Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Wasgau-Bike-Marathon des SV Lemberg: Mit und ohne Motor

Auf dem anspruchsvollen Single-Trail hoch zum Felsenbrunnerhof müssen viele schieben.
Auf dem anspruchsvollen Single-Trail hoch zum Felsenbrunnerhof müssen viele schieben.

Mountainbiker, die Versteck spielen, um nicht fotografiert zu werden, ein von Freizeitfahrern umringter Ex-Rad-Profi, strahlender Sonnenschein und ebenso strahlende Gesichter bei den Organisatoren – das sind die Charakteristika des Lemberger Wasgau-Bike-Marathons am vergangenen Wochenende.

Drei optimal ausgeschilderte Strecken bietet der „Wasi“, wie der Wasgau-Bike-Marathon des SV Lemberg genannt wird, seinen insgesamt 1095 Teilnehmern: den Marathon über 95 Kilometer mit 2050 Höhenmetern, den 230 Fahrer absolvieren, den angesichts von 605 Startern offenbar sehr beliebten „Halbmarathon“ über 60 Kilometer mit 1250 Höhenmetern und die „Kurz-und-Knackig-Variante“ mit 35 Kilometern und 780 Höhenmetern (260 Starter).

Den Teilnehmern des Wasi steht der Spaß am Bikemarathon ins Gesicht geschrieben.
Den Teilnehmern des Wasi steht der Spaß am Bikemarathon ins Gesicht geschrieben.

Lockere Stimmung

Schon vor dem Start der Marathonteilnehmer, die sich ab 9 Uhr auf ihre Mountainbikes schwingen, grüßt die Sonne. Keine Spur von Hektik: Fotos werden gemacht, es wird geflachst, gefachsimpelt, getrunken und gegessen, auch geschraubt.

Der ehemalige Heltersberger Radprofi Udo Bölts ist mit der Startnummer eins dabei.
Der ehemalige Heltersberger Radprofi Udo Bölts ist mit der Startnummer eins dabei.

Einer derjenigen, die den Saisonabschluss ohne Zeitmessung ambitioniert angehen, ist Christian Leidner. Der 47-jährige Bundenthaler macht zum zehnten Mal mit und definiert sein sportliches Ziel so: „Ich möchte die 60 Kilometer unter vier Stunden fahren.“ In den Vorjahren ließ er die Verpflegungsstellen aus, um Zeit zu sparen, dieses Jahr gönnt er sich die kurze Pause.

„Geile Tour“

Um 10.10 Uhr kommt er an der ersten Verpflegungsstelle auf dem Hochstellerhof an. Ziemlich außer Atem, den Reißverschluss des Trikots geöffnet, „schwärmt“ er vom letzten Trail vor der Verpflegung: „Des woar ä Pätzer“ stellt er im feinsten Bundenthalerisch fest. Später kommt er nach 4:10 Stunden an und stellt trotz des verpassten Zeitziels zufrieden fest: „Kompliment an den Veranstalter für einen außergewöhnlichen Marathon. Eine geile Tour.“

Bei optimalen Bedingungen touren die Mountainbiker beim „Wasi“ durch den Pfälzerwald.
Bei optimalen Bedingungen touren die Mountainbiker beim »Wasi« durch den Pfälzerwald.

Tatsächlich ist der letzte Anstieg vor dem Felsenbrunnerhof, den alle Teilnehmer „erfahren“ dürfen, der wohl anspruchsvollste. Eine optimale Position, um Fotos zu machen. Viele müssen da schieben statt fahren. Der ein oder andere springt förmlich ins Gebüsch, um ja nicht auf einem Foto abgelichtet zu werden, auf dem er oder sie nicht im Sattel sitzt. Dass fotografiert wird, scheint sich herumzusprechen, denn viele schwingen sich irgendwie noch auf ihr Bike, bevor die Linse des Objekts sie erfasst.

Gespräche mit Bölts

Udo Bölts – er ist auf der 60-Kilometer-Strecke unterwegs – hat die Verpflegungsstelle gegen 10 Uhr längst passiert, als sukzessive die vom Trail geplagten Teilnehmer ankommen. Der ehemalige Tour-de-France-Star aus Heltersberg kommt ständig ins Gespräch mit vielen Freizeitbikern und genießt mit ihnen das herrliche Wetter und das Biken.

Pause: Die Teilnehmer genießen die kurze Rast an der Verpflegungsstelle Hochstellerhof.
Pause: Die Teilnehmer genießen die kurze Rast an der Verpflegungsstelle Hochstellerhof.

Zu den jüngsten Startern gehört Fynn Chluba aus Bruchweiler. Der Neunjährige ist Mitglied im Radsportclub Felsenland, übt sich seit einigen Monaten im Mountainbikesport und geht mit Papa Marian und Onkel Arek Chluba aus Landau auf die 35-Kilometer-Runde. Um 13.30 Uhr kommt das Trio ins Ziel. „Ich kann jetzt keine Berge mehr sehen, aber nächstes Jahr fahre ich wieder mit“, lautet Fynns Fazit.

„E-Bike auf kleinster Stufe“

Der Pirmasenser Manfred Leicher ist mit Motor auf der 60-Kilometer-Distanz unterwegs. „Das Rad macht Spaß. Ich fahre zwar E-Bike, aber auf der kleinsten Stufe“, sagt er augenzwinkernd, nachdem er den Anstieg zum Felsenbrunnerhof geschafft hat. Wenige hundert Meter weiter können sich die Teilnehmer stärken.

Unterwegs im sonnigen Wasgau.
Unterwegs im sonnigen Wasgau.

An der Durchgangsstraße steht die Ruppertsweilerin Isabel Höh-Müller in ihrer gelben Warnweste. Sie hält die Autos kurz an, um die Sicherheit der Mountainbiker zu gewährleisten. Sie ist eine von vielen Streckenposten des SV Lemberg und gesteht: „Ich wäre ja lieber auf dem Bike mitgefahren , aber dieses Jahr pausiere ich zugunsten des Vereins, um in der Organisation zu helfen.“

Weltmeister fährt mit

Zu den „Wasi“-Debütanten gehört Stefan Commercon aus Rodalben. Gemeinsam mit dem wohl bekanntesten Briefträger der Region, dem „Mountainbike-verrückten“ Thomas Riegel aus Leimen, und dem in Münchweiler wohnenden Rodalber Torsten Schmidt fährt er die 60 Kilometer. Sie sind geübt. Jeden Mittwoch treffen sie sich zum Biken. „Ich habe den Einstieg ins Mountainbikefahren nach einer Knieverletzung dank des E-Bikes wieder geschafft“, erzählt Commercon. Schmidt geht ebenso wie Riegel ohne Motorunterstützung auf die Strecke: „Immer gutes Wetter und der Pfälzerwald – es gibt nichts Besseres“, schwärmt Schmidt vom Wasgau-Bike-Marathon.

Mit Lars Holder aus Schleiden ist der Weltmeister im Crossduathon von 2014 und Europameister von 2019 am Start. Der Eifelaner, der inzwischen dank Freundin Angelina Giffhorn öfter in Hinterweidenthal als in der Eifel ist, absolviert mit ihr die 90-Kilometer-Distanz. „Ich bremse ihn schon aus, hoffe aber, dass er wenigstens ins Schwitzen kommt “, scherzt Giffhorn. Und wie alle anderen Teilnehmer kommt auch Holder ins Schwitzen ...

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