Homburg
Stefanie von Quast in der Galerie Beck: Verblassende Erinnerungen und Ewigkeiten
Die aus dem Münchner Raum stammende Künstlerin liebt es auf Steinplatten zu malen. Die Motive sind aber von heute. „Ich lasse mich auf die Platte ein“, erzählt die 1964 geborene Malerin. Ganz dünne Platten aus Schiefer oder Marmor finden Verwendung als Malgrund bei ihr. Ein bis zwei Millimeter dick seien die Platten nur, schildert von Quast. Die Farben sind wieder die von allen bevorzugten Acryl- und Ölfarben. Nur beim Malgrund geht von Quast eigene Wege.
Die Plattenstruktur nutzt die Künstlerin geschickt, um ihre Motive umzusetzen. Vor allem die Marmorplatten wirken, als wenn die gemalte Schwimmerin durch die Marmorierung durchtaucht. Bei den Schieferplatten treten Teile hervor und andere zurück. Dazu kommt die Struktur des Schiefers, der mal richtig griesig werden kann und wieder ganz glatte Partien aufweist. Das wirkt nach der Bemalung durch von Quast, als wenn Teile des Bildes schon in Verwitterung begriffen wären. Die Vergänglichkeit des Dargestellten betont die Künstlerin mit ihrer speziellen Plattentechnik ganz besonders. Von Quast hat damit ein Verwitterungsstadium künstlich gemalt und konserviert.
Tanzende Paare im Schwedenhof
Die Motive ihrer Malerei sind ganz aus dem heute gegriffen. Viele tanzende Paare schweben auf den Steinplatten durch die Galerieräume im historischen Schwedenhof in Homburg-Einöd. Dazu kommen Paare, die der Musik lauschen. Frauen lassen verträumt ihren Schal im Wind wehen und auf einer Steinplatte hat sich von Quast von der Platte zu einer Interpretation des ikonischen Fotos von Marilyn Monroe inspirieren lassen. Mit wehendem Haar und Rock, wobei die Künstlerin hier eine Struktur im Stein geschickt für die Plastizität von Rock und Haaren nutzen konnte. Allein durch das Grundmotiv der tanzenden Paare oder verträumt von der Platte sehenden Frauen werden schon Geschichten erzählt. Die ergänzt die Künstlerin durch kleine Details, die auf der Platte integriert werden. Mal ist es ein stilisiertes Motorrad, Schlagzeug oder eine Violine. Oder auch ein Caféhaus-Tisch. In anderen Bildern sind Geiger, lesende Frauen oder Sportler zu sehen. Es ist eine Welt wie im Urlaub auf den Platten von Quasts. Ein Urlaub, der vergangen und an den die Erinnerung sich schon zu verflüchtigen beginnt. Womit die Parallelität zur Technik der Künstlerin hergestellt wäre. Gleichzeitig bleibt auf den Steinplatten, die Ewigkeit versprechen, ein sehr bleibendes Bild. Immerhin haben Höhlenmalereien in Frankreich schon Zeiträume von zehntausenden Jahren überdauert.
Verträumt und romantisch
Die Anspielung auf Höhlenmalerei mag von Quast. In einem Gemälde spielt sie mit den Motiven aus solchen Höhlenmalereien. Pferde und Wildtiere springen über die Steinplatte. Handabdrücke, wie sie in einer Höhle zu finden waren, hat sie auch integriert und in der Mitte schmiegt sich eine Frauengestalt an den Hals eines Pferdes. Alles sehr verträumt und romantisch. Stefanie von Quast ist keine Künstlerin, die große philosophische Fragestellungen in ihren Werken abarbeiten will. Die Künstlerin sucht wie ihre Figuren auf den Bildern das große Gefühl und lässt ihm auf den kalten, harten Steinplatten freien Lauf. Immer beeinflusst von den vorgegebenen Strukturen des buchstäblich steinalten Materials.
In der Ausstellung der Galerie Beck kombiniert von Quast ihre Steinmalerei mit kleinen Bronzeplastiken, die allesamt Frauenfiguren darstellen. Mal einfach nur die nackte Frau oder auch kleine Frauengruppen, die beispielsweise eine gläserne Weltkugel tragen.
Stefanie von Quast hat Malerei und Grafikdesign in München studiert. Seit 1994 arbeitet sie als freie Malerin und Bildhauerin.
Info
Galerie Beck, Am Schwedenhof 4, Homburg-Schwarzenacker, bis 2. Mai Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 14 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr und Freitag von 11 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 06848 7011900.