FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Tore, Träume, Temperamente: Landesligisten mit Feldspielern im Tor und ein Spitzenreiter-Debakel

Helmut Igel
Helmut Igel

RHEINPFALZ-Mitarbeiter Helmut Igel fiel bei den Fußballspielen am Wochenende auf, ...

... dass ein Team alle Spiele gewonnen hat.

Die einzige Mannschaft im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken, die in der Saison 2021/22 bis dato alle ihre Spiele gewinnen konnte? Die SG Heltersberg/Geiselberg. Hätten Sie’s gewusst? Acht Begegnungen, acht Siege, 29:5 Tore. Und das in der B-Klasse, Gruppe B, wo doch eigentlich Kreispokalsieger FC Rodalben und der TuS Winzeln die Topfavoriten sind.

„Wir machen uns keinen Kopf“, bleibt Lars Groth gelassen. Der Spielertrainer der Holzland-Spielgemeinschaft ist zwar von der „Qualität der Spieler überzeugt“, doch sei die Trainingsbeteiligung verbesserungswürdig. Zur Mannschaft gehörten recht viele Schichtdienstarbeiter (Polizei, Filialleiter), die nur unregelmäßig an den Übungsstunden teilnehmen können. Gleichwohl tue „es gut, so dazustehen“, weiß Groth.

Der 2:1-Erfolg am Sonntag gegen Winzeln war indes etwas glücklich. Da wurde dem TuS aus dem Pirmasenser Vorort in der 75. Minute ein Foulelfmeter zugesprochen. Winzelns treffsicherer Spielertrainer Heiko Bzducha schoss präzise ins (vom Schützen aus gesehen) untere linke Toreck, doch SG-Keeper Alexander Eger parierte mit starker Reaktion. Es blieb beim 1:1. Besser machte es dann Groth, der in der ersten Minute der Nachspielzeit nach einem Foul an seinem Co-Trainer Tobias Kiefer vom Punkt aus ran durfte. Er ließ den Ball im oberen rechten Tordreieck: zappeln – 2:1 und somit sechs Punkte Vorsprung auf Winzeln statt Punktegleichstand.

Groth rechnet bereits weiter. Da sein Team gegen den Tabellenzweiten Winzeln (18 Punkte), Leimen (18) und Rodalben (15, bei einem Spiel weniger) gewonnen hat, nimmt es schon mal neun Punkte in die Aufstiegsrunde mit.

... dass ein Spitzenreiter deklassiert wird.

Was war denn da los beim TuS Rumbach? Da stellt sich mit der SG Kröppen/Vinningen der Co-Tabellenführer der C-Klasse, Gruppe D, vor und wird mit 8:1 (!) abgefahren. Und beim Gast von der Hackmesserseite fehlte nur Spielertrainer Steffen Mattern. Der einstige Regionalligaspieler Vladislav Dimitrov, der frühere C-Klasse-Torschützenkönig Jan Kupper und der torgefährliche Julian Kofer waren dabei.

„Wir haben einen Supertag erwischt, die Mannschaft war einfach nicht zu bremsen“, gibt der 24 Jahre junge TuS-Sportvorstand Fabian Grüny eine einfache Erklärung. Besonders Ex-Landesligaspieler Georgr-Andrei Bogdan war prächtig aufgelegt. Der ehemalige Eppenbrunner erzielte nicht nur vier Tore, sondern traf noch zweimal die Latte und dreimal den Pfosten. Selbst ein zweistelliger Sieg sei möglich gewesen, befindet Grüny. Rumbach habe vor 100 Zuschauern „Druckfußball“ gespielt und einen großen Sieg eingefahren. Der Gegner hatte den Topfavoriten auf den Titel, die SG Bruchweiler, eine Woche zuvor noch mit 2:1 bezwungen. Dass Oldie Dimitrov nach dem Rückstand in den Sturm wechselte, konnte die Schlappe der SG nicht verhindern. Nun liegen Bruchweiler, Rumbach und Kröppen/Vinningen mit jeweils 21 Punkten auf Position eins.

... dass Feldspieler in Landesligatoren stehen.

An einem Tag zwei Landesligisten aus dem Kreis Pirmasens/Zweibrücken ohne gelernten Torwart in einem Meisterschaftsspiel – gibt’s das? Ja, das gibt’s. Am Sonntag traten die SG Eppenbrunn und der FC Fehrbach zu ihren Partien gegen die VB Zweibrücken und beim SV Hermersberg ohne „echten“ Torwart an. Jeweils rückte ein sonstiger Feldspieler zwischen die Pfosten.

Beim Tabellenletzten Fehrbach gab Top-Torschütze Lukas Hoffmann den Mann mit den Handschuhen. Im Training am Freitagabend war indes nur klar, dass der privat verhinderte Stammkeeper Felix Groh und sein beruflich gebundener Vertreter Rouven Träger nicht mitmachen konnten. Und Hoffmann wusste: „Ich kann mit meiner Verletzung keine 90 Minuten durchhalten.“ So habe es sich angeboten, dass der hoch aufgeschossene Stürmer ins Tor geht. Hoffmann versichert im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass er bis dato noch nie Keeper in einem Ligaspiel gewesen sei. Und: Es sei eine extrem kurzfristige Entscheidung gewesen.

Dennoch machte der 28-Jährige sein Job extrem gut. „Manchmal habe ich ziemlich unkonventionell agiert, weil ich ja ein Feldspieler bin“, erzählte Hoffmann. Einmal habe er den Ball wie beim Volleyball „gebaggert“ statt gefangen, aber: „Ich bin ja auch kein Oli Kahn.“ Den Nimbus, als Torwart noch nie ein Tor kassiert zu haben, hielt er über die vollen 90 Minuten. Dann entpuppte sich in der Nachspielzeit der Hermersberger Jonas Simon als Spielverderber und netzte gegen Hoffmann zum 1:0 für den Tabellenführer ein.

„Für meine Jungs vor mir tat es mir leid, dass wir doch noch ein Tor kassiert haben, denn die haben sich in jeden Schuss reingeworfen“, sagte Hoffmann, der sich über ein „positives Feedback“ freute.

Bei der SG Eppenbrunn steht Nicola Schillings im Kasten – wenn er nicht verletzt ist. Doch das war bei Schillings am Sonntag der Fall. Und ein Ersatzkeeper fehlt tatsächlich im Kader der SGE. Doch wohl dem Verein, der in seinen Reihen einen Feldspieler mit einem „ausgeprägten Geschick im Tor“ hat, wie Eppenbrunns Trainer Christian Zarbel anmerkt. Der Feldspieler, der gegen die VB Zweibrücken in den Kasten rückte, war Tobias Dreyer. Zarbel überschüttete den lange verletzten, beim FK Pirmasens ausgebildeten Linksfuß hinterher mit Lob: „Er hat das hervorragend gemacht. Ich gebe ihm eine glatte Eins.“ Zarbel hatte zudem „das Gefühl, dass es ihm Spaß gemacht hat“. Dreyer sei selbstbewusst an die Aufgabe herangegangen, und fußballerisch sei er eh eine Bank. Zwar kassierte Dreyer ein Gegentor, „an dem er aber keine Schuld hat“, verteidigt ihn Zarbel. Doch Eppenbrunn schoss drei Buden und holte mit einem Feldspieler im Kasten den erst zweiten Saisonsieg.

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