FUSSBALL
Tore, Träume, Temperamente: Nur noch auswärts spielende Winzler und faire Bruchweilerer
... dass eine Mannschaft freiwillig zu acht spielt.
Das war schon ein besonderes C-Klasse-Fußballspiel zwischen der Sportvereinigung Ludwigswinkel und der SG Bruchweiler. Dass letztlich die den Aufstieg anpeilenden Gäste mit 15:0 gewannen, verwundert nicht, nachdem sie schon beim 17:0 im Hinspiel ihre Stärke gegen das Neunerteam Ludwigswinkels demonstriert hatten. Den eigentlichen Höhepunkt der Partie erlebten die rund 40 Zuschauer in Minute 39.
Da verletzte sich beim Stand von 5:0 der 57-jährige Torhüter der „Winkler“, Gerhard Fetty, und konnte nicht mehr weitermachen. Da Ludwigswinkel keinen Ersatzmann zur Verfügung hatte, rückte Feldspieler Christian Heimsott, der bereits als Torwart Erfahrungen gesammelt hatte, zwischen die Pfosten. Ludwigswinkel hatte also nur noch sieben Feldspieler zur Verfügung. Das wollte Bruchweiler so nicht stehen lassen. Es folgte ein kurzer Dialog zwischen den Trainern Jannik Nagel (Bruchweiler) und Jens Keller (Ludwigswinkel), der vor Jahren mal SGB-Trainer gewesen war. „Man muss ja nicht übertreiben“, erklärte der nicht mitspielende SGB-Coach Jannik Nagel, warum er „der Fairness halber“ freiwillig mit Georg Burkhart ebenfalls einen Akteur vom Feld nahm, so dass nun acht Bruchweilerer gegen acht Ludwigswinkler kickten.
... dass eine Spielabsage Winzeln gar nicht passt.
Die Corona-Punktspielsaison 21/22 mit den schon häufiger aufgeführten, ganz besonderen Modalitäten ist seit gut zehn Wochen in Gang. Abzuwarten bleibt, ob die Runde bei einer aktuellen Inzidenz von über 100 wie vorgesehen mit einer sich anschließenden Auf- und Abstiegsrunde zu Ende gespielt werden kann. Fakt ist indes, dass im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken bisher schon – addiert von der C-Klasse bis in die Bezirksliga – 14 Partien abgesagt worden sind, weil es einer Mannschaft an Spielern mangelte. Zudem hat der SV Herschberg gleich zwei Herrenteams aus der Bezirksliga und der C-Klasse abgemeldet. Und deren ausgefallene Spiele sind bei den 14 Ausfällen noch gar nicht einberechnet.
Alles in allem ist dies eine inflationäre Entwicklung. Auch am Sonntag wurde ein Spiel wegen Personalmangels abgesagt. Dieses Mal war es der SSV Höheinöd, der nicht genügend Männer zur Verfügung hatte, um das B-Klasse-Match beim TuS Winzeln zu bestreiten. „Wir haben ganz viele Grippefälle, darunter schwere Grippefälle und dazu noch drei schwerer verletzte Spieler zu beklagen“, begründete SSV-Spielertrainer und Torwart Nicky Wingert (44) die Absage. Er habe alles versucht, „das Spiel zu retten“, doch es habe einfach nicht gereicht beim noch ohne Punkt dastehenden Tabellenletzten. Am Freitag habe der SSV die Winzler über einen bevorstehenden Spielausfall informiert und am Samstag dann definitiv abgesagt.
Das wiederum hat Norbert Freyer, dem stellvertretenden Spielleiter und langjährigen Vorsitzenden des TuS, überhaupt nicht gepasst. Entsprechend verärgert reagierte er denn auch. Nach fünf Auswärtsspielen in Folge hätte Winzeln bei ansprechendem Wetter nun endlich mal wieder ein Heimspiel gehabt, erklärt Freyer seinen Ärger. Nach dem Ausfall muss Winzeln nun erneut auswärts, beim FC Merzalben, antreten – zum sechsten Mal in Folge. „Dann haben wir in der dunklen Jahreszeit bei meist schlechtem Wetter fünf Heimspiele in Folge. Wer geht denn da auf den Sportplatz?“, fragt sich Freyer und ist sauer auf die schiefe Spielplanung.
Er kritisiert zudem hart die Regelung, dass nur die Punkte aus der Hauptrunde mitgenommen werden von den Begegnungen gegen jene Mannschaften, die man auch in der anschließenden Auf- und Abstiegsrunde dabei hat. Freyer: „Wenn man gewinnt oder verliert, muss es zählen. Diese Regelung ist gegen die Vereine. Der Amateurfußball geht schwierigen Zeiten entgegen.“