Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel „Weiter mit Kaderplanung beim SV Hinterweidenthal beschäftigt“

Mit Hinterweidenthals Sportvorstand Florian Eder (links) alles abgeklärt: Denis Jung.
Mit Hinterweidenthals Sportvorstand Florian Eder (links) alles abgeklärt: Denis Jung.

Ein Interview mit Hinterweidenthals künftigem Coach Denis Jung über sein Engagement bei Landesliga-Rivale TSC Zweibrücken.

Denis Jung ist nun bis Ende Mai Trainer des Fußball-Landesligisten TSC Zweibrücken. Seine Zusage bei Ligakonkurrent SV Hinterweidenthal zur neuen Saison steht. Marco Wille sprach mit dem Pirmasenser.

Herr Jung, Sie sind vor einer Woche urplötzlich Nachfolger von Björn Klos als Trainer des TSC Zweibrücken geworden. Wie überraschend kam die Anfrage für Sie selbst?
Es war auch für mich sehr überraschend. Die finale Zusage von mir, als alles geklärt war, gab ich Donnerstag vergangene Woche. Der sportliche Leiter Hakan Haliloglou hatte mich am Dienstagabend angerufen, am Mittwoch haben wir uns getroffen und darüber gesprochen, knapp 48 Stunden hat es gedauert.

Mit der Zusage, als Interimstrainer bis zum Saisonende dem TSC zu helfen, ist eine besondere Konstellation einhergegangen. Vor circa drei Wochen hat der SV Hinterweidenthal, der sich wie die Zweibrücker in der Landesliga im Abstiegskampf befindet, Sie als Cheftrainer für die Saison 2026/27 vorgestellt. Erinnern Sie sich an eine ähnliche Situation eines Trainerkollegen?
Das ist womöglich noch nicht so oft vorgekommen, aber damit habe ich mich auch nicht befasst. Mich hat die Aufgabe gereizt. Sie ist sehr komplex, die Mannschaft wieder in eine positive Leistungs- und Stimmungskurve zu bringen und Stabilität herzustellen. Das mache ich aber nicht an einem bestimmten Tabellenplatz fest.

Wie waren die Reaktionen der Verantwortlichen beim SV Hinterweidenthal und aus dem regionalen Fußballumfeld?
Meine Zusage steht, daran wird sich zu 100 Prozent nichts ändern. Der SVH ist für mich eine Herzenssache. Ich war schon mal sechs Jahre verantwortlicher Trainer dort, ich brauchte nur eine Stunde, um den Hinterweidenthalern mein neuerliches Ja-Wort zu geben. Ich habe mir bei der TSC-Anfrage das Einverständnis von SVH-Vorstand Florian Eder geholt, er hat es sportlich akzeptiert. Ich habe nicht erwartet, dass in Hinterweidenthal deswegen alle in Jubelstimmung ausbrechen. Es waren sehr gespaltene Reaktionen, die ich bekommen habe, im Grunde waren alle überrascht. Wer mich kennt, der weiß, wie fußballverrückt ich bin und wie reizvoll es für mich war, diese vertretbare Anfrage anzunehmen. Meine kommende sportliche Aufgabe wird es sein, den TSC so schnell wie möglich aus der Abstiegszone zu führen. Was beim SVH bis dahin passiert, das rein an meiner Person festzumachen, ist falsch. Die Mannschaft hat es die restliche Runde selbst in der Hand, genügend Punkte zu holen. Meine Zusage ist ligaunabhängig, ich bin auch weiterhin mit der Kaderplanung beim SV Hinterweidenthal beschäftigt. Beim TSC Zweibrücken ist der Sportliche Leiter dafür verantwortlich.

Sie haben den TSC nach der 2:7-Niederlage beim SC Hauenstein übernommen. Was für eine Mannschaft fanden Sie vor?
Die Jungs haben mich positiv aufgenommen. Es ist eine Mannschaft, die ihr Leistungsvermögen aus dem Training mal konstant ins Punktspiel bringen muss.

Das erste Spiel unter Ihrer Leitung ging mit 4:0 an Kirchheimbolanden. Warum hat im Vergleich zu Ihrem Vorgänger – bis auf den Pirmasenser Nico Jeckel für Lucas Schmidt im Tor – die gleiche Elf begonnen?
Lucas Schmidt fiel wegen einer Fußprellung aus. Ich habe das Spiel in Hauenstein gesehen und fand, Zweibrücken hat dort eine absolut vernünftige erste Halbzeit gespielt. Die gleiche Anfangself sollte die gute Leistung auch gegen Kibo zeigen. Ich kenne außerdem noch nicht alle Spieler mit ihren Stärken und Schwächen. Dazu werde ich die sechs Wochen Wintervorbereitung benötigen, um vollständig eigene Entscheidungen treffen zu können. Ich habe nach den ersten Trainingseinheiten viel mit Verantwortlichen und Führungsspielern gesprochen und mich beraten lassen. Der leider verletzte Tobias Schön ist mir eine große Hilfe, mich da reinzufinden.

Björn Klos hatte bereits nach dem sechsten Spieltag im Interview mit dieser Zeitung angemerkt, wie unzufrieden er mit dem Defensivverhalten der Mannschaft ist und dass die Zweibrücker Gegentorquote die eines Abstiegskandidaten sei. Wie sehen Sie das?
Es gab in Kibo wieder eklatante Fehler im Defensivverhalten, die direkt zu Toren führten, obwohl wir die ersten 20 Minuten sehr gut aus einer kompakten Abwehr heraus gespielt haben. Dieses Muster zieht sich durch die Saison und führt zu fehlendem Selbstvertrauen, wenn ein Gegentor fällt. Das lähmt die Spieler. Daran müssen wir anfänglich arbeiten, denn das macht unser Spiel kaputt. Ich bin schon lange dabei, habe viele prekäre Situationen erlebt. Auch wenn es schwierig und emotional ist, muss man positiv bleiben, weiterarbeiten, um es unter Kontrolle zu bekommen. Es gibt als Lösung keinen Schalter, der dies von heute auf morgen abstellt.

Zur Person

Denis Jung ist 49 Jahre und wohnt im Pirmasenser Stadtteil Winzeln. Der ledige Gebietsverkaufsleiter bei Wawi-Schokolade war bis Mitte September Co-Trainer der U23-Mannschaft des FK Pirmasens in der Verbandsliga. Seine sportliche Karriere begann beim SV Ruhbank und in der FKP-Jugend, später war er Verbandsligaspieler beim FC Dahn und beim FK Pirmasens, für den er auch einige Oberliga-Einsätze hatte. Als Trainer führte er den SV Hinterweidenthal von der Bezirks- in die Landesliga sowie den SC Weselberg von der B- in die A-Klasse. wima

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