Pirmasens Von Früh- und Tiefstarts
„Ihr seid beim Weitsprung!“, lautet die kurze und prägnante Anweisung von Sportlehrerin Birgit Hohlweg an diesem Dienstag um 9.45 Uhr an eine Gruppe von Mädels des Pirmasenser Hugo-Ball-Gymnasiums gerichtet. Bei strahlendem Sonnenschein herrscht eine Viertelstunde vor dem Beginn des Leichtathletik-Regionalentscheids Rheinhessen-Pfalz von „Jugend trainiert für Olympia“ im Pirmasenser Stadion Spesbach reges Treiben. Rund 250 Schülerinnen und Schüler aus 20 Schulen bereiten sich auf die Wettkämpfe vor. Die Gersbacherin Lea Passauer, Mehrkampftalent des LAZ Zweibrücken, trägt statt Spikes und Laufshirt Sneakers und Jeans. „Ich wiege die Speere, aber wo ist die Waage?“, fragt die 15-Jährige. Sie gehört nicht in die Altersgruppe derjenigen, die hier aufgefordert sind, möglichst gute Leistungen zu bringen. Gesucht werden die besten Schulteams im Wettkampf I (16 bis 19 Jahre) männlich und weiblich sowie im WK IV (zehn bis 13 Jahre) männlich. „Macht aber nichts, es macht auch mal Spaß, als Helferin dabei zu sein“, sagt Lea lächelnd. Derweil geben Sportlehrer Michael Brödel und Christoph Groß vom Hugo-Ball-Gymnasium letzte Anweisungen an vier junge Sprinter vor dem Start zum 50-Meter Lauf, einer von den fünf Disziplinen im WK IV neben Weit- und Hochsprung, Ballweitwurf und 4x50-Meter-Staffel. 30 Kinder des Ball-Gymnasiums nehmen teil. Schade, dass aus der Südwestpfalz sonst nur noch das OWG Dahn, zwei Zweibrücker Gymnasien und die Herzog-Wolfgang-Realschule Zweibrücken teilnehmen. Max Strassel und Robin Deutsch aus Kröppen sowie Leon Anderie aus Waldfischbach stehen am 50-Meter-Start inmitten einer Gruppe von etwa 20 Schülern. „Viele Kinder, keine Starter“, ruft Harald Peter, eine Liste mit Startern in der Hand haltend, von denen sich die wenigsten melden. Schließlich tauchen aus dem Getümmel doch alle Teilnehmer auf. Nach zwei Frühstarts gelingt der dritte Startversuch. In jedem der Läufe mischt ein Pirmasenser mit. „Mit dem Start bin ich nicht zufrieden, wir übten aus dem Stehen zu starten und heute mit dem Tiefstart war ich etwas langsamer“, bilanziert Robin Deutsch sein 7,8-Sekunden-Rennen. Während die drei Pirmasenser Gymnasiasten zum Weitsprung gehen, sitzt Jonas Klein noch entspannt auf der Tribüne und hört Musik. Der 18-Jährige aus der Sickingerhöh-Gemeinde Saalstadt, amtierender Hallen-Landesmeister seiner Altersklasse im 200-Meter-Sprint, wird später fürs Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium eine Menge Punkte holen. Er sprintet die 100 Meter in 11,19 Sekunden, springt 6,29 Meter weit und siegt mit der Staffel. Das Hofenfels gewinnt bei der WK I den Regionalentscheid vor der Bertha-von-Suttner-IGS Kaiserslautern und qualifiziert sich damit für den Landesentscheid am 22. Juni in Koblenz. Während Klein noch relaxt, instruiert Sportlehrer Klaus Schneider vom Gymnasium Maxdorf seine zehn Teilnehmer. „Einige sind noch ganz schön müde, wir sind um 7.45 Uhr mit dem Bus losgefahren in die Westpfalz“, erzählt er. Für die Maxdorfer Schule soll vor allem Leon Paton Doing, zwölf Jahre jung und bereits 1,79 Meter groß, im Ballweitwurf Punkte holen. „Er ist eine Granate“, schwärmt sein Sportlehrer. Am Ende landen die Hugo-Ball-Gymnasiasten in der WK IV auf Platz sechs unter 15 Mannschaften. „Sie zeigten ausgeglichen gute Leistungen, wobei keiner der Jungs im Leichtathletiktraining ist“, stellt Sportlehrerin Hohlweg nicht unzufrieden fest. Herausragend in ihrem Team: Oskar Prokopchuk von der 6d, der die 800 Meter in 2:32 Minuten läuft und 4,50 Meter weit springt. Im WK I weiblich landen die Ball-Mädels auf Platz drei unter drei Teams. „Auch sie sind nicht im Leichtathletiksport zu Hause. Sie haben aber alle ihr Bestes gegeben und zum Teil persönliche Bestleistungen erzielt“, lobt Lehrerin Hohlweg und hebt die 2:40 Minuten von Alexa Cronauer über 800 Meter hervor.