Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Strecktalpark: Wie ein Nest der Asiatischen Hornisse beseitigt wird

Udo Eitel (links) und Werner Mang beim Zerstören des Nestes mit der bis zu 21 Meter langen Lanze.
Udo Eitel (links) und Werner Mang beim Zerstören des Nestes mit der bis zu 21 Meter langen Lanze.

Ein Nest der Asiatischen Hornisse direkt am Schulgarten der Montessori-Schule hat den Einsatz eines Spezialistenteams mit einer Giftlanze erfordert. So lief der Einsatz.

Im Strecktalpark ist das Nest der Asiatischen Hornisse sehr gut zu sehen. Hoch oben in einem Kirschbaum befindet sich die Kugel aus einer papierähnlichen Masse, die von den Hornissen im Laufe des Jahres gebaut wurde. Vor dem Herbst war das Nest nicht zu sehen, da es gut in der Blätterkrone versteckt war. Doch nun war Handeln angesagt. Nicht zuletzt, weil der Schulgarten der Montessori-Schule ganz in der Nähe ist.

Momentan sind die Nester der Asiatischen Hornisse wegen des fehlenden Laubs – wie hier im Strecktalpark – gut in den Bäumen zu e
Momentan sind die Nester der Asiatischen Hornisse wegen des fehlenden Laubs – wie hier im Strecktalpark – gut in den Bäumen zu erkennen.
Es ist kalt am Samstagmorgen, als sich Tanja Schneider (links), Bärbel Klein und Udo Eitel am Baum mit dem Nest treffen.
Es ist kalt am Samstagmorgen, als sich Tanja Schneider (links), Bärbel Klein und Udo Eitel am Baum mit dem Nest treffen.
Für die Hornissenbeseitigung hat Werner Mang eine spezielle Ausrüstung dabei.
Für die Hornissenbeseitigung hat Werner Mang eine spezielle Ausrüstung dabei.
Eine große Rolle spielt die Lanze, rechts im Bild. Auch ein Kompressor muss angeschlossen werden.
Eine große Rolle spielt die Lanze, rechts im Bild. Auch ein Kompressor muss angeschlossen werden.
Schutzkleidung ist nötig, um Angriffen der Tiere vorzubeugen.
Schutzkleidung ist nötig, um Angriffen der Tiere vorzubeugen.
Nun bereiten Udo Eitel und Werner Mang die Lanze für den Einsatz vor.
Nun bereiten Udo Eitel und Werner Mang die Lanze für den Einsatz vor.
Dann kann es losgehen.
Dann kann es losgehen.
Mit einem kräftigen Sprühstrahl wird das Gift im Nest verbreitet.
Mit einem kräftigen Sprühstrahl wird das Gift im Nest verbreitet.
Nach dem Vergiften wird das Nest der Hornissen mit der Lanze aufgerissen.
Nach dem Vergiften wird das Nest der Hornissen mit der Lanze aufgerissen.
So sieht das schon stark zerstörte Nest im Baum aus.
So sieht das schon stark zerstörte Nest im Baum aus.
Danach helfen Tanja Schneider aus Niederauerbach (rechts) und Bärbel Klein aus Großsteinhausen beim Aufsammeln der getöteten Hor
Danach helfen Tanja Schneider aus Niederauerbach (rechts) und Bärbel Klein aus Großsteinhausen beim Aufsammeln der getöteten Hornissen und Nestteile.
Bärbel Klein zeigt Reste aus dem Innern des Nests mit den fast fertigen Larven.
Bärbel Klein zeigt Reste aus dem Innern des Nests mit den fast fertigen Larven.
Und Werner Mang zeigt Bruchstücke des Hornissennestes. Die Außenhaut sei wasserabweisend und sehr robust.
Und Werner Mang zeigt Bruchstücke des Hornissennestes. Die Außenhaut sei wasserabweisend und sehr robust.

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Wer dem Nest zu nahe kommt, könne von rund 20 Tieren gleichzeitig angegriffen werden, erzählt Werner Mang, Naturschützer, Imker und Fachmann für Wespen sowie Hornissen. Der Mann aus Höheinöd hat eine Spezialausbildung zur Tötung von Asiatischen Hornissen. Nur diese dürfen beseitigt werden, die einheimische Hornissenart ist streng geschützt. In diesem Fall hätte Mang für den Verbleib des Nestes geworben, da die einheimische Art deutlich ungefährlicher ist.

Nur mit Imkerschutzkleidung

Nicht so die asiatische Variante, die sich in der Region rasant ausbreitet. Mang berichtet von Meldungen in Rodalben und der Blocksbergstraße. Im vergangenen Jahr habe er ein Nest in der Winzler Straße beseitigt. Die Asiatische Hornisse ist ein echter Killer für Bienenvölker. Das Tier geht im Winter in die Bienenstöcke und frisst eine nach der anderen auf. Imker der Region berichten immer öfter von komplett getöteten Bienenvölkern. Schlimmer noch schätzt Mang das Vernichtungspotenzial der Asiatischen Hornisse für einheimische Wildbienen, Hummeln und andere Insekten ein. „Die macht die platt“, ist seine Meinung. Und deshalb greife er aus Überzeugung zur Giftlanze, um der Asiatischen Hornisse den Garaus zu machen.

Am Samstagmorgen erhält er Unterstützung von drei Imkern aus dem Zweibrücker Raum. Alle vier kommen mit Imkerschutzkleidung zu dem Kirschbaum. „Wenn die angreifen, gehen sie voll auf den Kopf“, erzählt Mang, der zusätzlich zum Imkerschleier noch eine Mütze mit Schutzdeckel anzieht. Mit der Ausstattung wagen sich die vier vom Boden aus an das Nest heran.

Völker mit 1000 Hornissen

Es ist noch früh am Morgen. Das Thermometer zeigt ein Grad Celsius. Bienen würden bei der Temperatur im Kasten bleiben. Die Hornissen fliegen aber vereinzelt schon los auf der Suche nach Beute. Direkt im Montessori-Schulgarten stehen zwei Bienenkästen der VR-Bank. Ob diese noch Bienen enthalten, erscheint fraglich angesichts der rund 1000 Arbeiterinnen-Hornissen in dem Nest oben drüber.

Die bis zu 21 Meter lange Lanze ermöglicht Mang, ein Nest in 23 Metern Höhe zu beseitigen. Der Zeitpunkt Anfang November sei noch gut, um die weitere Ausbreitung der Tiere in der Region zu verhindern. Im November würden pro Nest immer rund 100 Jungköniginnen ausfliegen und sich frostfrei eingraben, um im Frühjahr eigene Völker mit wieder rund 1000 oder mehr gefräßigen Arbeiterinnen zu gründen. Während Mang erzählt, fährt er die Lanze aus, versieht sie mit dem Sprühkopf und schließt den Kompressor an, der für den nötigen Druck sorgen soll, um das Gift möglichst schnell in dem Nest zu versprühen.

Schnell wirkendes Gift

Mang nähert die Lanzenspitze langsam dem Nest. „Wenn ich da reinsprühe, geht es los da oben“, warnt er. Die Lanze sticht ein, Mang löst den Sprühstrahl aus, eine Dampfwolke breitet sich um das Nest aus. Weitere Stiche folgen. Die Hornissen fliegen heraus und wollen gegen die Lanze vorgehen. Einzelne Tiere fliegen vom Nest weg, sinken langsam zu Boden.

Das verwendete Gift sei schnell wirkend, versichert Mang. Er wolle die Tiere ja nicht quälen. Um was es sich genau handelt, will er nicht verraten. Es sei eine Art Gift, wie es auch in Wespensprays im Baumarkt zu finden sei, aber eben viel konzentrierter. Momentan gebe es Versuche mit Aktivkohle. Überhaupt werde viel geforscht, wie die Asiatische Hornisse besser aufgespürt und beseitigt werden kann. In der Schweiz beispielsweise sei ein Computerprogramm mithilfe Künstlicher Intelligenz entwickelt worden, das Nester in belaubten Bäumen finden könne.

Reste werden verbrannt

Nach mehreren Giftsprühstößen in das Nest wartet Mang einen Moment, bis der Flugbetrieb der Hornissen langsam abebbt und schreitet dann zur Zerstörung. Wieder mit der Lanze wird mehrmals in das Nest gestochen und Teile davon herausgebrochen. Vor allem der untere Teil müsse weg, dort seien die Jungköniginnen zu finden. Nachdem das Nest weitgehend aufgebrochen, aber immer noch nicht ganz zerstört ist, hört Mang auf und beginnt mit seinen Helfern die getöteten Hornissen und Nestbestandteile aufzusammeln. „Das verbrenne ich zuhause“, erklärt er.

Momentan zerstöre er 30 bis 40 Nester im Jahr. Mang ist zusammen mit einem Kollegen in Hinterweidenthal der einzige Nestbeseitiger in der Region. Seine Ausbildung habe er beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt gemacht. Was die Beseitigung pro Nest kostet, wollte er nicht sagen. Das richte sich immer nach den Gegebenheiten. Spaß mache es ihm auf keinen Fall, die Tiere zu töten. Es müsse aber sein, da die hiesige Natur mit der vom Menschen über einen Frachter aus China eingeschleppten Tierart nicht zurecht komme.

Noch mehr über die Asiatische Hornisse in der Pfalz lesen Sie hier.

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