Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Was macht ein Wort zum Jugendwort?

Hält sich hartnäckig: Digga oder Diggah sind noch immer im Sprachgebrauch zu finden. Aber es gibt auch neues zu entdecken, wie d
Hält sich hartnäckig: Digga oder Diggah sind noch immer im Sprachgebrauch zu finden. Aber es gibt auch neues zu entdecken, wie der Langenscheidt-Verlag herausgefunden hat.

Seit 2008 kürt der Langenscheidt-Verlag regelmäßig das Jugendwort des Jahres. Was sagen bekannte Jugendvertreter in Pirmasens zur aktuellen Wahl?

Das Jugendwort des Jahres wird in einem speziellen Auswahlverfahren ermittelt. Seit rund fünf Jahren gibt es, nach Kritik vieler Jugendlicher an der Abstimmung, ein neues Verfahren: Die Jugendlichen können selbst Wörter beim Verlag einreichen unter denen die zehn meisteingereichten im Internet zur ersten Abstimmung gestellt werden.

Nach der ersten Abstimmung werden die drei Favoriten zur finalen Abstimmung gestellt. Diese Abstimmung lief bisDienstag vergangener Woche auf der Internetseite des Langenscheidt-Verlages. Nach der Auswertung der Ergebnisse findet die offizielle Verkündung des „Jugendworts des Jahres 2025“ am 18. Oktober statt.

Kritik am vorherigen Auswahlverfahren

In den vergangenen Jahren gab es Kritik an der Abstimmung und der Auswahl der Wörter durch manche Jugendliche. Viele seien gar nicht stark verbreitet und manche Jugendliche würden die Wörter überhaupt nicht kennen. Wir haben unter Pirmasenser Jugendvertretern eine Umfrage gemacht, um diese These zu überprüfen und ihre Fitness in Sachen Jugendsprache auf die Probe zu stellen.

Jan Weimann (23) ist Kreisvorsitzender der Jungen Union in Pirmasens und Stadtratsmitglied für die CDU. Die zur Auswahl stehenden Wörter wurden ihm zunächst nicht genannt. Wie aus der Pistole geschossen kennt er jedoch sofort drei der Top Ten. Darunter „Checkst du“, „Schere“ und „Goonen“. Die Bedeutung der drei Wörter kann er auch sofort erklären. Nachdem ihm alle zur Auswahl stehenden Wörter der Top zehn vorgelegt werden, kennt er sieben von zehn Wörtern – von den Ausdrücken „Rede“, „Sybau“ und „Tuff“ habe er noch nie zuvor gehört, sagt Weimann. Er selbst verwendet „Lowkey“ und gelegentlich auch „das crazy“ in seinem alltäglichen Sprachgebrauch, gibt Weinmann zu. Er neige manchmal dazu auch englische Begriffe in seiner Alltagssprache zu integrieren.

Die Anrede „Digga“ verwenden Weimanns Freunde sehr regelmäßig. Jedoch sei seiner Meinung nach dieses Wort „mittlerweile kein aktuelles Jugendwort mehr, sondern eher so 2014“. „Checkst du“ nennt er seinen „Schlussfavoriten“. Dieses treffe den Zeitgeist und sei aktuell. Weimann selbst sagt, er habe in diesem Jahr bereits an der Abstimmung teilgenommen, wie auch in den Jahren zuvor.

Luis Wittmer (21) ist Naturfotograf und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat. Wittmer gibt zu, sich bisher nicht intensiv mit der Wahl zum Jugendwort beschäftigt zu haben. Aus der aktuellen Liste kann er sich an fast alle Jugendworte erinnern, außer „Sybau“. Bei ihm seien Formulierungen wie „das crazy“, „tuff“ und „tot“ in der Alltagssprache angekommen und er verwende sie regelmäßig. Mittlerweile könne er nicht mehr verstehen, wieso „Digga“ schon wieder in der Auswahl zu finden sei, denn es wurde bisher nie zum Sieger gekürt, sagt Wittmer. Er denke, dass viele Wörter in der Auswahl nur aus Spaß hinzugefügt wurden, denn er meine es oft nicht ganz ernst, wenn er spezielle Jugendwörter verwende. Der Freundeskreis Wittmers verwende dieselben Jugendwörter wie er selbst, sowie „Checkst du“, „Lowkey“ und „Rede“ regelmäßig. Er habe den Eindruck, in diesem Jahr seien so einige Wörter mit dabei, die tatsächlich auch von Jugendlichen verwendet werden. Seine beiden persönlichen Favoriten: „das crazy“ und „tuff“, da er beide am meisten in seinem Alltag höre.

Maximilian Clauer (15) ist Vorsitzender des Jugendstadtrats und kann keine benennen. Aus der Liste kennt er aber sieben von zehn Jugendwörtern und deren Bedeutung. Er selbst verwende regelmäßig die Wörter „Schere“ und „Digga“, wenn er in seinem Freundeskreis unterwegs ist, erzählt Clauer. Seine Freunde verwenden diese ebenfalls und manchmal noch „das crazy“. Zuhause oder während der Schulzeit verwende er die Jugendsprache nie. Sein persönlicher Favorit in diesem Jahr sei „Schere“. Er habe in den vergangenen zwei Jahren abgestimmt, sagt er.

Lucy Wieser (12) ist erste stellvertretende Vorsitzende des Jugendstadtrats und kann nur eins nennen, ohne in die Liste zu schauen: „Digga“.Auf der Liste erkennt sie „Tuff“, „Schere“ und „checkst du“ wieder. Sie persönlich verwende „checkst du“ und „Digga“ sehr häufig, gibt sie zu: „In fast jedem Satz.“ Die Ausdrücke „rede“ und „Sybau“ kannte sie bisher nicht. In der Schule und in ihrem Freundeskreis seien die Jugendwörter sehr häufig in Gebrauch, vor allem „Tuff“. Aber auch „Yolo“ ist laut Wieser wieder häufiger in Gebrauch, obwohl es schon ein sehr altes Jugendwort ist. Ihr persönliches Jugendwort des Jahres sei „Digga“ oder „Tuff“, würde sich aber auch für „checkst du“ entscheiden können. In den vergangenen Jahren habe sie nicht abgestimmt, räumt die Zwölfjährige ein, auch in diesem Jahr nicht.

Auch die Boomer dürfen wählen

In diesem Jahr gab es eine gegenteilige Aktion des Influencers Levi Penell in den sozialen Medien, nämlich das „Boomerwort des Jahres“. Hierbei gewann in diesem Jahr „Baujahr“, das oftmals anstelle von Geburtsjahr verwendet wird.

Weimann findet diese Aktion „absolut lustig“ und eine gute Gelegenheit die Generationen untereinander zu verbinden. „Schabernack“ sei beispielsweise so ein „typisches Boomerwort“, meinte Weimann. Durch Abstimmungen dieser Art stärke man das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen Sprachkultur und Kennenlernen der jüngeren und älteren Generation. Wittmer findet die Grundidee an sich gut, solange die Aktion nicht beleidigend werde und die Generationen gegeneinander ausspiele.

Info

Die Top Ten der Jugendworte des Jahres sind: „Checkst du“ (Sicherstellung, dass das Gegenüber bei einem Gespräch wirklich versteht, um was es gerade geht); „Das crazy“ (Allzweckwaffe bei Sprachlosigkeit, wenn man nicht weiß, was man antworten soll); „Digga(h)“ (Anrede für einen Freund oder Bekannten); „Goonen“ (Slang für Selbstbefriedigung und exzessive Pornosucht); „Lowkey“ (Wird verwendet, um etwas zurückhaltend und undramatisch auszudrücken, bedeutet so viel wie unauffällig oder insgeheim); „Rede“ (Enthusiastische Zustimmung mit Nachdruck. Wird oftmals gerufen, wenn jemand genau das ausspricht, was alle denken.) „Schere“ (Schuldeingeständnis unter Computerspielern); „Sybau“ (Englische Abkürzung von „shut your bitch ass up“, entspricht „Halt die Fresse“); „Tot“ (Beschreibt eine peinliche oder langweilige Situation, in der man sich befindet.); „Tuff“ als Abwandlung des Englischen „tough“ (beeindruckend). Ausgewählt wurden in einer Abstimmung: „Checkst du“, „Das crazy“ und „goonen“.

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