Pirmasens
Susanne Lilischkis stellt Frauen der Geschichte im Pirmasenser Carolinensaal vor
„Googeln Sie einfach mal die 100 berühmtesten Pfälzer“, schlägt Susanne Lilischkis zu Beginn ihrer szenischen Lesung dem Publikum im Carolinensaal vor. Diese Recherche hat die Zweibrückerin bereits hinter sich und ist nur auf männliche Exemplare gestoßen: auf Horst, Karl, Johann, Rudi und so weiter und so weiter. Und genau dieses Ergebnis hat die 51-Jährige herausgefordert: Sie wollte Frauen präsentieren, die besonderes geleistet haben.
Während der Recherche hat Lilischkis viele Frauenleben aufgespürt, nur war bei den meisten die Quellenlage zu dünn – und zu viel dazu erfinden wollte die Zweibrückerin dann auch nicht. Dagegen rebellierte ihre Journalisten-Seele.
Vier Porträts
Zu vier Rheinland-Pfälzerinnen fand die Journalistin allerdings ausreichend Material, um die Fragmente zu Biografien ausarbeiten zu können. In „Wilde Weiber aus der Pfalz“ präsentiert sie die Koblenzer Schriftstellerin Sophie Laroche, die von 1730 bis 1807 lebte, die den ersten Bestseller-Roman aus Frauenhand verfasste und lange vor Alice Schwarzer eine Frauenzeitschrift herausgab. Eine Frau mit scharfem Verstand also, eine Intellektuelle.
Auch aus dem Leben von Juliane Blasius (1781 bis 1851) aus Weierbach bei Idar-Oberstein berichtet Lilischkis. Blasius genoss ihr Leben als Räuberbraut in Hosen wie ein richtiger Mann und folgte ihrem Schinderhannes bis zu dessen Hinrichtung.
Im dritten Frauenporträt geht es um die Wormserin Elisabeth Groß (1899 bis 1944), die sich bei der Internationalen Arbeiterhilfe der Kommunistischen Partei mit dem engagierte, was sie am besten konnte: Kochen. In einer Suppenküche kümmerte sie sich um Bedürftige. Die warmherzige Frau endete unterm Fallbeil, weil ein Freund ihres Sohnes, ein Nazi, sie denunzierte und sich auf ihre Kosten profilierte.
Die wohl extravaganteste Biografie lieferte Gertrud Zimmermann alias Struppi (1931-2014) aus Speyer, die als Frau unter Tigern Karriere machte, nach Amerika emigrierte und dort ihren eigenen Zirkus gründete.
Mit großer Sorgfalt recherchiert
Vielfältig und tiefgründig sind diese Frauenporträts, die Susanne Lilischkis präsentiert. Man merkt auf Anhieb, wie viel akribische Arbeit und Sorgfalt in dem Projekt steckt. Die Gäste der Lesung zum Internationalen Frauentag sind auf Anhieb begeistert von der Inszenierung. Klug, einfühlsam und dramaturgisch geschickt verknüpft Lilischkis Quellenmaterial, Anekdoten, Fotos und die fiktiven Stimmen der Heldinnen, verliert aber auch den soziokulturellen Kontext nicht aus dem Blick.
Herzstück des Vortrags sind die erfundenen Telefonate mit den vier Frauen, die sich bereit erklären, ein Interview zu geben. Susanne Lilischkis schlüpft in die Rolle der Journalistin, spielt sich sozusagen selbst und erfährt in diesen Telefonaten so manches Detail aus dem Leben ihrer Heldinnen.
Spannende Lebenswege
Um diese Inhalte zu füllen, recherchierte die Zweibrückerin in Bibliotheken und Archiven, fuhr bis nach Berlin, um an Informationen für ihre Frauenbilder zu kommen. Von manchen verlor sich schnell die Spur, doch das findet Lilischkis nicht schlimm. Letztendlich will sie vor Augen führen, dass ein wildes Weib nicht unbedingt eine Kriegerin, eine Verrückte oder eine Emanze sein muss.
Was die Frauen dieses Quartetts verbindet ist, dass sie einfach nur ihr eigenes Leben leben wollen – ein Leben, das ihrem ureigenen Charakter entspricht. Das reichte zu ihrer Zeit allerdings aus, um aus den Gesetzen der normierten Weiblichkeit zu fallen.
Mit warmer, ruhiger Stimme hält Susanne Lilischkis ihren fundierten, kurzweiligen und äußerst interessanten Vortrag, während ihr Ehemann Rainer die Technik bedient. Sie sei an spannenden Lebenswegen interessiert, betont Lilischkis, nicht vordergründig nur an Frauen oder Frauenrechten. Ihr Ziel sei es, mit den Biografien die Menschen zu inspirieren, die Dinge mal ein bisschen anders zu machen wie bisher.