Pirmasens Von damals für heute lernen

Jugendliche des Jugendforums bei den Dreharbeiten.
Jugendliche des Jugendforums bei den Dreharbeiten.

Nicht einmal zwei Monate nach Beschluss ging es in die Drehphase beim Jugendforum: Das Filmprojekt von Pirmasenser Jugendlichen unter dem Bundesprojekt „Demokratie leben!“ ist in vollem Gange. Zuletzt trafen sich die Beteiligten im Gründerinnenzentrum auf der Husterhöhe, um Szenen für eine historische Dokumentation zu drehen.

Betritt man den Raum, denkt man zuerst, man wäre in einem professionellen Hollywood-Studio. Mit drei verschiedenen Kameras werden die verkleideten Darsteller für einen Film abgelichtet. Das Set befindet sich jedoch nicht in Los Angeles, sondern unter dem Grips-Gebäude auf der Husterhöhe. Die Darsteller sind keine gut bezahlten Promis, sondern Jugendliche. Das Jugendforum dreht im Rahmen des Pilotprojekts „Demokratie leben“ einen Film über das jüdische Leben in Pirmasens zwischen 1933 und 1945. Die meisten der beteiligten Jugendlichen, die aus der Stadt wie aus dem Landkreis Südwestpfalz kommen, haben über die Anne-Frank-Ausstellung zusammengefunden, die bis Anfang Mai in der Alten Post zu sehen war. In dieser gaben sie unter anderem Führungen für Flüchtlinge. Jetzt schlüpfen die jungen Leute für den Film in Rollen aus vergangenen Zeiten. Der Dokumentarfilm soll die Beziehung zwischen deutschen und jüdischen Familien in den Vordergrund rücken. Norman Salzmann, einer der beteiligten Erwachsenen aus dem Stadtarchiv, nennt beispielsweise die Olympischen Spiele 1936 als einen besonderen Punkt in jener Zeit. Zu dieser waren die antisemitischen Gesetze für kurze Zeit außer Kraft gesetzt und Juden konnten zum Beispiel wieder ins Schwimmbad gehen, was ihnen zuvor meist untersagt war. Der Film bezieht sich auf Pirmasens, beleuchtet aber auch die damaligen Umstände im Deutschen Reich. So werden in einer Szene beispielsweise gefälschte Ausweise für die verfolgten Juden hergestellt. Alle Charaktere, welche von den Jugendlichen gespielt werden, beziehen sich auf reale Personen. „Im Abspann zeigen wir dann die Originale mit Bildern“, erklärt Heike Wittmer, Leiterin des Stadtarchivs. Zum einen sei es wichtig, dass die Jugendlichen Spaß an der Sache haben. Sie sollen aber auch etwas lernen. „Sie werden auch Schlüsse für heute ziehen“, ist Wittmer überzeugt. Auch Kirin Sommer, einer der jugendlichen Darsteller, unterstreicht diese Aussage. „Wenn man die momentane politische Entwicklung in Deutschland betrachtet, ist einem sofort alles klar“, erzählt der Leibniz-Schüler auf die Frage, warum er sich an dem Projekt beteiligt. Auch er fand über die Anne-Frank-Ausstellung zum Projekt. Der 15- bis 30-minütige Film soll am 28. Januar im Carolinensaal Premiere feiern. Das Pirmasenser Jugendforum ist eine Gruppe, die unter dem Projekt „Demokratie leben“ gegründet wurde. Der Film ist ihr erstes Vorhaben. Im nächsten Jahr soll es noch weitere Projekte geben, darunter auch eine virtuelle Stadtführung (wir berichteten am 4. September).

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