Pirmasens
Stau im Autohandel
Auf dem Gelände des Autohauses Wagner auf der Husterhöhe und in Hornbach stehen immer noch genug Gebrauchtwagen. „Es sind zehn bis 15 weniger als sonst, aber uns geht“s gut“, sagt Geschäftsführer Michael Backes. Das sei allerdings keine Selbstverständlichkeit, wie Backes berichtet: „Wir kaufen seit Jahren Gebrauchte dazu. Das bedeutet einen großen Aufwand. Aber den müssen wir betreiben, um zu überleben.“ Vergangene Woche habe er beispielsweise gebrauchte Fahrzeuge in Leipzig, Frankfurt und Pforzheim gekauft.
Neuwagen kommen wegen langer Lieferzeiten nur tröpfchenweise. „Es gibt zwar Zusagen von den Herstellern, aber darauf kann man sich nicht verlassen“, klagt er. Dadurch steigt die Nachfrage nach Gebrauchtwagen. Backes: „Die Preise sind irre geworden. Das zieht sich durch das gesamte Preissegment.“ Entgegenkommen kann er seinen Kunden dabei kaum, wie er erklärt: „Verkaufsgespräche sind kaum noch ein Thema, stattdessen gibt es Festpreise. Wir sind sehr aktiv, um immer Autos da zu haben, dadurch wird der Aufwand größer. Das ist für den Endverbraucher natürlich nicht so erfreulich, aber es zeigt die Auswirkung von Angebot und Nachfrage auf den Preis.“
Keine schnelle Besserung erwartet
Trotzdem empfehle er, eher einen Gebrauchten zu kaufen statt neu zu bestellen. „Ich würde niemandem raten, sich auf das lange Warten einzulassen“, meint Backes, der für die Branche keine schnelle Besserung erwartet. „Aber wir bleiben am Ball und schauen, dass wir immer Ware haben“, sagt er lachend.
„Es ist sehr herausfordernd momentan“, gesteht Dean Ebelshäuser vom Autohaus Karl und Sefrin in der Zweibrücker Straße und in Contwig. Auch er habe bemerkt, dass der Gebrauchtwagenmarkt sehr teuer geworden ist. „Wir müssen gebrauchte Autos teilweise für 2000 Euro mehr ankaufen als vorher. Dementsprechend müssen wir sie auch teurer verkaufen“, berichtet Ebelshäuser. Von Herstellern gebe es nur noch wenige Gebrauchte, aber trotzdem habe man in Contwig immer noch einige auf dem Hof stehen. Von den Lieferschwierigkeiten bei neuen Fahrzeugen sei man zwar wie alle anderen betroffen, doch Ebelshäuser mache sich keine allzu großen Sorgen: „Bei Hyundai läuft das noch relativ gut. Das wurde ganz elegant geregelt, indem man die Kundenbestellungen priorisiert.“ Als Händler bliebe man dabei zwar etwas außen vor und habe „weniger zum Zeigen“, doch insgesamt sei man noch verschont geblieben.
Ein guter Zeitpunkt, den Gebrauchten zu verkaufen
Seinen Kunden empfiehlt Dean Ebelshäuser, schnellstmöglich einen Neuwagen zu bestellen. „Es gibt zwar nicht mehr die Riesenrabatte, aber noch Förderungen für Elektro-Autos und Plug-in-Hybride. Da muss man jetzt schnell sein. Zudem ist es für gute Gebrauchte ein guter Zeitpunkt zum Verkaufen “, rät er.
Jan Breitinger ist Geschäftsführer bei Mercedes Reinhard in Zweibrücken und Pirmasens. Für ihn lässt sich die Gesamtsituation leicht zusammenfassen: „Im Grunde läuft alles einfach ein bisschen verzögert.“ Besonders freut er sich über das Verständnis seiner Kunden, die weiter mit langen Lieferzeiten rechnen müssen. „Die Neuwagen kommen jetzt peu à peu. Bei Gebrauchten ist das Angebot weiter knapp, aber ich habe das Gefühl, dass es langsam besser wird“, prognostiziert Breitinger. Der Bestand an Gebrauchtwagen sei überschaubar, aber die Preise dafür stabiler. „Wir haben zwar weniger Umsatz gemacht, aber insgesamt bessere Geschäfte“, berichtet er, und ergänzt lachend: „Da hat die Marktwirtschaft zugeschlagen.“
Leasing-Kunden werden früh angesprochen
Grundsätzlich zeigt sich Breitinger zufrieden. „Wir haben einen guten Auftragsbestand bei Neuwagen, den wir nach und nach wegarbeiten“, resümiert er. Trotz der teils langen Lieferzeiten rät der Geschäftsführer zum Neukauf, allerdings sei es wichtig, vorausplanen zu können. Deshalb habe er auch in seinem Autohaus das Vorgehen leicht geändert, um den Lieferzeiten entgegenzuwirken, wie er verrät: „Wir haben viele Leasing-Kunden. Diese werden von uns frühzeitig angesprochen. Anstatt ein halbes Jahr vor Vertragsende melden wir uns schon ein Jahr vorher.“
„Unsere Ausstellungshalle ist voll“, freut sich Frank Schmidt von der Centralgarage Jung in der Bahnhofstraße. „Wir haben uns rechtzeitig bevorratet.“ Ein paar Vorführwagen gebe es auch noch für Kurzentschlossene. Allerdings merke auch der VW-Händler die Lieferprobleme. Vor allem die Käufer eines Elektrofahrzeugs der VW-Flotte müssten auf 2023 vertröstet werden. Das betreffe auch einen Teil der Hybridfahrzeuge. Hingegen könnten Verbrenner wie der ganz neue Taigo oder ein normal ausgestatteter Golf durchaus in vier Monaten geliefert werden, versichert Schmidt. Gebrauchte Autos habe er hingegen nur wenige im Angebot. Wenn weniger Neuwagen verkauft werden, gebe es zwangsläufig auch weniger Gebrauchte, die in Zahlung genommen werden können. „In dem Maß habe ich so was noch nicht erlebt“, bekennt der VW-Händler. Die Kunden würden es mit Fassung tragen. Zur Konkurrenz zu gehen, bringe momentan nichts. „Die haben ja alle nichts.“
Preissteigerungen bei Gebrauchten
„Die Bestände werden wöchentlich weniger“, meint Dirk Schechter von den gleichnamigen Autohäusern in Rodalben und Pirmasens. Jahreswagen würde Schechter inzwischen über Ersteigerungen noch beziehen können. Auch bei Opel würden die Elektromodelle teilweise erst 2023 lieferbar sein. Laut Schechter liege es nicht nur an den Computerchips sondern auch an anderen Teilen, die nicht mehr so lieferbar sind, wie es die Autoindustrie braucht. „Da muss man eben kreativer sein“, meint Schechter, der wie seine Kollegen von Preissteigerungen bei bestimmten Gebrauchten um 2000 Euro berichten kann. Problematisch sei auch, dass ganz neue Modelle wie der kleine Elektroflitzer Rocks nicht mal mit dem üblichen Erstkontingent gekommen sind.