent zulegt hatte, habe auch der stationäre Handel Umsatzwachstum verbuchen können. Wobei Epple nichts rosarot malt. Dass ein Laden wie Sport Stuppy in der Pirmasenser Bahnhofstraße schließe, sei schon dem Internet geschuldet. Weil niemand das Angebot der großen Sportartikel-Web-Shops im Laden vorhalten könne. „Trotzdem ist es schade, weil ein Sportangebot mitten in die Stadt gehört.“ Überhaupt das Angebot. Um die Internetnutzer in die Städte zu locken, brauche es Anreize. „Kreativwirtschaft, Kultur, Gastronomie.“ Überraschend war seine Aussage, dass Shopping-Center noch brummen. Klare Position bezog Epple zu den Plänen in der Nachbarschaft, wonach ein Investor auf der Truppacher Höhe bei Contwig ein Einrichtungshaus mit 45 000 Quadratmetern plant. „Das ist ein Verstoß gegen geltendes Baurecht“, so Epple. Er rate Pirmasens, da aktiv zu werden. Wobei er nie und nimmer an ein Möbelhaus glaube. Das sei der Versuch, ein Fachmarktzentrum auf den Weg zu bringen, vermutete Epple. Überhaupt die lieben Nachbarn. „Die interkommunale Abstimmung ist wichtig“, gab er die Marschrichtung für die Zukunft vor und sieht Verfehlungen bei der Planung des Outlets. „Wenn sich benachbarte Orte auf eine Funktionsteilung einigen könnten, wäre allen geholfen.“ Seine Aufgabe als Einzelhandelsgutachter sei, von außen draufzuschauen. Erster Eindruck: „Respekt“, trotz Wegfalls der Schuhindustrie und Abzug des Militärs sei die Stadt okay. „Egal ob die Stadtgalerie kommt, müssen aber viele kleine Ausrufezeichen gesetzt werden.“ Wahrgenommen habe er schon, dass die Pirmasenser ihre Stadt nicht besonders lieb haben. „Das Wir-Gefühl ist weg. Da müssen wir dicke Bretter bohren, bis die Leute wieder stolz sagen: meine Stadt.“ Angesprochen wurden in der Runde auch Topographie und Länge der Fußgängerzone, was immer wieder als problematisch empfunden wird. „Es ist ein Schlauch“, formulierte es ein Zuhörer. Stadtmarketingchef Rolf Schlicher, dem Epple bescheinigte, gute Arbeit zu machen, brachte erneut die Idee eines Bähnchens in die Diskussion, das durch die Hauptstraße tuckern soll. Epple kann sich Alternativen vorstellen, wurde aber wenig konkret. Zur Nachnutzung des Real-Geländes in der Zweibrücker Straße machte er Andeutungen. Was den Schutz der Innenstadt angeht, werde er bestimmt nicht alle Dämme einreißen. Aber man werde über Sortimente reden müssen, über Flächenzusammenlegungen, Mietpreise, von denen manche in der Stadt falsche Vorstellungen hätten. Klar sei: SB-Warenhäuser bringen maßgebliche Umsätze und könnten in der Regel genauso wenig in der Innenstadt verortet werden wie Baumärkte oder Möbelhäuser. Handlungsbedarf sieht er auch bei den Ladenöffnungszeiten, die zu uneinheitlich sind. Wobei diese Diskussion am Dienstagabend vom Handel selbst angestoßen wurde. Bernd Adler, Einzelhändler mit ganz viel Erfahrung, plädierte für Kernöffnungszeiten montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Alles andere sei „illusorisch“. |cla

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