Sport RHEINPFALZ Plus Artikel TV Pirmasens hat in der Corona-Krise 60 Mitglieder verloren

Als Vorsitzende und Sportlerin der TS Rodalben von der Corona-Krise betroffen: Janine Fix, hier mit ihrem Stellvertreter Stefan
Als Vorsitzende und Sportlerin der TS Rodalben von der Corona-Krise betroffen: Janine Fix, hier mit ihrem Stellvertreter Stefan Eschbacher.

Hintergrund: Die Corona-Pandemie reißt beim größten Sportverein im Landkreis Südwestpfalz, der Turnerschaft Rodalben, und beim mitgliederstärksten Verein in der Stadt Pirmasens, dem TVP, wegen fehlender Veranstaltungen große Löcher in die Kassen.

Die alljährlich über 2000 Besucher anziehende „Showtime“ des Pfälzer Turnerbunds, Landesmeisterschaften, die Heimspiele der TSR-Handballer, diverse Vermietungen für Geburtstagsfeiern, Trainerlehrgänge und gleich zweimal der Babybasar – all das ist bei der TS Rodalben wegen Covid-19 ausgefallen. „Eigentlich wollten wir mit den Erlösen anstehende Investitionen in unserer Halle finanzieren. Das Gegenteil ist der Fall, denn laufende Kosten können nur schwer gedeckelt werden“, klagen die Vorsitzende der 1182 Mitglieder starken Turnerschaft, Janine Fix, und ihr Stellvertreter Stefan Eschbacher. Doch Fix kann auch Positives berichten: „Viele sehen sich mit unserem Verein solidarisch, wir haben noch kein einziges Mitglied in dieser schwierigen Phase verloren.“

Lockdown besonders hart für Rodalber Handball-Nachwuchs

Sportlich hart trifft es nicht zuletzt das Rodalber „Gym & Dance Team“, das den Deutschen Turnerbund bei der World Gym im Juli 2021 in Lissabon vertreten soll. Eigentlich hätten sich die Schützlinge von Trainerin Inge Hollerith für diesen alle vier Jahre stattfindenden Show-Contest über das nationale „Rendezvous der Besten“ qualifizieren müssen. Da dieses aber, wie sämtliche Vorentscheide (darunter die Showtime in Rodalben), aufgrund der Corona-Pandemie ausfiel, mussten sich die Gruppen mit einem Video bewerben. Und das „Gym & Dance Team“ überzeugte die Fachjury. Fix, selbst ein Team-Mitglied, merkt dazu an: „Um etwas zu erreichen, wäre ein geregelter Trainingsbetrieb vonnöten.“

Bedrückt äußert sich Eschbacher zum Zustand bei den Handballern, die (mit Corona-Einschränkungen) nur ein Pfalzliga-Heimspiel im Oktober austragen konnten: „Zum Gelingen des ersten Pfalzliga-Heimspiels haben wir einen extrem hohen finanziellen Aufwand betrieben. Keiner kann uns sagen, wie es weitergeht.“ Ganz schlimm stellt sich für ihn die Situation beim Rodalber Handball-Nachwuchs dar, der in allen Altersklassen höheren Ligen angehört und derzeit nicht trainieren kann.

Verluste im fünfstelligen Bereich

„Natürlich trifft mich als Vorstand die finanzielle Seite stark. Dass aber kein Sport ausgetragen werden kann, trifft mich als Sportlerin mindestens genau so hart, wenn nicht sogar noch mehr“, betont Janine Fix und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass unter Auflagen der Trainingsbetrieb wieder so bald als möglich aufgenommen wird.“

„Bis jetzt bewegen sich unsere finanziellen Verluste durch Corona im fünfstelligen Euro-Bereich“, berichtet Manuela Sauer, Sport-Vorstand, Geschäftsführerin und Übungsleiterin im 960 Mitglieder zählenden Turnverein Pirmasens. Groß ist auch hier die Liste der ausgefallenen Veranstaltungen: Stadtsportlerehrung, Gau-Turnmeisterschaften, Hochzeiten, Kunst- und Kreativ-Markt, Flohmarkt, Hoffest mit Grumbeerebrode, Skaten ohne Grenzen, Helferessen des Stadt-Jugend-Rings, Adventfeier des Schwimmvereins Blau-Weiß Pirmasens, Verleihung der Sportabzeichen, Weihnachtsfeiern der einzelnen Abteilungen und Schulungen von Verbänden. All das hätte Einnahmen gebracht, die nun fehlen. Dazu kommen nach Sauers Worten fehlende Kursgebühren, die nicht an Mitgliedsbeiträgen gekoppelt sind, Verluste durch Mietausfall in der coronabedingt geschlossenen Vereinsgaststätte, der Mietausfall von den Kegelbahnen und der Austritt von 60 Mitgliedern.

TVP will auf jeden Fall Fasnachtsorden herausbringen

Claudia Simon, im TVP-Vorstand für Wirtschaftsbetrieb und Veranstaltungen zuständig, merkt an, dass wegen der Einschränkungen die Fasnachtsveranstaltungen in der TVP-Halle ausfallen, hofft aber: „Vielleicht können wir am Fasnachtssamstag ein Open-Air auf unserem Gelände veranstalten. Auf jeden Fall werden wir einen Orden herausbringen.“

Zur Frage nach staatlicher Unterstützung äußert sie sich kritisch: „Wir Vereine betreiben ein Ehrenamt, bei dem wir uns mit vielen Projekten unter großen Anstrengungen um die Jugend kümmerten. Jetzt bekommen wir in dieser Situation von Regierungsseite keinen Cent“, klagt Simon.

Maskiert in der leeren TVP-Halle, in der so viel hätte stattfinden sollen: die TVP-Vorsitzenden Claudia Simon (links) und Manuel
Maskiert in der leeren TVP-Halle, in der so viel hätte stattfinden sollen: die TVP-Vorsitzenden Claudia Simon (links) und Manuela Sauer.
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