17. RHEINPFALZ-SPORTLERWAHL
Von großen Zielen, Seriengewinnern und entführten Süßigkeiten
Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich an diesem Donnerstagabend im proppenvollen Gastraum des Framas-Stadion erfolgreiche Sportler versammeln, um die Sportlerin, den Sportler und die Mannschaft des Jahres 2022 in der Region Pirmasens zu küren, gehört der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick an diesem Abend wohl eher zu den Pechvögeln. Er hat sich nämlich tags zuvor bei der Wiedereröffnung der Skateranlage im Strecktalpark, als er die Anlage gleich mal testen wollte, eine Rippen- und Schulterverletzung zugezogen. Die Grußworte kommen ihm dafür erstaunlich locker über die Lippen. „Pirmasens und die Südwestpfalz sind eine Region des Sports. Sie alle halten unsere Fahnen hoch“, zollt er den Geehrten Respekt.
Ausgelassene Stimmung herrscht bereits vor dem offiziellen Beginn. Bernd und Günter Jung aus Hinterweidenthal sowie Roman Hof aus Münchweiler sind Fußballer der SG Sauerbachtal. Die AH-Kicker haben 2022 für ein „Sommermärchen“ gesorgt, indem sie beim DFB-Ü50-Cup in Berlin den vierten Platz erreicht haben. Auch bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl kommen sie auf Rang vier.
Auch Randsportarten vertreten
Sie begrüßen einen ehemaligen Fußballer, Dieter Gast. Der Leiter der Pirmasenser Kriminalinspektion ist wiederum die „Begleitung“ seiner Tochter Marie. Die 26-jährige Rennreiterin ist erstmals bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl nominiert. „Es ist schon cool, dabei zu sein, gerade weil Rennreiten zu den Randsportarten zählt“, sagt sie voller Vorfreude, während Papa Dieter das Geschehen mit dem Handy filmt. Ihre sportliche Karriere ist steil verlaufen. Mit dem fünften Platz zeigt sich die angehende Tierphysiotherapeutin zufrieden. „Für die Weltmeisterschaft dieses Jahr habe ich mir aber mehr vorgenommen“, merkt sie augenzwinkernd an.
Während die Sportlerinnen und Sportler sehr gechillt die Ehrung verfolgen, hat RHEINPFALZ-Fotograf Martin Seebald alle Hände voll zu tun. Seine Videosequenzen über die jeweiligen Sportler genießen schon Kultstatus. Außerdem schießt er auch noch Fotos von den Geehrten, kaum Zeit also, das Buffet zu genießen.
„Next Generation“ schon in den Startlöchern
Im Kreise von Ehefrau Verena, Sohn Moritz (8) und Tochter Emilia (11) verfolgt der Lemberger Langläufer Jens Becker die Nominierung. Der 42-jährige Zahnarzt hat nicht nur den Pfälzerwaldmarathohn gewonnen, sondern auch die Laufserien Wasgau-Cup und Energie-Südwest-Cup. Die Tüte voller Süßigkeiten von Wawi, die es unter anderem für den dritten Platz bei der Sportlerwahl gab, nimmt er entgegen und muss sie gleich wieder abgeben. „Die Kinder haben das Recht des ersten Zugriffs“, sagt er. Die elfjährige Emilia lässt mit außerordentlichen Leistungen im Laufen aufhorchen. Sie dürfte in einigen Jahren zur „Next Generation“ bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl gehören.
Seit Jahren gewinnt das „Gym and Dance Team“ der TS Rodalben mit Trainerin Inge Hollerith den Preis für die Mannschaft des Jahres, so auch dieses Jahr. Und doch ist die Aufregung groß: „Es wurde ja zum ersten Mal nur online gevotet. Wir waren bis zuletzt nicht sicher, ob es reicht“, kommentiert Janine Fix, TSR-Vorsitzende und Teammitglied, den mittlerweile 13. Erfolg. „Wir trainieren seit Kindesbeinen zusammen und sind auch privat gut befreundet“, antwortet sie auf die Frage vom stellvertretenden RHEINPFALZ-Chefredakteur Wolfgang Kreilinger nach dem Erfolgsrezept.
„Aufgeregter als bei jedem Start“
Als Schwimmerin extrem erfolgreich ist die Bruchweilerin Sophie Bastian. Die 19-jährige Abiturientin wird RHEINPFALZ-Sportlerin des Jahres 2022: „Ich bin aufgeregter als bei jedem Start“, gibt sie vor der Bekanntgabe zu. Nach ihrem Sieg gehören Vater und Mutter sowie Trainerin Mirjam Semmet vom SV Blau-Weiß Pirmasens zu den ersten Gratulanten.
Mit 13 Jahren der jüngste unter den Geehrten ist Radfahrer Carl Dommermuth. Der Schüler des Dahner Gymnasiums wird von Mama Claudia begleitet und kann sich – im Gegensatz zu den Radrennen – hier ganz schlecht einschätzen. „Ich bin sehr gespannt, aber ich kenne auch einige der Sportgymnastinnen von Dahn“, freut er sich über bekannte Gesichter und ebenso über den zweiten Platz.
In sozialen Medien geworben
Moritz Heene wurde im vergangenen Jahr Sechster im Finale der deutschen Meisterschaft über 110 Meter Hürden im Berliner Olympiastadion. Bei der Wahl zum Pirmasenser Sportler des Jahres reichte es zu Platz eins. „Ich habe über soziale Netzwerke für ein Votum geworben, das scheint geklappt zu haben“, berichtet der 21-jährige Rodalber.
Eine sehr vielseitige Sportlerin ist Jana Rohr vom TV Thaleischweiler. Die 19-Jährige spielt in der Pfalzliga Handball und ist deutsche Meisterin im Steinstoßen. „Letztes Jahr waren wir als Mannschaft hier, dieses Jahr bin ich – zu meiner Überraschung – als Einzelsportlerin dabei“, sagt sie nach dem Gewinn des zweiten Platzes. Auch wenn die meisten Athleten schon am nächsten Abend wieder trainieren, Zeit für die „Schlacht am kalten Buffet“ nehmen sich alle.