Pirmasens
Wölfling-Haushaltswaren schließt seine Pforten
Das 175-jährige Bestehen im vergangenen Jahr wollte er unbedingt noch feiern, erzählt der 66-jährige Einzelhändler. 2024 sollte dann Schluss sein. „Mit den Mieten und zwei Einzelhandelsstandorten in der Stadt hat es 40 Jahre lang gut funktioniert“, sagt Heiner Wölfling, der jedoch klare Indizien dafür sieht, dass es nicht mehr lange so weitergegangen wäre. In Hochzeiten habe er sechs Mitarbeiter in Teilzeit im Laden und drei in der Verwaltung beschäftigt. Aktuell sind es noch drei Mitarbeiterinnen im Laden. Die Verwaltungsarbeit teile er sich mit einer Mitarbeiterin. Die leeren Büros im Obergeschoss deuten auf prosperierendere Zeiten hin. Die hat Wölfling in den 1990er Jahren erlebt. Das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen sei der Höhepunkt in seiner Zeit als Chef der Firma gewesen. „Das war eine andere Welt als heute“, schwärmt er von den Jahren, als zudem mit der Hageha noch ein weiteres Verkaufs- und Werbeformat vorhanden war, das längst nicht mehr funktioniere.
Die Hageha-Messe und die Kulinaria hätten immer ganz neue Kunden gebracht, vor allem aus dem Saarland, die auch bei Verkaufssonntagen immer noch verzückt im Laden stünden, weil es so ein gut sortiertes Geschäft für Haushaltswaren nur noch selten zu sehen gäbe. Selbst Kunden aus Landau seien begeistert, wenn sie den Weg nach Pirmasens fänden, erzählt Heiner Wölfling und lacht. Aufbauend seien zudem die Touristen, die mit der Jugendherberge immer öfter in seinem Geschäft zu sehen gewesen seien. „Die halten sich immer lange bei uns auf und kaufen auch“, schildert er, um gleich einzuschränken. „Das reicht aber eben nicht mehr.“
Umsätze gesunken
Corona-Pandemie, das Zweibrücker Outlet und der Online-Handel haben die Umsätze in den Keller gehen lassen, sagt Wölfling. Die Corona-Zeit sei dank der Zuschüsse noch händelbar gewesen; zumal das zweite Geschäft in der Schäferstraße mit Werkzeugen, Eisenwaren sowie Stahl als Großhandel ohne Einschränkung geöffnet bleiben konnte. Allerdings haben die Pandemie, der Ukraine-Krieg und auch die Klimawandelfolgen zu einer Unsicherheit in der Bevölkerung geführt, die mit dem Wunsch nach vielen Reisen in einer Kaufzurückhaltung mündeten. Dies bekämen Geschäfte wie seines stark zu spüren. „Mit dem Outlet ist es nochmal schwieriger geworden. Die großen Marken wie Villeroy & Boch oder Le Creuset sind alle dort – und fertig ist es“, schildert Wölfling. Die angekündigte Erweiterung des Zweibrücker Outlets auf alle möglichen Einzelhandelssortimente werde die Lage für Einzelhändler in der Umgebung noch verschlimmern, ist er überzeugt.
Bis vor rund zwölf Jahren sei es für sein Unternehmen einfacher gewesen – mit einem Mix an Geschenkartikeln, Waren für den gedeckten Tisch vom Besteck bis zum Essservice sowie Produkten für das Kochen vom Küchenmesser bis zur Pfanne. Mit diesen drei Bereichen habe er damals in etwa gleichen Teilen Umsatz erwirtschaftet. Jetzt mache das Kochen rund 60 Prozent aus und die Geschenkartikel noch 35 Prozent. Der gedeckte Tisch sei auf 15 Prozent geschrumpft. Aktionen wie Hochzeitstische gebe es seit zehn Jahren kaum noch. Die Paare seien heute in der Regel komplett eingerichtet, wenn es zum Traualtar gehe, lautet seine Beobachtung.
Kinder schlagen andere Wege ein
Dabei habe er mit Neuheiten im Sortiment immer versucht, dem Trend zu folgen – während der Corona-Zeit beispielsweise durch die Grillartikel mitsamt Grillgeräten in allen Variationen und Grillseminaren. „Die haben mir immer sehr viel Spaß gemacht“, sagt Heiner Wölfling. Aber auch dieser Trend sei schnell versandet. Das Weihnachtsgeschäft mit der entsprechenden Dekoration habe ihm auch immer besondere Freude bereitet, er hebt hier die Herrenhuter Sterne hervor. „Das war für mich immer Gelegenheit zu erklären, was es mit Herrenhut auf sich hat“, meint er und lacht. Sehr angetan in seinem Sortiment haben es ihm auch die Victorinox-Taschenmesser und überhaupt Schneidwaren mit guten Küchenmessern.
Nach dem 31. Januar wird es vorläufig nur noch den Metallwarenhandel in der Schäferstraße geben. „Da sind wir noch am Verhandeln mit Firmen, die uns übernehmen wollen“, verrät er. Für die Haushaltswaren habe er niemanden gefunden. Die drei Kinder haben sich beruflich anders orientiert.
In der Schäferstraße geht’s weiter
Wie es mit dem zweigeschossigen Laden in der Hauptstraße nächstes Jahr weitergehen wird, sei völlig offen. Es gebe noch keine Interessenten. Wölfling könnte sich auch andere Nutzungen vorstellen. Überhaupt müsse sich die Fußgängerzone in eine andere Richtung hin entwickeln. „Es braucht andere Themen, vielleicht eine Kunstwerkstatt. Der Handel muss auf kurzer Strecke konzentriert sein, aber auch bleiben“, nennt er eine grobe Vorstellung von der Fußgängerzone im Jahr 2030. An der politischen Weichenstellung werde er auch mitarbeiten. Als CDU-Stadtratsmitglied bleibe er der Stadt erhalten. Und dazu kommen noch weitere Ehrenämter vom IHK-Prüfer, Rotarier bis zum Handelsrichter und Mitgliederverwalter des CVJM, für die er nächstes Jahr mehr Zeit haben wird. Was er sonst noch machen will, weiß er nicht. „Vielleicht mache ich wieder was, aber ohne die volle Verantwortung“, schildert Wölfling. Was das genau sein könnte, wollte er aber noch nicht verraten.
Jetzt gehe es erstmal an den Räumungsverkauf, der am Donnerstag, 31. Oktober, mit Rabatten von mindestens 20 Prozent starten werde. Zur Vorbereitung werde das Geschäft vom 28. bis 30. Oktober geschlossen bleiben. Der Räumungsverkauf soll bis 31. Januar laufen. Der Betrieb in der Schäferstraße gehe normal weiter, betont Wölfling.