Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Tore, Träume, Temperamente: Verrückte Spiele in Hauenstein und Hinterweidenthal

Helmut Igel
Helmut Igel

Zwei verrückte Landesligaspiele in Hinterweidenthal und Hauenstein sowie das Ende einer stolzen Pirmasenser Serie sind die Themen in Helmut Igels Amateurfußball-Kolumne „Tore, Träume, Temperamente“.

In Unterzahl nach 0:2 noch gepunktet

Verrückte Spiele hatten am Wochenende im Wasgau die beiden Fußball-Landesligisten SV Hinterweidenthal und SC Hauenstein. Hier die Kurzfassungen:

Hauenstein: Zehnmal zückte Schiedsrichter Felix Reiser in der Partie gegen den TuS Steinbach die Gelbe Karte (sechsmal für den SCH, viermal für die Gäste vom Donnersberg), zweimal zog er Rot, und obendrauf verdonnerte er je einen Akteur beider Teams zu einer Zeitstrafe. Schnell stand es 0:1, und nach einer mit Rot geahndeten Notbremse von SCH-Keeper Hendrik Gräfe in der 41. Spielminute wurde daraus kurz nach der Halbzeitpause ein 0:2. „Trotzdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch ein gutes Gefühl“, erzählt Hauensteins Spielertrainer Niklas Kupper. Er verkürzte in Minute 57 auf 1:2. Dann kam der Moment des Leon Schehl. Nach einem Abspielfehler des Gegners nahm der junge Schwanheimer den abprallenden Ball aus rund 50 Metern volley, da er gesehen hatte, dass Steinbachs Keeper Klaus Jürgen Siebecker weit vor seinem Kasten stand. „Er wollte das so“, ist Kupper von der Absicht Schehls, den Ball im TuS-Tor unterzubringen, überzeugt: Und Schehl traf tatsächlich. Damit 2:2 in Unterzahl nach 65 Minuten.

Kupper schwärmt von einer „absoluten Willensleistung“ seiner Mannschaft, die vor allem physisch überzeugt habe. Der Lohn war das 3:2 (85.) durch Routinier Christof Seibel. Kupper: „Für mich war es ein schönes Gefühl, in Unterzahl nach 0:2 noch gewinnen zu können. Ich habe gesehen: Die Mannschaft lebt.“ In der Nachspielzeit sah noch ein Steinbacher Rot.

Zum SV Hinterweidenthal: In dessen Match gegen die SG VfR Kirn/Kirn-Sulzbach ging es noch kurioser zu als in Hauenstein. Die Duplizität: Hinterweidenthal geriet ebenfalls kurz vor der Pause in Unterzahl – Kapitän Kim-Dan Schenk sah nach einer, so SVH-Spielertrainer Daniel Tretter, „angeblichen Tätlichkeit“, die Rote Karte – und lag dann ebenfalls 0:2 zurück. Marius Schweitzer markierte zwar das 1:2, doch in der 86. Minute kassierte der SVH einen Konter zum 1:3. „Ich sagte dann meiner Mannschaft: Denkt an Bundenthal. Da sind wir auch noch einmal zurückgekommen“, berichtet Tretter. Der Coach beorderte Stand-by-Spieler Florian Ringhof in die Spitze, und in der vorletzten Minute markierte der 42-Jährige tatsächlich das Hoffnung bringende 2:3. Doch dann konterte Kirn die Gastgeber erneut aus – 2:4. War’s das? Nein. Der Linienrichter intervenierte und zeigte Schiedsrichter Florian Stahl an, dass dem schnellen Gegenangriff ein Foul eines Kirners im Strafraum vorangegangen sei. Stahl entschied: kein Tor für Kirn, sondern Elfer für Hinterweidenthal. David Schneider traf in der dritten Minute der Nachspielzeit vom Punkt aus zum 3:3 – nach 0:2, 1:3 in der 86. Minute und 50 Minuten in Unterzahl. Tretter: „Ein extrem wichtiger Punkt, insbesondere nach dem 0:7 am ersten Spieltag in Zweibrücken.“

Vereinsname wird nicht geändert

Nein, so weit geht die Verbundenheit des H(ilster)SV mit seinen beiden Top-Verstärkungen nun doch nicht, dass er das H wie Hilst für ein H wie Hahn tauschen würde. Fakt ist indes, dass die von Landesliga-Aufsteiger SG Eppenbrunn in die A-Klasse nach Hilst gewechselten Zwillinge Jan-Luca und Marvin Hahn (25) in den bislang zwei Meisterschaftsspielen acht der neun Hilster Tore geschossen haben. Sechs Treffer erzielte Jan-Luca, zwei der als Sechser eigentlich eher in der Defensive geforderte Marvin. Beim 6:0 am Sonntag gegen Martinshöhe gab’s ausschließlich Hahn-Tore.

„Nur“ einen Treffer erzielte bislang der frühere Torschützenkönig Maximilian Mayer. „Er schleppt die Bälle bei, ist unser Vorbereiter“, lobt Spielleiter und Torwart Patrick Schmitt den Hilster mit der Nummer 23 auf dem Trikot. Und noch einmal: Hahn statt Hilst? „So weit geht die Liebe nicht“, sagt Schmitt und lacht dabei.

Das Ende einer grandiosen Serie

„Schade, aber es ist halt passiert.“ So kommentierte Steffen Sauer, der Vorsitzende des SV Rot-Weiß Pirmasens, die 3:4-Niederlage seines Teams am Sonntag in der B-Klasse Ost beim TuS/DJK Pirmasens. Genau 461 Tage hatte es gedauert, bis die Elf aus dem Stadtteil Sommerwald mal wieder als Verlierer vom Platz gehen musste. Zuletzt hatte es die SG Kröppen/Vinningen am 15. Mai 2022 geschafft, Rot-Weiß in die Knie zu zwingen. „Wir standen aber auch ersatzgeschwächt“, nannte Sauer einen Grund für die erste Nullnummer nach langer Erfolgsstrecke. „In der C-Klasse hätten wir die personellen Ausfälle vielleicht noch kompensieren können. In der B-Klasse geht das nicht mehr“, sagte der selbst mitspielende Vereinschef.

x