Pirmasens
Warum die Stadt auf Sozialarbeit schon in Kindergärten setzt
„Das ist super angelaufen“, sagt Stadtjugendpflegerin Bettina Walnsch mit Blick auf das Pilotprojekt. „Wir streben eine vollumfängliche Begleitung der Kinder an, die auch das komplette Familiengefüge erfasst, vom Kindergarten bis zum Ende der Grundschule“, sagt sie in einem Pressegespräch mit der RHEINPFALZ. Zwei Sozialarbeiter kümmern sich seit Anfang Mai in vier sogenannten Sozialräumen – jeweils einer auf dem Horeb und der Husterhöhe sowie zwei im Winzler Viertel – bereits um Kindergartenkinder. Bezahlt wird das Projekt aus dem Sozialraumbudget, das im Zuge des neuen Kindergartengesetzes am Juli zur Verfügung steht. Land und Stadt teilen sich die Kosten im Verhältnis 60 zu 40. „Diese vier Sozialräume sind der Anfang, weitere werden folgen. Und wir werden weitere Mitarbeiter einstellen“, sagt Walnsch.
Kümmerer bei Problemen
Marko Burkhart ist einer dieser Sozialarbeiter. Seine Tätigkeit an der Grundschule Horeb hat er jetzt unter anderem auf den Nardini-Kindergarten ausgedehnt. „Es gibt große Schnittmengen“, sagt er mit Blick auf die unterschiedlichen Altersgruppen. „Über die Kindergartenkinder ist die Kontaktaufnahme mit den Familien und deren Kennenlernen leichter“, berichtet er. Häufig trifft er auf zwei Problemstellungen: Durch die Zuzüge infolge der Flüchtlingskrise gibt es arabisch sprechende Familien, die sich in den hiesigen Strukturen noch nicht zurecht finden. Und es gibt Alleinerziehende mit großen Problemen. „Durch einen Kümmerer konnten wir eine Lücke schließen“, bemerkt Oberbürgermeister Markus Zwick.
Derzeit kommt Burkhart mehrmals pro Woche in den Nardini-Kindergarten. „So kann er die Kinder niederschwellig kennenlernen“, erklärt Leiterin Simone Guth. Burkhart sitzt mit am Tisch, spielt mit den Kindern.
Guth bittet den Sozialarbeiter aber auch zu Elterngesprächen. „Wenn wir bei den Entwicklungsgesprächen merken, es wird problematisch, dann sprechen wir den Sozialarbeiter an, ob er dazukommen kann. Viele Eltern sind nicht abgeneigt. Und sie sind dankbar, wenn sie Hilfe bekommen“, berichtet sie. „Uns geht es darum zu erfahren, welchen Förderbedarf die Familie hat“, bemerkt Guth. „Wir haben hier 65 Kinder. Jedes hat Potenzial. Wir brauchen Unterstützung und wir brauchen Fachkräfte.“
„Es gibt Familien, die im Alltag strukturlos und perspektivlos sind. Der Sozialarbeiter ist in der Lage, eine Fallberatung anzubieten. Es geht darum, soziale Probleme der Familien zu überwinden, die Fähigkeiten zu fördern und negative Einflüsse zu mindern“, sagt OB Zwick. „Wenn wir früh genug anfangen, können wir Kindern zu einer guten Entwicklung verhelfen“, benennt er das Ziel.
Wesentlicher Lückenschluss
Renate Gerlich, die pädagogische Leiterin des Nardini-Hauses, ist dankbar für die neuen Möglichkeiten. „Hier wurde eine wesentliche Lücke geschlossen“, sagt sie. Die Vernetzung sei besonders wichtig, die Sozialarbeit in Kindergärten sei ein „richtiger Durchbruch“. Viele Familien hätten „Schwierigkeiten beim Zugang zu Behörden“, sagt Gerlich, hier biete der Sozialarbeiter Hilfe an.
Für Jugendamtsleiter Gustav Rothhaar ist der Sozialarbeiter nicht nur die Schnittstelle zum Jugendamt, er könne auch weitergehende Themen für die ganze Familie abdecken, etwa in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, wenn es um Kindergartenplätze geht oder wenn weitere Hilfen erforderlich sind.