FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Tore, Träume, Temperamente: Ein 56-Jähriger im FKP-Aufgebot und ein Achtfach-Torschütze

Helmut Igel
Helmut Igel

Bei den Fußballspielen am vergangenen Wochenende in der Region Pirmasens fiel unserem Mitarbeiter Helmut Igel auf, ...

... dass ein 56-Jähriger FKP-II-Ersatzmann ist.

Diesem Christopher Ludy sitzt der Schalk im Nacken. Der Co-Spielertrainer des Fußball-Verbandsligisten FK Pirmasens II füllte am Sonntag vor dem Match gegen den TuS Hohenecken das Spielberichtsformular aus. Dabei setzte er den langjährigen Spielleiter des FKP II, Thomas Jeckel, als Ersatzspieler mit der Rückennummer 56 ein.

„Ich hatte das gar nicht mitbekommen. Erst als mich Zuschauer darauf aufmerksam machten, fiel es mir auch auf. Ludy hat da Quatsch gemacht“, erzählte ein heiter gestimmter Jeckel nach der Partie. Die Rückennummer 56 gibt es beim FKP II nicht, aber weil Jeckel nun mal 56 Jahre jung ist, wies ihm Ludy die 56 zu. Jeckel: „Ich kann noch nicht einmal mehr springen, weil meine Hüfte kaputt ist. Ich sollte bereits operiert werden, aber wegen Corona wurde der Eingriff verschoben.“ Sein letztes Match hatte Jeckel vor gut sechs Jahren zum Saisonende in der Landesliga bestritten, als er „in Absprache mit unserem Gegner, der sich nicht veräppelt vorkommen sollte“, für eine knappe Viertelstunde beim FKP II eingewechselt wurde. Indes hegte Jeckel überhaupt keinen Groll auf Ludy, sondern nahm die Aufbietung sehr humorvoll auf.

Übrigens: Auch der Trainer des FKP II, Martin Gries, stand als Ersatzspieler auf Ludys Liste und zwar mit der Rückennummer fünf. Der 35-jährige Ex-Oberligaverteidiger beobachtete das Match allerdings ebenso wie Jeckel in Zivil, denn er steht nur noch für den äußersten Notfall als Spieler zur Verfügung. Und den gab es beim 3:1-Sieg des Überraschungstabellenführers am Sonntag nicht.

... dass ein Nagel gleich achtmal zuschlägt.

Im Schnitt nach jeweils vier Minuten und 44 Sekunden zappelte am Sonntag der Ball im Tor der Sportvereinigung Ludwigswinkel. Titelkandidat SG Bruchweiler zeigte sich im C-Klasse-Spiel am Sonntag gnadenlos. Mit 19:1 fegte die Mannschaft von Trainer Jannik Nagel die „Winkler“ aus dem Dumbachstadion. „Vorige Saison haben wir uns in beiden Spielen sehr schwer getan, weshalb wir nun nach einem Tor unbedingt dran bleiben wollten“, erläuterte Nagel.

Dessen Cousin Finn Niklas wird diesen Sonntag, an dem eigentlich 100 Jahre Blesskerwe gefeiert werden sollte, so schnell nicht vergessen, denn der Sohn des ehemaligen Verbandsligaspielers Jürgen Nagel trug sich gleich achtmal in die Torschützenliste ein. „Es war einfacher als gegen andere Mannschaften, aber trotzdem hat es Spaß gemacht“, zeigte der im Angriff spielende Finn Niklas Nagel keine Spur von Mitleid. Bei den Herren hat der 18-jährige Schüler („Abi Anfang nächsten Jahres“) selbstredend noch nie so viele Tore erzielt, und nach einer von Verletzungen geprägten Vorsaison tue dieser Achterschlag gut.

„Es tut schon weh“, klagte indes Jens Keller, Ludwigswinkels mitspielender Trainer. Am Sonntag habe er personelle Probleme gehabt, weshalb einige Ü40-Spieler zum Neunerteam gehört hätten. Im Tor stand der torgefährlichste Feldspieler, Jens Hunsicker, der nach einer Verletzung auch noch durch den bald 60-jährigen Gerhard Fetty ersetzt werden musste. Keller: „Bei Bruchweiler spielen elf junge Buben auf gleichem hohen Niveau, körperlich topfit, da kamen wir nicht mit.“

Andy Junik ist nicht mehr Trainer in Ludwigswinkel. „Es hat nicht mehr gepasst, und außerdem brauchen wir auch in unserer Situation keine zwei Trainer“, befand Keller.

... dass manchmal alles schief läuft.

Die erste Mannschaft verliert überraschend in der Bezirksliga mit 0:5 gegen Battweiler, die zweite in der B-Klasse gegen die SG Harsberg-Schauerberg mit 1:3. Kein Wunder, dass da der Spielleiter des SC Weselberg, Wendelin Bold, von einem „rabenschwarzen Wochenende“ spricht. Er begründet die Schlappe des bis dato in der Bezirksliga von Sieg zu Sieg eilenden SCW I mit dem Fehlen von Alexander Baum und Jascha Conzelmann, den Belastungen durch die zurückliegenden „englischen Wochen“ und der extremen Effizienz Battweilers: „Die haben aus vier Chancen fünf Tore gemacht.“

Da aus der zweiten Mannschaft Spieler nach oben aufrücken mussten, sei diese ebenfalls nicht optimal besetzt ins Derby gegen die SG Harsberg/Schauerberg gegangen. Und prompt setzte es in der Begegnung, in der es mehr ums Prestige als um Punkte geht, eine Niederlage. Rabenschwarz eben. Bold: „Aber wir wissen alles richtig einzuschätzen.“

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