Thaleischweiler Trierer Domorganist Josef Still spielt Bach und Mendelssohn

Josef Still
Josef Still

Die Internationalen Orgelwochen in Rheinland-Pfalz beschließ t am 24. Oktober, 19 Uhr, der Trierer Domorganist Josef Still in Thaleischweiler.

Die Internationalen Orgelwochen in Rheinland-Pfalz beschließt am 24. Oktober, 19 Uhr, der Trierer Domorganist Josef Still in Thaleischweiler. Das Konzert in der protestantische Kirche Thaleischweiler ist zugleich Stills Abschiedskonzert in der Pfalz, nach 31 Jahren geht der Trierer Domorganist Ende Oktober in Ruhestand. Und er verabschiedet sich mit einem ungewöhnlichen Coup: „Im Grunde spiele ich die gleichen Bach-Stücke, die Mendelssohn 1840 in der Leipziger Thomaskirche spielte“, sagt Still.

Bei der Rekonstruktion des 185 Jahre zurückliegenden Orgelkonzertes stellte sich für Still die Frage, ob er versuchen sollte, die Interpretation von damals nachzuempfinden. Doch schon beim Versuch, der Registrierpraxis Mendelssohns zu folgen, gab es Probleme. Hat Mendelssohn als Musiker des 19. Jahrhunderts die Bach-Werke orchestral grundtönig registriert, oder hielt er an der alten Praxis fest , einen Satz weitgehend in einer Registrierung zu spielen? Man weiß es eben nicht, Still behalf sich so: An den Stellen, wo Mendelssohn improvisierte, spielt er Sätze aus seinen Orgelsonaten. Auch die Konzertpause von 1840 wird gefüllt durch ein Allegretto aus einer der Sonaten.

Der Mendelssohn-Brief

Folgende Werke spielt Josef Still an der Orgel in Thaleischweiler, einem Neubau im historisierenden Stil der ursprünglichen Stumm-Orgel, von der nur das Gehäuse von 1786 erhalten ist: Von Felix Mendelssohn Bartholdy Grave-Adagio aus der Sonate II in c-Moll, von Bach die Fuge Es-Dur (BWV 552), den Choral „Schmücke dich, o liebe Seele“ (BWV 654), Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543), als Pausenstück von Mendelssohn das Allegretto F-Dur aus der Sonate IV in B-Dur, danach von Bach Passacaglia und Fuge c-Moll (BWV 582 ), die Pastorale F-Dur (BWV 590), Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) und zum Schluss von Mendelssohn das Allegro moderato e serioso aus Sonata I und den Choral: „Was mein Gott will, das g’scheh’ allzeit.“

„Am Donnerstag habe ich hier in der Thomaskirche ein Orgelkonzert gegeben, von dessen Ertrag der alte Sebastian Bach einen Denkstein hier vor der Thomasschule bekommen soll. Ich gab’s solissimo und spielte neun Stücke und zum Schluss eine freie Fantasie. Obwohl ich ziemlich bedeutende Kosten hatte, sind mir doch über 300 Thaler rein übrig geblieben...“ schrieb Mendelssohn vier Tage nach seinem Leipziger Orgelkonzert in einem Brief an seine Mutter. Das restliche Geld für den Denkstein brachte er durch zwei andere Konzerte auf.

Der routinierte Organist

Die Orgel der Thomaskirche, auf der Mendelssohn damals spielte, wurde 1889 abgerissen. Anders als heute war im 19, Jahrhundert üblich, Zeitgenössisches aufzuführen, Unter den Zuhörern des Mendelssohnschen Orgelkonzertes war Robert Schumann, der über das Konzert in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ schrieb und schätze, dass 400 bis 500 Besucher lauschten.

Josef Still wurde 1959 in Deggendorf an der Donau geboren, studierte ab 1979 an der Münchner Musikhochschule Katholische Kirchenmusik und Orgel, ein Aufbau-Studiengang Cembalo schloss sich an. Ab 1983 wirkt er als Kirchenmusiker und Dekanatskantor in Neu-Ulm, seit 1994 ist er Organist an der Hohen Domkirche St. Peter in Trier und Orgelsachverständiger für das Bistum Trier. Daneben konzertierte er im In- und Ausland und nahm CD auf. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.

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