Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Was ist eigentlich eine Brandmauer?

„Wir sind die Brandmauer“ steht auf einem Plakat bei einer Demonstration gegen Rechts vor dem Berliner Reichstagsgebäude.
»Wir sind die Brandmauer« steht auf einem Plakat bei einer Demonstration gegen Rechts vor dem Berliner Reichstagsgebäude.

Oft besprochen, selten erklärt: Der Ursprung der Brandmauer, die eigentlich eine Wand ist. Das sagt Feuerwehr-Chef Simon Tigges zur Politikerfloskel.

Seit Jahren begegnet sie uns regelmäßig. Kaum eine Talk-Show, politische Diskussion oder Kundgebung kommt noch ohne sie aus. Die Rede ist von der Brandmauer. CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz betont seit Wochen immer wieder, dass an eben jener Brandmauer nicht gerüttelt werde. Hundertausende Demonstranten im ganzen Land fürchten, sie könnte einsturzgefährdet sein.

Im politischen Jargon steht die Brandmauer primär sinnbildlich für die Abgrenzung zur rechtspopulistischen AfD. Insbesondere die Christdemokraten um Merz beschwören diese immer wieder. Seitdem im Januar ein CDU-Antrag zum Thema Migration nur durch Stimmen der AfD eine Mehrheit im Deutschen Bundestag erlangte, wird die Standfestigkeit der Brandmauer angezweifelt – unter tobendem Applaus der Rechten.

Biblischer Ursprung?

Es ist sicherlich bei vielen ein vertrautes Gefühl, wenn man bemerkt, dass sich einzelne Begriffe tief im Sprachgebrauch eingenistet haben, ohne dass man deren genaue Bedeutung überhaupt kennt. Was ist den nun also eine Brandmauer? Gerade mit Blick auf den religiösen Ursprung der CDU könnte man womöglich denken, dass es sich bei der Brandmauer um ein biblisches Sinnbild handelt. Eine gigantische Mauer, die die Menschheit vor der ewigen Verdammnis bewahrt. Hört sich recht poetisch an, ist aber leider völlig falsch.

Anstatt mit einem Politikwissenschaftler oder einem Theologen über die Bedeutung einer Brandmauer zufachsimpeln, empfiehlt sich eher eine Nachfrage bei der Feuerwehr. „Das ist heute nur noch ein umgangssprachlicher Begriff“, weiß der Chef der Pirmasenser Wehr, Simon Tigges. Viel mehr spreche man heute von einer Brandwand. Schade eigentlich – klingt eine massive Mauer doch wesentlich imposanter als eine öde Wand.

90 Minuten Feuerwiderstand

Tatsächlich ist die Brandmauer beziehungsweise -wand eine Brandschutzmaßnahme auf die bereits im 18. Jahrhundert zurückgegriffen wurde. Stehen Häuser dicht beieinander – weniger als 2,5 Meter Abstand – müssen die Außenwände eben solche Brandwände sein. „Wenn die Hausnummer zwei brennt, vehindert die Brandwand, dass das Feuer auf Hausnummer vier übergreift“, veranschaulicht Tigges. Doch nicht jede Wand oder Mauer ist gleich eine Brandmauer. Sie muss mindestens 24 Zentimeter dick sein und eine besondere Standfestigkeit bei Bränden bieten, erklärt der Feuerwehr-Chef. Das bedeutet unter anderem, dass sie mindestens 90 Minuten Feuerwiderstand leisten muss.

So ist die viel beschworene Brandmauer letztlich nicht viel mehr als ein bauordnungsrechtliches Konstrukt. Als Brandschutz-Experte findet Simon Tigges die metaphorische Verwendung aber durchaus passend: „Es wütet quasi ein gefährlicher Brand von rechts, von dem die anderen Parteien und die Gesellschaft nicht vereinnahmt werden sollen.“ Bleibt zu hoffen, dass der Widerstand der politischen Brandmauer nach der Wahl länger als 90 Minuten anhält.

Feuerwehr-Chef Simon Tigges
Feuerwehr-Chef Simon Tigges
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