Pirmasens
Straße auf der Ruhbank erinnert an eine einzigartige und mutige Künstlerin
Die Käthe-Kollwitz-Straße ist als Nebenstraße der Anton-Bruckner-Straße im Stadtteil Ruhbank zu finden.
Käthe Kollwitz war eine bedeutende Grafikerin, Malerin und Bildhauerin und zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren oft ernsten, teilweise erschreckend realistischen Lithografien, Radierungen, Kupferstichen, Holzschnitten und Plastiken, die auf persönlichen Lebensumständen wie dem Tod ihres Sohnes Peter im Ersten Weltkrieg basierten, entwickelte sie früh einen eigenständigen Kunststil.
1867 wurde Käthe Kollwitz als Tochter des Maurers Karl und seiner Frau Katharina Schmidt, deren Vater Prediger gewesen war, in Königsberg (Preußen) als eines von vier Kindern geboren. Mit nur 14 Jahren wurde sie, gefördert von ihrem Vater, Schülerin des Künstlers Julius Rupp. Mit 19 absolvierte sie ein Jahr an der sogenannten Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Sie war eine der ersten Frauen, die in München Kunst studierten.
Berlin würdigte sie mit dem Kollwitz-Kiez
1891 heiratete sie den Arzt Karl Kollwitz und zog mit ihm nach Berlin, wo sie mehr als 50 Jahre künstlerisch aktiv war. Die damalige Weißenburgerstraße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg trägt heute, wie auch der damalige Wörther Platz, ihren Namen. Der Kollwitzplatz wird auch liebevoll Kollwitz-Kiez genannt und ist in Berlin ein feststehender Begriff.
Ihren künstlerischen Durchbruch schaffte Kollwitz mit ihren Radierungen und Lithografien mit dem Titel „Ein Weberaufstand“. Der bedeutende deutsche Impressionist Max Liebermann schlug die junge Künstlerin für eine Medaille vor. Doch Kaiser Wilhelm II. lehnte dies ab, denn er war der Meinung, Kunst solle erheben und nicht „in den Rinnstein hinabsteigen“. Fortan trugen die Kollwitzbilder die Ehrenbezeichnung „Rinnsteinkunst“.
Kollwitz war nie in einer Partei aktiv, hatte jedoch klare politische Ansichten. Sie war dem linken Spektrum zuzuordnen und hatte stets ein Herz für die Benachteiligten der Gesellschaft ihrer Zeit. Dies spiegelt sich auch in ihrem künstlerischen Schaffen wider. Kollwitz setzte sich in ihren Werken immer wieder mit Tod, Leid, Krieg, Trauer, Armut und Verzweiflung auseinander. Gleichwohl war sie keineswegs ein schlecht gelaunter Trauerkloß, im Gegenteil: Sie verfügte offenbar über ein mitreißendes lautes Lachen, im Atelier bewegte sie sich mit Energie und Elan, und auf Feiern tanzte und sang sie ausgelassen.
Nationalsozialisten würdigten sie und ihre Kunst herab
Den 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten gefiel die Kunst von Kollwitz überhaupt nicht, zumal sich die renommierte Künstlerin mutig gegen Hitlers Regime stellte. 1933 wurde sie zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen und ihres Amtes als Leiterin der Meisterklasse für Grafik enthoben, da sie zu den Unterzeichnern des „Dringenden Appells zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus“ gehörte.
Einige ihrer Werke wurden von den Nazis „Entartete Kunst“ genannt, als „krank“ bezeichnet und verboten. Ausstellungen von ihr wurden aufgelöst. Dabei war ihr bereits 1919 − als erster Künstlerin − der Professorentitel zuerkannt worden. Ihr Mann starb 1940, sie selbst ebenfalls noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Ihr Leben endete nach 77 Jahren in Moritzburg bei Dresden.