Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Wie 1971 ein Luxushotel den Tourismus in Pirmasens ankurbeln sollte

Nobel-Herberge in Pirmasens: Ähnliches wie dieses Merian-Hotel in Coburg hätte wohl die in der Schuhstadt geplante Variante ausg
Nobel-Herberge in Pirmasens: Ähnliches wie dieses Merian-Hotel in Coburg hätte wohl die in der Schuhstadt geplante Variante ausgesehen.

Es war im Februar 1971, als Oberbürgermeister Karl Rheinwalt die Öffentlichkeit mit der Nachricht überraschte, dass die Merian-Hotelgesellschaft aus Krefeld in der Gegend um den Eisweiher ein Luxushotel hinstellen wolle. Es sollte für die Horebstadt einen neuen Industriezweig erschließen.

Die Stadt zeigte sich an dem Projekt höchst interessiert, nicht zuletzt wegen des erhofften Schubes für den Fremdenverkehr, aber auch wegen der Internationalen Messe für Schuhfabrikation (IMS). Ebenfalls großes Interesse zeigte das Land Rheinland-Pfalz an diesem Projekt, das innerhalb des Aktionsprogrammes der Planungsgemeinschaft Saar-Westpfalz fertiggestellt werden sollte.

Alles Friede, Freude Eierkuchen? Mitnichten. Die Pirmasenser Hoteliers verurteilten das Vorhaben mit den Worten „skrupellos“, „unfair“, „Existenzbedrohung“ und ließen keinen Zweifel daran, dass sie sich „wehren werden“. RHEINPFALZ-Redakteur Manfred Letzelter fasste die Ängste und Wut der Hoteliers mit dem knappen Satz zusammen: „Sie stehen dem Projekt allem Anschein nach recht feindselig gegenüber.“

Für Liebhaber von Trubel und Luxus

So formulierte Karl Matheis, Inhaber des gleichnamigen Hotels in der Nähe des Bahnhofes, in einem Leserbrief: „So wie es aussieht, gibt es hier in dieser Stadt Leute, die ohne Skrupel einen Privatunternehmer zu Fehlinvestitionen verleiten und schon verleitet haben, obwohl das große Fiasko vorauszusehen ist ... Trotz vieler Bedenken gibt es Leute in der Stadt, die ein Projekt, wie es am Eisweiher entstehen soll, noch fördern wollen. Die begründen dies mit der Nachfrage an Zimmern, die einmal alle drei Jahre zur Zeit der Messe vorhanden ist und wollen den Urlaubsverkehr in einer Industriestadt fördern ... Selbst im Hochsommer war in den vergangenen Jahren kein Gast da, der Pirmasens als Urlaubsort ausgewählt hatte ... Anscheinend will man mit dem Merian-Projekt eine ganz andere Schicht von Urlaubsreisenden ansprechen, und zwar Leute, die den Luxus und den Trubel lieben ... Für diese Leute genügt es nicht, dass man ein Hotel baut, sondern es müssten die vielen Möglichkeiten der Unterhaltung, die man in solchen Urlaubszentren finden, gebaut werden. Das erfordert viel Zeit, Geduld und Geld.“

Mit seinen Überlegungen hatte Matheis den Nagel auf den Kopf getroffen; denn genau das wollte die Krefelder Hotelgesellschaft: Mit dem Projekt greift Merian auf amerikanische Erfahrungen zurück. Man will den Gästen alles zugleich bieten: Erholung und Entspannung sowie die Vergnügungen einer lebendigen, pulsierenden großen Stadt. Beide Aspekte sind in Pirmasens gegeben. Einmal das Tor zum Naturschutzgebiet Pfälzer Wald, zum anderen die Stadt Pirmasens, die an Vergnügungen gewiss einiges zu bieten hat.

„Wegen Messe allein können wir nicht kommen“

Der Gesellschafter des Hotelunternehmens in Krefeld, Berms, machte jedoch die Errichtung des Hotels von einer genauen Standortanalyse abhängig. Man müsse den Standort Pirmasens aufgeben, wenn die wirtschaftliche Frage nicht ausreichend geklärt sei. Es gehe vor allem darum, ob Pirmasens 200 weitere Betten verkraften könne. Zur RHEINPFALZ sagte Berms: „Wegen der Messe allein können wir nicht kommen. Wir müssen zweigleisig fahren: Bedingt durch die hübsche Lage könnte es für Feriengäste durchaus anziehend sein.“

Ministerium sieht Fördermöglichkeiten

Fördermöglichkeiten für das Hotelprojekt sah man beim Wirtschaftsministerium. Von der Abteilung Wirtschaftsförderung erfuhr die RHEINPFALZ, dass Pirmasens in dieser Hinsicht als Schwerpunkt immer interessant sei. Man sei gerade am Rande des Pfälzerwaldes und im Rahmen des Regionalprogrammes Westpfalz an zusätzlichen „First class“-Unterkünften sehr interessiert. Eine Zinsverbilligung könne auf jeden Fall gewährt werden, wenn sich die zehn Prozent steuerfreie Zulagen, wie bei Industrieansiedlungen üblich, nicht verwirklichen ließen. Die letzte Entscheidung liege beim Bund.

Wegen des Unmutes, den die Inhaber der bestehenden zehn Pirmasenser Hotels bereits geäußert hatten, wollte Rheinwalt die Wogen glätten. „Es ist möglich, dass mit dem Merian-Hotel eine gewisse Konkurrenz entsteht. Man sollte aber den besonderen Charakter dieses Hotels als reines Fremdenverkehrshotel sehen. Außerdem muss man jede Gelegenheit wahrnehmen, die Entwicklungstendenzen im Interesse der Stadt zu nutzen.“ Der Oberbürgermeister wies auch darauf hin, dass die Aussteller der IMS regelmäßig neben den schlechten Verkehrsverbindungen auch die Schwierigkeiten bei der Unterbringung von Messebeteiligten in der Stadt beklagten.

Keine weitere Berichterstattung

Möglich, dass die Merian-Gesellschaft bei ihrer Standortanalyse letztendlich zu dem Schluss gekommen war, dass ein Hotel an der Peripherie von Pirmasens wohl doch nicht wirtschaftlich zu betreiben sei. Denn es erfolgte keine weitere Berichterstattung mehr über den Fortgang des Projektes. Es kam wohl, wie Karl Matheis bereits in seinem Leserbrief vermutet hatte: „Zum Glück erfüllt die Merian-Gesellschaft sicher nicht unerfüllbare Wünsche einige Stadtoberhäupter, sondern prüft genau, ob sich solch ein Projekt auch rentiert. Man wird sicher zu der richtigen Schlussfolgerung gelangen.“

Info

Die Merian Hotelgesellschaft wurde 1974 von der Inter Continental Hotels Group übernommen und in Holiday Inn umbenannt. Die meisten der damaligen Merian Hotels wurden unter diesem Namen weiterbetrieben. Weitere ehemalige Merian Hotels wurden später auch zu anderen Hotelmarken der Inter Continental Hotels Group umgewandelt oder an andere Hotelgesellschaften verkauft.

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