Pirmasens Udo Bölts ist sein Trauzeuge

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JAKOBSWEILER/HELTERSBERG. Amtierender Deutscher Berglaufmeister in der Altersklasse M 45, Dritter bei der deutschen Berglauf-Mannschaftsmeisterschaft mit dem TuS 06 Heltersberg, Gold in der Mannschaftswertung der Nationen bei der Senioren-Berglauf-Weltmeisterschaft 2012 sowie zahlreiche Podestplatzierungen bei unzähligen Volksläufen in unserer Gegend: Das sind nur einige der Titel, die Tom Heuer in seiner Laufkarriere gewonnen hat. Trotz allem sportlichen Ehrgeiz steht für den noch 45-jährigen Athleten aus Jakobsweiler im Donnersbergkreis das Naturerlebnis im Mittelpunkt.

„Die Motivation, täglich die Laufschuhe zu schnüren, erhalte ich aus dem Bedürfnis heraus, mich in der Natur sportlich zu betätigen. Laufen in freier Natur ist mehr als nur Sport, es ist Ausgleich und Kraftquelle zugleich“, beschreibt er seinen inneren Antrieb zum Laufen. Der gebürtige Westfale ist als promovierter Maschinenbauingenieur für die Aerodynamikentwicklung eines Kirchheimbolandener Turboladerherstellers verantwortlich. Seit gut zehn Wochen kommt eine zweite, zeitaufwendige und fordernde Aufgabe hinzu, die den Alltag im Hause Heuer entscheidend verändert und bereichert hat: Die Geburt des heute zweieinhalb Monate alten Sohnes Hannes. Dennoch ist sein Zeitmanagement so angelegt, dass er so gut wie täglich etwa eine Stunde läuft. „Oftmals spät abends rauf auf den Donnersberg, mit Stirnlampe, das ist gar kein Problem“, erklärt er und spricht in diesem Zusammenhang von der „Droge“ Laufen, allerdings im allerbesten Sinn. Die Leidenschaft fürs Laufen entdeckte der Familienvater recht spät. Zunächst spielte er als Jugendlicher in seiner Geburtsstadt Unna Handball. Später als Student betrieb er Fitness und legte Muskelmasse zu. „Ich merkte aber, dass mit der Gewichtszunahme auch Knieprobleme verbunden waren“, blickt er zurück. Die ersten Laufversuche startete er schließlich 1996. Den ersten Zehn-Kilometer-Volkslauf absolvierte er im Jahr 2003 im Alter von 33 Jahren in Frankenstein. Die Messlatte lag bei 34:59 Minuten. Eine Zeit, von der viele ambitionierte Läufer nur träumen können: Heuer kommentiert das so: „Es war sicherlich ganz gut, aber es reichte nicht, um aufs Podest zu laufen.“ Sein Anspruch an sich selbst ist hoch, er ist ein Wettkampftyp, kann sich in Wettkämpfen motivieren und alles abverlangen. Mit Erhöhung des Trainingsumfanges purzelten die Bestzeiten. Die ersten persönlichen Kontakte mit Udo Bölts, dem zwölfmaligen Tour-de-France-Teilnehmer aus Heltersberg, schlossen sich an. „Ich kannte Udo bis dahin nur aus dem Fernsehen“, erinnert er sich. Bei einem dieser Gespräche fasste er den Entschluss, im Jahr 2007 dem TuS 06 Heltersberg beizutreten. Die späte Laufkarriere fand ihren Höhepunkt im selben Jahr. Mit der persönlichen Bestzeit von 32:25 Minuten über zehn Kilometer überquerte er die Ziellinie mit 37 Jahren bei der deutschen Straßenmeisterschaft in Mannheim. Nach einem Hoch folgte ein langanhaltendes Tief. Eine Sportverletzung zwang ihn zu einer unfreiwilligen zweijährigen Pause von 2008 bis 2009. „Ich bin glücklich, den Sprung zurück wieder geschafft zu haben“, stellt Heuer rückblickend fest. Dank Yoga und eisernem Willen sei die Rückkehr zum ambitionierten Laufen möglich gewesen. Vor allem die Teilnahmen mit namhaften Läufern seines Vereins wie Jonas Lehmann, Tim Könnel, Matthias Hecktor, Udo Bölts und André Bour pushten Heuer zu Bestleistungen und dem Gewinn von deutschen Meistertiteln im Berglauf, darunter zwei in seiner Altersklasse und zwei mit der Mannschaft in der offenen Wertung. Eine außergewöhnliche Episode im Leben des Tom Heuer stellt die erste Bekanntschaft mit seiner Ehefrau Michelle dar. Der Radsportliebhaber Jockel Faulhaber und Udo Bölts machten die beiden im Jahr 2011 miteinander bekannt. Im Jahr 2013 heiratete das Pärchen. Eine logische Konsequenz: Udo Bölts fungierte als Trauzeuge. „Meine Frau ist extrem tolerant, sonst könnte ich mir die Zeit für das Laufen so nicht einteilen“, stellt er fest. „Das ist sehr wertvoll, denn es geht mir einfach nach einer Sporteinheit gut, sowohl psychisch als auch physisch“, stellt der promovierte Maschinenbauer fest. Ob mit Stirnlampe durch den Pfälzerwald, die Natur erlebend oder im Wettkampf um Zehntelsekunden, für Tom Heuer ist Laufen eine nicht wegzudenkende Leidenschaft. Mit leuchtenden Augen berichtet er über das Erlebnis, in aller Frühe durch die Wälder zu traben, deren Böden nebelbedeckt sind und der Himmel dabei strahlendblau erscheint, und dabei Fauna und Flora bewusst wahrzunehmen. Selbst wenn die biologische Uhr tickt, mit neuen Bestzeiten eher nicht mehr zu rechnen ist, freut sich Tom Heuer heimlich, still und leise, wenn er auch künftig dem einen oder anderen Laufkonkurrenten, der altersmäßig sein Sohn sein könnte, hin und wieder ein Bein stellt beim Kampf um einen Podestplatz.

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