CHEERLEADING RHEINPFALZ Plus Artikel TV Pirmasens: Projekt „Inclusion Cheer“ findet großen Anklang

Über 40 Teilnehmer verzeichnet das Training der neu gegründeten „Inclusion Cheer" des TVP.
Über 40 Teilnehmer verzeichnet das Training der neu gegründeten »Inclusion Cheer« des TVP.

Ein neues Angebot des Turnvereins Pirmasens ist ein riesiger Erfolg. Bei „Inclusion Cheer“ machen junge und ältere Menschen mit oder ohne Behinderung mit. Alle fiebern dem 10. Juli entgegen.

„Fünf, sechs, sieben, acht!“, rufen Ayleen Lambright und Lina Klug und bewegen sich dabei rhythmisch nach links und rechts. Hinter ihnen stehen rund 40 Sportlerinnen und Sportler im Alter von sechs bis 54 Jahren und machen es in der Halle des Turnvereins Pirmasens den Trainerinnen nach. Sie tanzen, turnen, üben Hebefiguren, schwenken glitzernde Pom-Poms (schrillfarbene Büschel) und haben dabei viel Spaß. Es sind allesamt Nachwuchs-Cheerleader des TVP.

Die Gruppe ist bunt gemischt – nicht nur, was das Geschlecht und das Alter angeht. Hier sporteln Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. „Inclusion Cheer“, diesen Namen hat sich die Inklusionsgruppe gegeben, die es seit Anfang April gibt. Schließlich sind die Ursprünge des Cheerleadens ja auch in Amerika verankert.

Keiner wird ausgegrenzt

Der Leistungsgedanke spielt, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um das gemeinsame Erlebnis, zusammen einem Hobby nachzugehen, ohne dass sich jemand ausgegrenzt fühlt. „Es wird viel über Inklusion im Sport gesprochen. Sprechen alleine reicht uns aber nicht, wir wollten etwas aktiv tun und so entstand die Idee der ,Inclusion Cheer’“, berichtet Klug.

Im Vereinsvorstand stieß der Inklusionsgedanke auf offene Ohren. Claudia Simon, eine von fünf Vorsitzenden, erklärt: „Die Kinder haben überhaupt keine Berührungsängste. Es ist völlig gleichgültig, ob der Partner eine geistige, körperliche oder gar keine Beeinträchtigung hat. Beeindruckend!“

Angefangen hat alles damit, dass gerade beim Cheerleader-Sport selbst bei Weltmeisterschaften Inklusionsgruppen teilnehmen. Warum also nicht auch beim TVP? Das Projekt wird gefördert mit Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Dadurch ist beispielsweise ein Abholservice möglich für diejenigen, die nicht mobil sind. Auch einheitliche Kleidung kann angeschafft werden. Zunächst wurden Flyer gedruckt und an Schulen verteilt. In den sozialen Netzwerken wurden Interessenten der „Inclusion Cheer“ beworben und das mit überwältigender Resonanz. „Wir staunten nicht schlecht, als zum ersten Training mehr als 70 Interessenten erschienen sind“, erinnert sich Ayleen Lambright, eine von neun Cheerleader-Trainerinnen, die sich in Kleingruppen um das richtige Trainingskonzept kümmert. „Ja, es sind deutlich mehr Mädchen als Jungs, aber es gibt sie auch, die Jungs, die sich fürs Cheerleadern begeistern“, erzählt Lambright, die selbst seit elf Jahren diesen Sport ausübt und das erfolgreich. Die 20-jährige Thaleischweilerin nahm mit ihrer Gruppe vom TVP bei den „Summer Cheer Masters“ 2019 in Koblenz teil.

Für die junge Frau ist es selbstverständlich, sich hier zu engagieren. „Es geht darum, dass die Leute sich nicht nur im Kreis von Einrichtungen präsentieren können, die speziell für behinderte Menschen eine Plattform bieten, sondern eben für jedermann und genau das kommt auch gut an“, sagt die Trainerin.

Proben für ersten Auftritt

Eine derjenigen, die aktiv in der neu formierten Gruppe trainiert, ist die 29-jährige Isabell Fremgen aus Pirmasens. Die junge Frau arbeitet bei der Heinrich-Kimmle-Stiftung in Zweibrücken und musste nicht lange überredet werden, Cheerleaden einmal auszuprobieren. „Ein Flyer lag im Büro, in dem ich arbeite. Ich bin neugierig geworden und ging einfach mal ins Training“, berichtet sie. Tanzen, erzählt sie ungeniert, gefalle ihr sehr gut, ebenso das Aufwärmen, Turnübungen und Hebefiguren hingegen bereiteten ihr keinen Spaß – jedenfalls noch nicht. Sie strahlt übers ganze Gesicht, sie freut sich auf jede Trainingseinheit jeden Mittwochabend ab 17.30 Uhr. „Ich verpasse kein Training. Es ist einfach schön und wenn ich etwas nicht verstehe, bekomme ich es noch mal erklärt, das gefällt mir“, schildert sie ihre positiven Eindrücke. Sie tanzt gemeinsam mit der sechsjährigen Danya.

Sie kommt aus Syrien und bewegt sich graziös, spielerisch leicht. Scheinbar schwerelos meistert sie die Hebefigur. Was beide verbindet, ist eine schier unglaubliche Vorfreude auf den 10. Juli. Dann nämlich steht der erste öffentliche Cheerleader Auftritt der noch jungen Truppe bevor und das vor großer Kulisse, beim Kinderspielfest am Eisweiher.

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