Pirmasens
Warum ein Pirmasenser Schießstand so einzigartig ist
Rund 1000 Mitglieder hat die Kreisgruppe Pirmasens-Zweibrücken des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz. Wie viele genau davon zum Schießstand in die Fumbach kommen, kann Wolfgang Sehnert, der Obmann für das Schießwesen, nicht beantworten. Fakt ist: Mit einem 100-Meter-Stand, einem 50-Meter-Stand, einem Pistolen-Stand, einem Tontauben-Stand sowie dem laufenden Keiler deckt die Anlage am Stadtrand alle jagdlichen Disziplinen ab. Das mache den Schießstand so besonders.
Hauptsächlich trainieren Jäger auf dem Schießstand in der Fumbach. „Ich schätze, es sind rund 90 Prozent“, erzählt Sehnert. Aber auch Sportschützen seien auf der Anlage willkommen. Wenn es im Herbst auf die Treibjagd zugehe, sei die Trainingsfrequenz erhöht. Die Jäger kommen dabei nicht nur aus der Umgebung, sondern beispielsweise auch aus der Vorderpfalz und dem Saarland. Zum Großteil seien es Männer, die auf der Anlage in der Fumbach schießen. Der Frauenanteil werde allerdings immer größer.
Wer zum Schießstand kommt, muss zunächst seinen Jagdschein sowie seinen Versicherungsnachweis vorzeigen. Für Nichtmitglieder der Kreisgruppe fällt eine Standgebühr an. Eine ehrenamtliche Schießaufsicht gewährleistet die Sicherheit beim Training. In der Regel bringen die Jäger ihre Waffe selbst mit. „Für unsere Anwärter haben wir allerdings auch Waffen hier“, berichtet Sehnert. Vor und nach dem Schießen steht das Jägerheim für den Erfahrungsaustausch zur Verfügung.
Training für Jäger unerlässlich
Sehnert hält das Training auf dem Schießstand für unerlässlich. Denn das oberste Anliegen der Jäger sei es, das Wild bei der Jagdausübung sicher und schnell zu erlegen, um ihm dadurch jegliche Art von Schmerz und Leid zu ersparen. „Und alles, was man gut können will, muss man eben üben“, erläutert Sehnert. Der Schießstand biete eine gute Möglichkeit, um die eigenen Grenzen auszutesten. Der laufende Keiler sei eine Option, um die Treffsicherheit mit der Waffe bei sich bewegenden Zielen auszuprobieren.
Regelmäßig nehmen Mitglieder der Kreisgruppe an Meisterschaften im jagdlichen Schießen teil. „Wir haben da eine starke Truppe“, sagt Sehnert. Schon mehrere Bundesmeister hat die Kreisgruppe gestellt – darunter Sehnert selbst im Jahr 2022. Dennoch fehle es an Nachwuchs im sportlichen Bereich. Das liege unter anderem an den Kosten. Wer auf hohem Niveau mitschießen will, braucht eine entsprechende Waffe. Seit dem Krieg in der Ukraine seien zudem die Preise für die Patronen nach oben geschossen. „Es kommt immer auf das Kaliber an, aber teilweise kostet die Munition das Doppelte“, berichtet Sehnert.
Jagdschule gehört dazu
Ebenfalls in der Fumbach angesiedelt ist eine Jagdschule. In einem halben Jahr lehrt Ausbilder Helmut Vogt gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen die Schüler alles, um die schriftliche und mündlich-praktische Prüfung zu bestehen. Kenntnisse müssen in sechs Sachgebieten nachgewiesen werden. Unter anderem geht es während der Ausbildung um Wildbiologie, den Jagdbetrieb, die Führung von Jagdhunden sowie den Umgang mit Waffe und Munition. Auf dem Plan stehen ebenfalls das Jagdrecht sowie die Behandlung des erlegten Wildes und die Beurteilung über die gesundheitlich unbedenkliche Beschaffenheit des Wildbrets.
„Die Jagdschule gibt es schon seit 38 Jahren“, erinnert sich Vogt. Seit 2007 ist sie offiziell zertifiziert. Von Mitte April bis Ende Oktober betreut Vogt rund 25 Teilnehmer, die die Jägerprüfung absolvieren wollen. Wer es schaffen will, muss Zeit mitbringen. Montags wird in der Jagdschule die Theorie in den verschiedenen Sachgebieten gelehrt, dienstags und donnerstags geht es an die Praxis. Hier werden die Waffenhandhabung und Reinigung sowie der Aufbruch von Schalenwild vermittelt. Einige Samstage kommen für das Bauen von Hochsitzen und für Waldbegehungen hinzu.
Fast wie ein Ritterschlag
Am Ende der Ausbildung steht die Jägerprüfung, die sich in einen schriftlichen und mündlich-praktischen Teil sowie die Schießprüfung gliedert. Bei Letzterem müssen die Anwärter das Flinten- und Büchsenschießen sowie das Schießen mit einer Kurzwaffe unter Beweis stellen. Nach bestehen der Prüfung dürfen sich die Lehrlinge dann Jungjäger nennen. Es folgt der Jägerschlag als Initiationsritus. „Das kann man sich vorstellen wie einen Ritterschlag, der mit einem Waidblatt durchgeführt wird“, verrät Sehnert.
Den Schießstand in der Fumbach gibt es seit den 1960er Jahren. „Nach dem Krieg hat sich die Jägerschaft wiedergegründet, der Schießstand wurde dann mit Hilfe der Amerikaner aufgebaut“, erinnert sich Sehnert zurück. Mit riesigen Planierraupen wurde in dem felsigen Gelände die 100-Meter-Bahn frei geräumt und gleichzeitig rechts und links der Bahn Erdwälle aufgetürmt. 1958 wurde der Schießstand offiziell eröffnet.
