Pirmasens
Syrer in Pirmasens feiern Befreiung ihres Heimatlandes
Mohammed Farouk Sayed ist den Pirmasensern gut bekannt als Inhaber des Schnellrestaurants Food-Station in der Hauptstraße. Gegenüber betreibt er zudem einen Lebensmittelladen mit orientalischen Spezialitäten. 2011 hat er als 18-Jähriger Syrien verlassen und ist über Ägypten sowie die Türkei nach Deutschland gekommen. In der Türkei heiratete er seine Frau. Die Kinder sind in Deutschland geboren. Inzwischen hat der früher in der IT-Branche tätige Sayed die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Kinder gehen hier zur Schule, und Mohammed Farouk Sayed fühlt sich in Deutschland richtig wohl.
Er brennt aber darauf, wieder in seine Heimat zu gehen. Er will seine Großeltern und Schwester wiedersehen, die noch in Aleppo sind. „Syrien ist meine Heimat“, erzählt er. Entsprechend froh war er über die Nachrichten von der Flucht von Baschar al-Assad, der am Sonntag das Land in Richtung Moskau verlassen hat. In der Food-Station sei spontan mit anderen Syrern gefeiert worden. 150 Gäste hätten sich in das kleine Lokal gequetscht. Mohammed Farouk Sayed habe allen Gästen Shawarma spendiert. Das ist eine syrische Spezialität aus Dönerfleisch mit sauren Gurken und arabischer Knoblauchsauce. „Wir haben uns alle sehr gefreut“, beschreibt er die Stimmung am Sonntag.
Zögerlich vor einer endgültigen Rückkehr
Viele Flüchtlinge würden darauf brennen, so schnell wie möglich zumindest zu Besuch wieder nach Syrien zu gehen. Viele würden jedoch zögern, endgültig in ihre Heimat zurückzukehren. „Ich will erst mal gucken, wie das wird“, meint ein älterer Herr in der Food-Station. Der jüngere Achmed, der später dazukommt, will ebenfalls abwarten, welches politische System in Syrien eingerichtet wird. „Wenn es nur halb so demokratisch wie in Deutschland ist, will ich wieder zurück – auf jeden Fall“, meint Achmed, der aus einer Stadt in der Nähe von Damaskus stammt und nicht mit seinem Nachnamen in der Zeitung stehen will. Der Neuanfang in Syrien dürfte schwierig werden, schätzt er. Regierungstruppen hätten die Wohnung seiner Familie zerstört. „Das ist mein Land“, betont Achmed, der Syrien verließ, weil er bei der Berufswahl benachteiligt worden war. Er habe eine Karriere bei der Luftwaffe als Flieger angestrebt. Ihm sei jedoch ein alawitischer Bewerber vorgezogen worden, obwohl er qualifizierter gewesen sei, erzählt Achmed.
Der frühere syrische Machthaber Baschar al-Assad gehört der alawitischen Bevölkerungsgruppe an, die der schiitischen Richtung des Islam angehören. Mohammed Farouk Sayed und Achmed sind hingegen Sunniten, wie die Mehrheit in Syrien. Überall in der Armee seien Schiiten bevorzugt worden, weil das Regime den Sunniten misstraut habe, beklagt Achmed. Mohammed Farouk Sayed erzählt, dass im ganzen Land Menschen, die das persische Farsi, die Amtssprache des schiitischen Iran, sprechen, überall Vorteile gehabt hätten.
Wunsch: Bevölkerung soll entscheiden, wer regiert
Die Korruption und Vetternwirtschaft in Syrien störe beide enorm. Mohammed Farouk Sayed lobt das politische System in Deutschland, die Schulen und die Mentalität. „Wenn der Brotlieferant abends die Ware vor meine Tür stellt, ist morgens noch alles da. Es fehlt kein einziges Brot“, nennt er ein Beispiel. Die gute Sicherheitslage in Deutschland schätze er sehr. „Die Leute sind hier einfach so. Da wird nicht geklaut“, lautet seine Erfahrung. Zudem habe er in Deutschland noch nie Korruption erlebt – in Syrien hingegen habe für alles bezahlt werden müssen.
Die jetzt an die Macht gekommene Miliz will er nicht beurteilen. „Hauptsache Assad ist weg“, so seine Meinung. Mohammed Farouk Sayed hofft, dass jetzt ein politisches System kommt, in dem die Bevölkerung wirklich entscheiden kann, wer regiert.
Deutschland gefällt ihm zwar sehr gut. Die Familie habe sich gut eingelebt. Er spricht perfekt deutsch und hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Mohammed Farouk Sayed würde aber trotzdem gern zurückkehren nach Syrien. „Wenn alles dort korrekt ist, gehe ich zurück. Hier ist auch alles in Ordnung, es ist aber nicht Syrien“, beschreibt er sein Heimweh. Für viele andere, die er kennt, sei es ähnlich. Alle wollten erst abwarten, wie sich die Situation in der Heimat entwickele. „Da sind auch viele, die ihre Wohnung dort verkauft haben und nichts mehr haben“, benennt er die Unsicherheit der Geflohenen.
Keine Feier auf dem Exe beantragt
Momentan zähle aber die Freude. „Es ist einfach schön“, meint er. „Wir haben alle große Hoffnung.“ Und die würden sie auch gerne bei einer Feier auf dem Exerzierplatz kundtun. Mohammed Farouk Sayed schätzt, dass 2000 Syrer aus Pirmasens und Umgebung da kämen. Bei der Stadtverwaltung ist allerdings keine Feier auf dem Exe beantragt worden, wie Talea Meenken von der Pressestelle der Stadtverwaltung versicherte. Genehmigungsfähig sei solch eine Feier, so ihre Einschätzung. „Eine Feier zur Befreiung Syriens wäre wohl als Versammlung im Sinne des Artikels 8, Grundgesetz zu werten, weil es um die gemeinschaftliche Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung geht“, erläutert die Stadtsprecherin. Sie müsse dann aber spätestens 48 Stunden vorher angemeldet werden.