Ein Bild und seine Geschichte
Strafzettel aus zarter Hand
„Die Pirmasenser Verkehrspolizei will bald vier Politessen zum Einsatz bringen“, wie es in einer Meldung der RHEINPFALZ am 27. Juli 1972 heißt. Mit dem „unbestechlichen Auge des Gesetzes werden sie Strafzettel von zarter Hand“ an Verkehrssünder verteilen. Ihre Aufgabe sollte es also sein, den ruhenden Verkehr zu beobachten, eine Tätigkeit, die mittlerweile bei den Ordnungsämtern angesiedelt ist.
„Mit Politessen hat man in anderen Ländern und Städten wohl schon beste Erfahrungen gemacht“, sagte der damalige Polizeidirektor Bentz. „Frauen sind anpassungsfähiger, so heißt es. Tatsächlich ist es jedoch so“, räumt der Pirmasenser Polizeichef ein, „dass sich wohl kaum jüngere Männer für diese Stelle interessieren werden, da man nur an einen halbtägigen Einsatz denkt, und für Rentner dürfte die Aufgabe wohl kaum geeignet sein“.
Damen mit Führerschein bevorzugt
Und die Voraussetzungen für den neuen Job waren klar formuliert: „Diejenigen Damen, die sich aufs Strafzettelverteilen verlegen wollen, müssen sowohl den rechten Ton finden, als auch männlichem Charme und Überredungskunst trotzen. Bevorzugt werden Damen mit Führerschein. Außerdem sollten sie entsprechende Umgangsformen und eine gute Auffassungsgabe für die Ausbildung mitbringen.“ Das Interesse war groß, und so wurden aus einer Flut von Bewerbungen vier Kandidatinnen ausgewählt, die in einem knapp zweimonatigen theoretischen Unterricht auf ihre neue Aufgabe vorbereitet wurden. Verkehrskunde, Polizei- und Ordnungswidrigkeitenrecht standen dabei auf dem Stundenplan.
Am 31. Oktober 1972 begann dann der Dienst auf der Straße. Die ersten Streifengänge mussten die Politessen allerdings noch in Zivilkleidung absolvieren, denn „die schmucken Uniformen sind zwar bereits angemessen, aber mit der Lieferung dauert es voraussichtlich noch 14 Tage.“ In den ersten Tagen ihres Dienstes musste das Quartett auch noch keine Strafzettel verteilen. Vielmehr haben sie die Autofahrer durch einen, von Polizeirat Rudolf Petzold entworfenen Vordruck auf die Art ihres Vergehens hingewiesen und sie freundlich gebeten, „sie künftig bei ihrer Arbeit zu unterstützen und die Verkehrsvorschriften zu beachten“.
Nur Hilfstätigkeiten für Frauen
Frauen in Polizeiuniform – ein Gedanke, mit dem sich selbst Anfang der 70er Jahre viele noch nicht anfreunden konnten. Und so beruhigte die RHEINPFALZ dann auch besorgte Männer: „Wer darin einen Einbruch des sogenannten schwachen Geschlechts in die männliche Berufsdomäne Polizei wittert, der kann beruhigt sein. Denn die Politessen werden, wie so viele Frauen in Deutschlands Wirtschaftsleben, nur Hilfsfunktionen übernehmen, Aufgaben, die ihre männlichen Kollegen entlasten sollen. Denn bis jetzt gibt es noch keine echten weiblichen Polizisten im Beamtenstatus.“
Das hat sich inzwischen geändert: In Rheinland-Pfalz haben zum Ende des vergangenen Jahres 9583 Polizeibeamte ihren Dienst verrichtet, darunter 2667 Frauen. Im Einstellungsverfahren im Oktober waren 39,8 Prozent der Eingestellten weiblich. Und in der Polizeidirektion Pirmasens sind heute 20 Prozent der Polizeibeamten Frauen. Und deren Aufgabe ist es auch längst nicht mehr, Falschparkern ein Knöllchen hinter die Windschutzscheibe zu hängen. Dafür ist heute das Ordnungsamt zuständig. Dort sind aktuell für die Überwachung des ruhenden Verkehrs vier Stellen mit insgesamt fünf Hilfspolizeibeamtinnen besetzt. Und ihre Bilanz: Im Jahr 2020 wurden 12.614 Verwarnungen erteilt, im vergangenen Jahr waren es 10.367. Bußgeldbescheide wurden 2020 insgesamt 1372 erlassen, in 2021 mit 1125 etwas weniger.
Ausbildung ist umfangreicher geworden
Wer heute kommunaler Vollzugsbeamter werden will, hat zuvor eine zehnwöchige Ausbildung abzuschließen. Mit Fächer wie Verwaltungs-, Polizei- und Ordnungsrecht, Eingriffs-, Ordnungswidrigkeiten- und Strafrecht, Verkehrsrecht, Öffentliches Dienstrecht und Dienstlehre, Psychologie sowie Einsatz- und Situationstraining ist die Ausbildung etwas umfangreicher geworden, als sie das noch Anfang der 70er Jahre war.