Pirmasens Wafo unter neuer Regie

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Die Wafo-Produktion für Schnecken und Zylinder ist seit Anfang August nicht mehr in Familienhand: Die Eigentümer haben ihr Hauptgeschäft an den US-amerikanischen Konzern Nordson verkauft. Der will nun am Standort investieren – Mitarbeiter werden gesucht.

Zum 3. August hat der US-amerikanische Konzern Nordson den Produktionsbetrieb für Schnecken und Zylinder übernommen; damit änderte sich auch dessen Name von Wafo Produktionsgesellschaft mbH in Wafo Schnecken und Zylinder GmbH. Dies bestätigte gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ der bisherige Gesellschafter Andreas Wagner, der zuvor mit seiner Schwester Anja Wagner den vom Vater gegründeten Betrieb geführt hat. Die derzeit 65 Mitarbeiter, darunter zwei gewerbliche Auszubildende, müssten sich jedoch nicht sorgen, betonte er: Es sollten keine Arbeitsplätze abgebaut werden – im Gegenteil. Der neue Eigentümer wolle am Standort kräftig investieren und dabei auch neue Arbeitsplätze schaffen; dies habe auch der für Europa zuständige Nordson-Manager den Mitarbeitern persönlich so vermittelt. Derzeit suchten sie bereits „massiv“ neue Mitarbeiter, so Wagner: Metallfachkräfte vor allem im Bereich Fräsen und Drehen. Geplant sei außerdem, eine Halle auszubauen am Standort Pirmasens. Genaues könne er noch nicht sagen, so Wagner, aber die Investitionen dürften im Millionenbereich liegen. Verkauft habe die Familie ihr Hauptstandbein, nachdem der Konzern ihnen ein Angebot unterbreitet habe. Ein Notverkauf sei dies keineswegs gewesen, betont Wagner – im Gegenteil. Sie hätten mit knapp neun Millionen Euro Umsatz in den zurückliegenden Jahren ein „Rekordgeschäft“ verzeichnet und zudem den Betrieb bankenunabhängig gemacht. Deswegen sei dies ein sehr guter Zeitpunkt für einen Verkauf gewesen, so Wagner. Seit 20 Jahren seien sie nun in zweiter Generation am Ruder gewesen, hätten den Umsatz verdoppelt und das Unternehmen komplett entschuldet. Befürchtungen, dass der neue Eigentümer einen Konkurrenten erst übernehmen und dann dicht machen könnte, hat Andreas Wagner nicht. So stelle Nordson zwar ebenfalls Komponenten für die Kunststoffindustrie her, sei aber bisher in Europa nicht mit eigenen Produktionen vertreten gewesen; der Kauf diene daher, ebenso wie der Kauf weiterer Betriebe, der Expansion. Zudem habe sich der neue Eigentümer durch einen entsprechenden Mietvertrag langfristig an den Standort Pirmasens gebunden; das Produktionsgebäude wurde nicht verkauft. Auch im Alltagsgeschäft werde sich nicht viel ändern, stellt Wagner fest. Es gebe zwar zwei neue Geschäftsführer aus dem US-Konzern, doch diese säßen nicht in Pirmasens. Dort wird Wagner selbst weiter die Geschäfte leiten. Er habe einen mehrjährigen Geschäftsführer-Vertrag, sagt er, und seine Schwester bleibe ebenfalls im Management – beide allerdings nun im Angestelltenverhältnis. Dies habe auch Vorteile, stellt Andreas Wagner fest und lacht. Zum Beispiel mehr Sicherheit. Das Unternehmertum hätten sie allerdings auch nicht aufgegeben; schließlich seien sie weiterhin selbstständig tätig in den Bereichen Immobilien, Consulting und Maschinenbau. Die 1967 von Klaus Wagner gegründete Wafo stellt in Pirmasens Schnecken und Zylinder vor allem für die Kunststoffindustrie her. Kunden sind Hersteller von Extrusionsanlagen und Spritzgußmaschinen, aber auch die Kunststoff verarbeitende Industrie selbst. Viele Wafo-Produkte sind kundenspezifische Problemlösungen. Tätig ist das Pirmasenser Unternehmen weltweit: in Europa ebenso wie in Asien, auf dem amerikanischen Kontinent oder in Russland. Der Nordson-Konzern mit Sitz in Westlake (Ohio) stellt ebenfalls Komponenten für die Kunststoffindustrie her, ist aber breiter aufgestellt. So entwickelt, produziert und vermarktet er nach eigenen Angaben Produkte und Systeme, die etwa zur Auftragung von Klebstoffen, Beschichtungen, Dichtungsmitteln, Biomaterialien und anderen Materialien, für Flussmanagement, zur Prüfung und Inspektion, UV-Härtung und Plasmaoberflächenbehandlung verwendet werden. Nordson beliefert unterschiedliche Branchen und ist in 30 Ländern vertreten. Das 1954 gegründete Unternehmen hat mit rund 6000 Beschäftigten zuletzt einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden US-Dollar (etwa 1,3 Milliarden Euro) erzielt. (tre)

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