Pirmasens Verwaltungsmitarbeiter verschließen sich der Digitalisierung ihres Wissens
Seit zwei Jahren arbeitet die auf der Husterhöhe ansässige Firma Computational Modelling Pirmasens GmbH (CMPG) an einem digitalen Zwilling für Pirmasens. Alle verfügbaren Daten aus der Stadt – vom Statistischen Landesamt über Kartendienste wie Openstreetmap und natürlich Daten aus der Stadtverwaltung selbst – sollen in dem Modell zusammenfließen und bessere Aussagen für optimierte Prozesse oder bisher nicht bekannte Gefahren ermöglichen. Weit fortgeschritten wegen der guten Vorarbeit im Tiefbauamt ist die Datenlage zum Abwassernetz. Hier konnte CMPG-Geschäftsführer Markus Kraft, der nebenbei noch Professor in Cambridge ist, am Freitag erste Erfolge vermelden. Die Leistungsfähigkeit von Abwasserpumpen hat Kraft für drei Pumpwerke in Steinig-Bühl, Hengsberg, Neues Feld, Rodalber Straße und Rheinstraße durchgerechnet und mit Daten von zwei Pumpenherstellern verglichen. Das Ergebnis war für Hengsberg sehr ernüchternd. Mit einer neuen, etwa 30.000 Euro teuren Pumpe könnten alleine dort pro Jahr 8000 Euro eingespart werden. Die Anlage hätte sich also bereits nach vier Jahren amortisiert.
Kleinere Einsparmöglichkeiten, die aber auch über mehrere Jahre hinweg lukrativ wären, gab es für die anderen Standorte. Insgesamt geht Kraft von einer Investition von 57.000 Euro für alle fünf Pumpwerke aus, die pro Jahr 14.000 Euro einsparen könnten. Das wären 24.000 Kilowattstunden im Jahr und die würden ausreichen, um einen durchschnittlichen Haushalt in Pirmasens acht Monate lang mit Strom zu versorgen. Den Stromfresser im Pumpwerk Hengsberg will Maas noch dieses Jahr mit einer sparsameren Pumpe ersetzen. Die anderen Pumpwerke sollen in den Folgejahren ersetzt werden.
Instrumente, um Prozesse zu optimieren
Maas zeigte sich am Freitag begeistert von der Arbeit Krafts, der für die Verwaltung die Instrumente liefere, mit denen Prozesse einfach optimiert und angepasst werden könnten. Als einen nächsten Schritte strebt der Bürgermeister die Erhöhung der Reinigungsleistung in den Kläranlagen an. Das könnte dadurch erreicht werden, dass dem Sammelbecken gezielt Abwässer zugeleitet werden, die zum Reinigungszustand des Wassers im Becken passen. Derzeit fließt alles ohne große Kontrolle in die Kläranlagen und wird nur mengenmäßig begrenzt.
Die neuen Pumpen sieht Maas auch als Möglichkeit, Personal einzusparen. Einsätze wegen Störungen könnten über die digitalen Rechenmodelle vermieden werden. Die Mitarbeiter hätten Zeit für andere Arbeiten.
Mitarbeiter mit „Angst vor Digitalisierung“
Für die weitere Entwicklung des digitalen Zwillings der Stadt braucht Kraft jedoch noch viel mehr Daten. In der Stadtverwaltung würden deshalb alle schon digitalisierten Daten zusammengetragen, informierte Maas. Dazu sollen die Informationen kommen, die in den Köpfen der Mitarbeiter sind. Die Zeiten von „Herrschaftswissen“ einzelner Verwaltungsangestellter sei vorbei, appellierte der Bürgermeister an seine Mitarbeiter zu kooperieren. Genau daran mangele es aber derzeit, weil die Mitarbeiter Angst vor der Digitalisierung hätten. Ein Problem, das Kraft auch von anderen Orten kennt. In England und Singapur, wo der Mathematiker ebenfalls solche digitalen Zwillinge erstellt, stoße sein Unternehmen auf ähnliche Widerstände in den Verwaltungen. „Das ist momentan eine unserer größten Baustellen“, meinte Maas.
Die Einsparpotenziale seien allerdings enorm. Kraft nannte als Beispiel die Fernwärmeversorgung in Pirmasens. Hier errechnete sein Unternehmen Sparpotenziale von über 20 Prozent, indem die Wärmebereitstellung über die Müllverbrennung besser mit der Eigenproduktion im Heizkraftwerk Pettenkofer Straße koordiniert werden könnte. Bis zu 50 Prozent Kohlendioxid könnte so vermieden werden, hat Kraft ausgerechnet.