Pirmasens Von wegen alte Herren

Die Musiker von „Second Generation“ infizieren ihr Publikum in Dahn mit Samba und Swing.
Die Musiker von »Second Generation« infizieren ihr Publikum in Dahn mit Samba und Swing.

Sie treiben sich gerne in der Bigband-Ecke herum und lieben es, Bossa-Nova-Nummern als Samba zu spielen. Die Herren von „Second Generation“ reißen mit ihrer Musik das Publikum im Alten Dahner E-Werk schier vom Hocker, denn still sitzen kann keiner beim Jazzfrühschoppen am Sonntag.

Sie eröffnen mit Lester Young, spielen das geschmeidig-laszive „Georgia On M Mind“ von Ray Charles und Kenny Dorhams „Blue Bossa“, doch ihre Leidenschaft gilt ganz offensichtlich Duke Ellington, von dem sie gleich mehrere Stücke nach ihrer Machart präsentieren. Von der Jazzlegende standen zwar Titel wie „I Am Beginning To See The Light“ und auch „The Caravan“ auf der Playlist, doch besonders herausragend war der Liebeskummer-Song „Don’t Get Around Much Anymore“, ein Paradestück für die Posaune, die Paul Schütt ganz wunderbar spielt. Voller Swing gibt er mit seinem Instrument das Thema vor, während die anderen ihn ehrfurchtsvoll musikalisch hofieren. Erst nach und nach wagen sie sich in den Vordergrund: vorneweg Saxofonist Rolf Muffler, der mit seinem Solo dem Publikum ordentlich einheizt, bis Udo Sailer am Piano das musikalische Zentrum übernimmt und final dann alle Instrumente zusammenklingen und sich als Bigband präsentieren. Eine Bereicherung für das Konzert, ganz besonders für dieses Stück, ist Schlagzeuger Ottmar Schmitt, der eigentlich bei den „Heidelberg Jazz Men“ spielt und am Sonntag für den erkrankten Eugen Fallmann einspringt. Die „Oldies“ der „Second Generation“, wie sie sich selbst mit einem Augenzwingern nennen, das sind neben Bandleader Freddie Münster, der am Sonntag Tenorsaxofon spielt, Paul Schütt an der Posaune, Rolf Muffler an einem zweiten Saxofon, Udo Sailer am Piano und Ottmar Schmitt am Schlagzeug. Und es macht einen enormen Spaß, den Herren zuzuhören, denn nicht nur ihre Spielfreude und die Rhythmen sind ansteckend, sondern auch ihre unterhaltsame, lässige Art macht sie so sympathisch. Und sie haben einen Narren gefressen am Samba. Juan Tizols „Perdido“ klingt bei „Second Generation“ herrlich nach Brasilien. Das Publikum ist schnell von der Musik eingenommen, ja richtiggehend infiziert. Der proppenvolle Saal im Alten E-Werk in Dahn swingt und während die Köpfe der Jazzliebhaber hin und her wiegen, geben deren Füße den Takt am Boden. Gefunden haben sich die Herren 2015, als Trompeter Thomas Siffling die Idee hatte, eine Band zusammenzustellen, deren Musiker noch mit der ersten Jazzer-Generation rund um Mannheim gespielt haben. Daher rührt auch der Name der Formation: „Second Generation“, deren Repertoire von Dixieland über Swing bis hin zum Modern Jazz den Bogen spannt. Mit dem Jazzstandard „Back Home Again Indiana“ tauchen die Herren in die 20er Jahre ein, um zu beweisen, dass sie die „alten Sachen“ auch draufhaben. Und mit Sonny Rollins’ „Doxy“ werden sie wieder modern. Aber beweisen müssen die Musiker von „Second Generation“ schon sehr schnell gar nichts mehr. Sie wissen ihr Publikum zu begeistern. Ein Publikum, von dem sie anfangs gar nicht geglaubt haben, dass es überhaupt existiert auf dem platten Land – womit natürlich die schönen Hügel des Dahner Tals gemeint waren.

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