Pirmasens
Warum die Politik nicht auf die Familienbildungsstätte verzichten möchte
Landrätin Susanne Ganster (CDU) zeigt sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ „sehr überrascht von den Schlagzeilen aus Speyer“. Sie habe fast den Verdacht, das Bistum spare nur in einer Region, nämlich der Südwestpfalz. Wie am Dienstag berichtet, sind von den Sparplänen neben der Familienbildungsstätte auch Maria Rosenberg (Waldfischbach-Burgalben) und die Heilsbach bei Schönau betroffen.
Ganster unterstreicht, wie wichtig die Familienbildungsstätte für den Landkreis ist. Nicht nur weil die Einrichtung auch in der Fläche präsent sei, sondern auch, weil sie etwa eng in die Qualifizierung und Fortbildung der Tagespflegepersonen eingebunden sei. Hinzu komme, dass die Familienbildungsstätte in etlichen Netzwerken aktiv und der Kreisverwaltung ein wichtiger Partner geworden sei. „Die Familienbildungsstätte ist unverzichtbar“, bezieht Ganster klar Stellung.
Sie stehe deshalb in engem Austausch mit OB Markus Zwick (CDU). Die beiden Politiker haben für Ende der Woche eine Videoschalte mit Verantwortlichen der Familienbildungsstätte organisiert. Danach wollen sie ihr Unverständnis für die Ankündigung aus Speyer bei der Bistumsleitung vortragen. Die Stadt Pirmasens kooperiert ebenfalls auf vielfältige Art mit der katholischen Einrichtung. Das Rathaus verweist etwa darauf, dass die Familienbildungsstätte mit der Durchführung eines Musikprojektes in der benachbarten städtischen Kindertagesstätte betraut ist.
OB Zwick und die städtischen Fachämter verbinde eine jahrelange und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bildungsstätte. Der OB war selbst über viele Jahre Teilnehmer an Kolloquien bei Kindertagespflege-Kursen. Das Jugendamt schätzt die Familienbildungsstätte als wichtigen Kooperationspartner, der Eltern und Kinder stark mache und fördere. Gerade bei Familien in sozialen Problemlagen helfe sie, den Grundstein für erfolgreiche Lebenswege zu setzen. Auf dem Sommerwald übernehme die Familienbildungsstätte teilweise auch Aufgaben der Quartiersarbeit. Bei allem Verständnis für die vom Bistum erwogenen Einsparungen sieht OB Zwick es kritisch, dass gleich drei Einrichtungen in der Südwestpfalz zur Disposition stehen.
Die Familienbildungsstätte ist zudem ein vom Land anerkanntes „Haus der Familie“. Dafür sind staatliche Zuschüsse geflossen. 2019 wurde vom Mainzer Familienministerium eine Starthilfe zur Gründung als „Hauses der Familie“ eine Zuwendung in Höhe von bis zu 10.000 Euro bewilligt. 2020 waren es 15.000 Euro. Das Familienministerium teilt auf Anfrage mit, dass es weiterhin in Pirmasens eine Familienbildungsstätte möchte. Gerade in der Stadt Pirmasens sei sie ein „wichtiger Bestandteil der kommunalen Infrastruktur“. Das Familienministerium will die Betroffenen kurzfristig zu Gesprächen bitten, um Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.
Landrätin Ganster sagt: „Mir ist bewusst, dass das Bistum Speyer sparen muss, aber ich erwarte von der Bistumsleitung, dass dabei eine geografische Ausgewogenheit herrscht und die Südwestpfalz nicht überproportional stark betroffen ist.“ Die Politikerin ist selbst promovierte Theologin und gibt der Bistumsleitung ein theologisches Argument mit, damit diese noch mal überlegt, wo sie wirklich sparen will: „Die Kirche muss dort sein, wo die Menschen sind.“ Alleine im Jahr 2018 erreichte die Familienbildungsstätte nach eigenen Angaben mit ihren Angeboten knapp 25.600 Personen.