Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Nachfrage nach Elektroautos sinkt

Gibt es denn in Zukunft überhaupt ausreichend Lademöglichkeiten? Das ist nur eine der Sorgen, die Autokäufer bewegen.
Gibt es denn in Zukunft überhaupt ausreichend Lademöglichkeiten? Das ist nur eine der Sorgen, die Autokäufer bewegen.

Seit die staatliche Subvention von E-Autos, der sogenannte Umweltbonus, im Dezember 2023 ausgelaufen ist, sinkt der Absatz von reinen Elektrofahrzeugen. Pirmasenser Autohäuser berichten über die Gründe, fehlende Nachfrage und verunsicherte Kunden.

Das Interesse an Elektrofahrzeugen sinkt deutschlandweit. Als Grund dafür wird häufig die Abschaffung des Umweltbonus im Dezember genannt. Die staatliche Subvention war 2016 von der Bundesregierung in Kooperation mit den Autoherstellern eingeführt worden, um die Nachfrage nach E-Autos anzukurbeln. Über dieses Problem und weitere Gründe hat die RHEINPFALZ mit mehreren Autohäusern in der Schuhstadt gesprochen.

Dirk Schechter betreibt das gleichnamige Opel-Autohaus auf der Husterhöhe. Er stellt fest, dass seit der Abschaffung der staatlichen Prämie der Absatz und das Interesse an E-Autos in seinem Autohaus gesunken seien. Der Umweltbonus habe bei den Kunden mehr gezogen als Rabatte, die der Hersteller nun gewähre, sagt Schechter. Der Geschäftsführer des Pirmasenser Autohauses E³, Dean Ebelshäuser, beschreibt die Situation ähnlich: „Seit dem Ende der Prämie hat sich der Absatz von E-Autos halbiert. Ein Kaufanreiz und Ansporn für die Kunden ist dadurch weggefallen.“

E-Autos produzieren oder Strafe kassieren

Carsten Utzig, Standortleiter der Central-Garage Jung, berichtet, dass der E-Auto-Absatz bei Volkswagen seit Dezember stark gesunken sei – teilweise sei er sogar komplett eingebrochen. Die hohen Anschaffungskosten ohne staatliche Subvention und die dadurch sinkende Attraktivität des Kaufs eines E-Autos führten zu verunsicherten Kunden, erläutert Utzig. Viele Kunden seien deswegen nach dem Ende des Leasingvertrags für ihr E-Auto wieder auf einen Verbrenner umgestiegen.

Durch Herstellernachlässe und Leasingangebote seien viele E-Autos sogar günstiger als vor einem Jahr, schildern Schechter und Ebelshäuser. Das Gros der Kunden würde dies aber gar nicht wahrnehmen. Durch die Verschärfung der Abgasnormen und CO2-Grenzwerte sind viele Hersteller auf die Produktion von E-Autos angewiesen – ansonsten drohen Strafen. „Diese Entwicklung ist schädlich für Hersteller, Händler und Wirtschaft“, urteilt Hyundai-Händler Ebelshäuser.

Immer eine persönliche Entscheidung

Eindeutig liege die Präferenz seiner Kunden im Jahr 2024 wieder beim Verbrenner, schildert Schechter. Die meisten von ihnen hätten einfach gerne ein preiswertes Auto, das seinen Zweck erfülle: „Viele sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Verbrenner am zuverlässigsten ist, und sind gehemmt, E-Autos zu kaufen.“

Ebelshäuser ist davon überzeugt, dass Elektro nicht für alle Deutschen funktioniert – es komme auf das persönliche Fahrprofil an. Die Verunsicherung der Kunden sei zurzeit „vielleicht sogar größer denn je“. Ebelshäuser will zwar die Kunden für E-Autos begeistern, aber letztlich sei das immer eine persönliche Entscheidung, die jeder selbst treffen müsse.

E-Autos oft nur Zweitwagen

Für die Kunden sei es zu dem enorm wichtig, wie viel Wert ihr E-Auto in Zukunft noch haben wird, und da wollten sie keinen Fehler beim Kauf machen. Der fehlende Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur ist laut Schechter dabei nur ein kleineres Problem. Viele Kunden kauften sich ein E-Auto allenfalls als Zweitwagen, legten wegen der geringen Reichweite nur kurze Strecken zurück, um es dann zu Hause aufzuladen. Für lange Fahrten werde weiterhin der Verbrenner genutzt, sagt Schechter. Auch Carsten Utzig sieht vor allem die Sorgen um Reichweite, langfristige Zuverlässigkeit und Lademöglichkeiten als Hauptgründe für Verunsicherung bei den Autokäufern.

Ebelshäuser hat einen Unterschied im Kaufverhalten zwischen Stadt und Land festgestellt. Mieter in einem Mehrparteienhaus seien eher seltener Käufer eines E-Auto als Menschen, die in Eigentumshäusern auf dem Land leben. „In einem Mietshaus sind oft keine oder nicht genug Ladestationen vorhanden. Auf dem Land gibt es bessere Möglichkeiten, sein Fahrzeug zu Hause zu laden“, sagt Ebelshäuser. Utzig hingegen hat den Eindruck, dass eher Stadtbewohner E-Autos kaufen – weil sie einen besseren Zugang zu Ladesäulen hätten als Landbewohner.

Hybride nur aus steuerlichen Gründen?

Hybridfahrzeuge, also solche, die Elektro- und Verbrennermotor kombinieren, seien für viele Kunden eine Alternative, erzählt Schechter. Sie seien in den zurückliegenden Jahren immer beliebter geworden. Zurzeit seien bei Schechter im Neuwagenbereich „Mild-Hybrid-Fahrzeuge“ gefragt, die man nicht aufladen müsse, denn die Batterie lade sich beim Abbremsen von selbst. Auch in Ebelshäusers Autohaus seien Hybridfahrzeuge gefragt, nicht zuletzt, weil sich das Angebot erweitert habe. Bei der Central-Garage Jung steige der Absatz von Hybriden hingegen nicht, sagt Utzig. „Viele Kunden schaffen sich Hybridfahrzeuge nur aus steuerlichen Gründen an. Das Ladekabel liegt bei den Leasingrückgaben oft unbenutzt und originalverpackt im Kofferraum.“

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