FUSSBALL-KOLUMNE
Tore, Träume, Temperamente: Vom Wechselkönig, einem 108-Minuten-Spiel und vom Winkler Deal
... dass ein Spiel 108 Minuten dauerte.
Das war ein äußerst unterhaltsamer Fußball-Sonntagnachmittag an der Jahnstraße in Heltersberg. Dort erlebte man gleich zwei außergewöhnliche Spiele.
Zunächst spielten ab 13 Uhr die beiden Neunerteams SG Heltersberg/Geiselberg II und SG Kröppen/Vinningen um Punkte in der C-Klasse Ost. Die Gastgeber führten mit 3:0 und 4:3, verloren aber nach dem 4:4-Ausgleich in Minute 75 noch mit 4:9! 13 Tore in 90 Minuten: Im Schnitt landete der Ball also jede siebte Minute im Netz.
In der danach folgenden Partie der B-Klasse Ost zwischen der SG Heltersberg/Geiselberg I und dem SV Gersbach wurde der Ball „nur“ viermal aus dem Netz gefischt. Doch dafür dauerte die Begegnung 18 (!) Minuten länger als üblich, und Schiedsrichter Andreas Bauerfeld verwies gleich fünf Spieler des Feldes. Das vierte Tor zum 2:2-Endstand erzielten die zurückliegenden Holzland-Kicker in der 100. Minute.
„Es war ein schlechtes Fußballspiel mit vielen Undiszipliniertheiten“, erzählte der Vorsitzende des FV Geiselberg, Klaus Vatter. Vor allem verbal hätten sich die Spieler auf beiden Seiten gehen lassen. Vatter: „Die Schiedsrichterleistung war gar nicht schlecht.“ Die erste Halbzeit dauerte acht Minuten länger, weil sich Gersbachs Spielertrainer Hans Teegen bei einem Zusammenprall mit dem gegnerischen Keeper Alexander Eger verletzt hatte. Als dann Amir Abduraimi in der 88. Minute das 0:2 markierte – da kickten noch zehn Spieler der Gastgeber gegen neun Gersbacher –, schien die Partie entschieden. Doch dann gelang Sascha Weitzel in der zweiten Minute der Nachspielzeit das 1:2.
Das Match „mit zahlreichen Tumulten“, so der gesperrt zuschauende SVG-Torjäger Marcus Herrlich, war allerdings noch lange nicht beendet. Schiedsrichter Bauerfeld schickte noch zwei weitere Spieler vom Feld und als die letzte Minute lief, schlug die Defensive der Gastgeber offensiv zu. Der weit aufgerückte SG-Keeper Eger passte genau auf seinen Verteidiger Pascal Geisert, und dieser traf in Minute 100 zum 2:2: Schlusspfiff.
... dass Steven Palm der Wechselkönig ist.
Er dürfte der Wechselkönig im Südwestdeutschen Fußball-Verband sein, dieser Steven Jens Palm. Der 24-jährige Offensivmann aus Pirmasens kickte innerhalb eines guten Jahres für fünf (!) verschiedene Mannschaften. Am Sonntag machte er sein erstes Match für seinen neuen Verein, den SV Herschberg, der in der Bezirksliga beim Tabellenzweiten Hinterweidenthal mit 1:4 verlor.
Es verbietet sich jedoch, Palm als Wandervogel zu bezeichnen, denn er wechselte von seinem Stammverein, dem PSV Pirmasens, einmal zum TuS/DJK Pirmasens (Februar 2019) und einmal zum MTV Pirmasens (Oktober 2019), weil der PSV jeweils mitten in der Runde seine Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte.
Doch just mit dem MTV hatte sich Palm den „falschen“ Verein ausgesucht, denn dieser zog vor drei Wochen sein Herrenteam ebenfalls mitten in der Saison aus dem Spielbetrieb zurück. Ergo wechselte Palm erneut sein Trikot. Er kickt nun drei Klassen höher für den SV Herschberg in der Bezirksliga und wusste bei seinem Debüt über 90 Minuten gleich zu gefallen. „Manchmal fehlten ihm noch die Abstimmung und die Kraft“, beschrieb Co-Trainer André Hampel den ersten Auftritt des pfeilschnellen und technisch starken Stürmers. Und Hampel sieht Palms Kommen nicht als schlechtes Omen: „Nur weil er bei uns spielt, melden wir nicht ab.“
... dass es einen Winkler-Deal gibt.
Ein Paradebeispiel für Fairplay lieferten am vergangenen Wochenende der SV Lemberg und die Sportvereinigung Ludwigswinkel ab. Der Reihe nach: Vorigen Freitag informierte Ludwigswinkels Spielertrainer Jens Keller seinen Trainerkollegen beim SV Lemberg II, Oliver Samsel, dass der Rasenplatz in Ludwigswinkel „unter Wasser“ stehe und unbespielbar sei. Daraufhin schlug Samsel Keller vor, die Begegnung doch auf dem Hartplatz in Lemberg auszutragen, obwohl in der Hinrunde Lemberg II bereits Heimrecht gehabt hatte.
Unter Einbindung von Klassenleiter Marco Kochert wurde der Deal perfekt gemacht. Ludwigswinkel verlegte sein Heimspiel nach Lemberg und trat daher am Sonntag zum zweiten Mal in der laufenden Saison in Lemberg an. Nach einem 0:9 im September setzte es nun ein 0:11. Bemerkenswert dabei sind die sechs Tore von Sascha Stegner, dem mit 30 Jahren ältesten Spieler der Lemberger. Bemerkenswert auch der Deal zwischen Lemberg und Ludwigswinkel. Sie vereinbarten, in der kommenden Saison beide Partien dann in Ludwigswinkel auszutragen – verbunden mit einem Besuch beim Schlachtfest der „Winkler“.