Interview
Wagenblatt: „Die Großen wollen sich immer mehr abheben von den Kleinen“
RHEINPFALZ-Mitarbeiter Arno Noll sprach über die neuen Nachwuchsligen und die Konsequenzen mit Klaus Wagenblatt, der seit drei Jahren Jugendkoordinator beim FK Pirmasens ist. Der 66-Jährige engagiert sich seit 46 Jahren im Juniorenfußball und hat in dieser Zeit beim SC Hauenstein U17- und U19-Mannschaften bis hinauf in die Regionalliga trainiert.
Herr Wagenblatt, wie beurteilen Sie diese Entwicklung der gewollten Zentralisierung auf Profivereine mit NLZ?
Noch fehlen uns einige Informationen, noch ist nicht alles klar verständlich. Aber das alles hatte sich schon angedeutet. So hat der FSV Mainz 05 seine D-Junioren, die U13, schon nicht mehr in der Verbandsliga mitspielen lassen, sondern spielt hier nur noch gegen Teams aus anderen Nachwuchsleistungszentren. Es scheint oben nicht zu interessieren, was unten abgeht. Bei Corona trat dies deutlich zutage, als die Spieler in den Nachwuchszentren trainieren durften und wir nicht. Als ob die weniger anfällig für Erkrankungen wären als wir. Die Großen wollen sich immer mehr abheben von den Kleinen. Dabei lassen sie außer Acht, dass die allermeisten Spieler in ihren U17- und U19-Teams ursprünglich in kleinen Vereinen angefangen haben.
Ist es nicht so, dass es immer weniger Vereine gibt, die Nachwuchsarbeit leisten und sich diese Arbeit auf immer weniger Vereine konzentriert?
Das ist richtig. Wir haben beim FKP auch dahingehend auf diese Entwicklung reagiert, indem wir die Arbeit im U10- und U12-Bereich wieder aufgenommen haben. Diese Zentralisierung führt schon im Aufbaubereich dazu, dass der Einzugsbereich immer größer wird und die Fahrten zu den Spielen immer weiter ausfallen. Nehmen wir nur einmal unsere D-Junioren. Die spielen in der Verbandsliga und müssen dreimal nach Mainz und dreimal ins Nahetal fahren. Der nächstliegende Gegner ist noch der 1. FC Kaiserslautern. Das muss ein Verein, das müssen die Eltern und die Kinder erst einmal leisten können und wollen.
Inwieweit hat sich diese Konzentrierung auf die Nachwuchsleistungszentren schon auf die Nachwuchsarbeit beim FKP ausgewirkt?
Wir beobachten, dass regelmäßig Scouts dieser Vereine bei uns Spieler sichten. Das ist in Maßen gewiss in Ordnung. Auch wir sichten ja im engeren Umfeld Spieler. Aber wenn das dazu führt, dass wie vor eineinhalb Jahren zwölf Spieler des Jahrgangs 2007 von uns zu Nachwuchsleistungszentren abwandern, dann stellt sich für uns die Frage, wie wir es künftig noch schaffen können, den Talenten in unserem Umkreis Verbands- oder Regionalliga in erreichbarer Nähe anbieten zu können.
Wie sieht es künftig mit der Attraktivität der Junioren-Regionalliga aus, wenn die Zugpferde 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg und 1. FC Kaiserslautern fehlen? Der FCK steht in der U19-Bundesliga aktuell nur auf dem vorletzten Platz, kann aber nun nicht mehr in die Regionalliga absteigen, da er als NLZ-Verein automatisch für die DFB-Nachwuchsliga qualifiziert ist ...
Auch das ist eine Frage, die oben niemand interessiert. Die Antwort wird dann „unten“ aufschlagen. Ganz klar werden alle in der Regionalliga verbleibenden Vereine und die Spieler diese attraktiven Gegner vermissen. Es kommt hinzu, dass aus den Verbandsligen Vereine hochkommen, die es ansonsten nicht geschafft hätten. Wir müssen ja auf die Zahl 14 kommen. Das kann ja nicht dazu führen, dass mehr Qualität in die Regionalliga kommt.
Sie sind schon länger dafür eingetreten, auch beim FK Pirmasens ein Nachwuchsleistungszentrum auf den Weg zu bringen. Woran ist das gescheitert?
Es ging einzig und allein darum, im Nachwuchsbereich mit den anderen Vereinen, die im Umfeld ein NLZ haben, mithalten zu können, auf Augenhöhe unterwegs zu sein. Wir sind ja mit dem Anspruch unterwegs, Spieler hier ausbilden zu wollen, die dann in unseren Herrenmannschaften mitspielen können. Der Abstieg unserer Herren aus der Regionalliga kam dann zur Unzeit für dieses Vorhaben, denn nur bei Vereinen ab der Regionalliga kann ein solches Nachwuchsleistungszentrum angesiedelt werden. Das Fundament dazu wäre beim FKP vorhanden. Wir verfügen über ein ausgezeichnetes Spiel- und Trainingsgelände, unsere Trainer sind top ausgebildet, alle Altersklassen sind besetzt. Diese Nackenschläge wie jetzt die Einführung der Nachwuchsligen setzen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern immer wieder zu, erschweren die Arbeit und können letztendlich auch zur Frustration führen. Wir verfügen über ein tolles Team beim FKP. Es wäre schade um jeden Einzelnen, den wir aus diesem Grund verlieren.
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