Pirmasens Sturm aufs Rathaus

Angeführt vom Fanfaren- und Spielmannszug Niedersimten zog am Samstag eine närrische Karawane durch die Fußgängerzone bis zum Alten Rathaus, wo pünktlich um 11.11 Uhr Halt gemacht wurde. Das Ziel hatte die Narrenschar klar vor Augen: Rathaus stürmen, die Stadtkasse erobern, den Stadtschlüssel an sich nehmen und bis zum Ende der Faschingszeit die Gewalt in Pirmasens übernehmen.
Mit dabei waren die Elferräte und Grenadiere des CVP, Gastvereine aus Donsieders, Rodalben, Fischbach, Waldfischbach-Burgalben und Ramstein mit ihren Tollitäten, allen voran die Pirmasenser Stadtprinzessin Bianca I., die mit der Kinderprinzessin Sophia die Erste gekommen war. Der Widerstand von Oberbürgermeister Bernhard Matheis war nur kurz. Zusammen mit seinem „Finanzminister“ Michael Schieler verschanzte er sich hinter dem Eingang des Alten Rathauses und hielt die Tür mit zwei Händen zu. Zu wenig Leistung angesichts der acht Grenadiere, die gefolgt von Kanonenschüssen der Echoschützen Kleinsteinhausen sich mit wenigen Handgriffen Zugang verschafften. Fast kampflos ergab sich das Stadtoberhaupt, schwenkte eine weiße Fahne und signalisierte den Narren seine Unterwürfigkeit. „Wir wollen die Stadtkasse“, hieß es von Seiten des CVP. „Wir haben gehört, das ist die mit dem Loch unten drin.“ Ohne viel Murren wurden dem CVP die Kasse und der Stadtschlüssel überreicht, womit die Narren bis Aschermittwoch die Geschicke der Stadt in Händen haben. „Natürlich hat unsere Kasse ein Loch“, gab OB Matheis zu. „Wenn man Geld auf die Bank bringt, bekommt man nichts mehr dafür. Ganz im Gegenteil, man muss noch Geld dafür zahlen. Deshalb haben wir nur Schulden gemacht.“ Da es der Stadt so schlecht gehe, könne sie die verbliebenen Geldscheine auch als Taschentücher verwenden“, gab Matheis Prinzessin Bianca mit auf den Weg. Die neuen Oberhäupter Bianca und Sophia verlasen elf Punkte. So wünschte sich Bianca einen neuen Boden in der Fußgängerzone, weil man als Frau mit High Heels in den Rillen stecken bleibe beim Shoppen. „Ein Boden mit Glitzer und einer schönen Farbe wäre nicht schlecht“, hieß es . Angesichts der Parkplatzsituation wünschte sich die Stadtprinzessin 20 Privatparkplätze, Sophia dagegen eine Achterbahn. Gewünscht wurden für die Zukunft auch mehr Unterhaltungsangebote, gerade für Jugendliche. Bianca die Erste erinnerte an die Kneipenkultour, die hervorragend gelaufen sei. „Nur wenn dann die Musik schon um 24 Uhr aufhört, dann gehen die Pirmasenser wieder in andere Städte zum Feiern“, merkte sie an. Anstatt in der ehemaligen Kaufhalle Stadtbücherei und Stadtarchiv anzusiedeln, sei es die Überlegung wert, vielleicht eine Discothek zu installieren. „Wenn dann mal endlich die ersehnte Stadtgalerie kommt, brauche ich natürlich auch einen Einkaufstütentrageservice – den kann unser Oberbürgermeister Matheis übernehmen“, fügte Bianca an. Zwei Bronzestatuen am Exerzierplatz sollten es auch noch sein, damit die beiden Prinzessinnen gebührend gewürdigt werden. (tada)