Pirmasens Star der Leinwand: Alexander Nikolajewitsch Sokurow

Der russische Filmkünstler Alexander Sokurow, dessen neues Werk „Francofonia“ nun zu sehen ist, wurde 1951 als Sohn eines Offiziers der Roten Armee bei Irkutsk in Sibirien geboren. In Gorki (heute: Nischni Nowgorod) studierte er Geschichte, arbeitete zwischenzeitlich als Regieassistent beim Fernsehen und studierte dann in Moskau Film. Schon während dieses Studiums geriet er in Konflikt mit seinen Lehrern und mit dem staatlichen Amt für Filmkunst. Ihm wurde „Formalismus“ und die Verbreitung antisowjetischer Ansichten vorgeworfen. Seinen Abschlussfilm an der Universität, „Die einsame Stimme des Menschen“ von 1978, wurde nicht angenommen und konnte erst während der Perestroika 1987 gezeigt werden. Doch der Film erregte das Interesse von Starregisseur Andrej Tarkowski, der Sokurow förderte und ihm eine Anstellung bei den „Lenfilm“-Studios verschaffte. Doch kein einziger seiner Spielfilme passierte die Zensur. Erst in der Zeit des politischen Umbruchs fanden mehrere Filme den Weg zu internationalen Festivals. In St. Petersburg gründete er im Jahr 2000 sein eigenes Filmstudio Bereg. Ab 1986 drehte er eine Reihe von „Elegien“ genannten Dokumentarfilmen, die sich mit russischer Kultur befassten. Es folgten Dramen nach literarischen Vorlagen wie „Madame Bovary“. Seine rätselhaften Werke wurden Festivalhits, aber vor dem großen Publikum eher selten gezeigt. Begeisterung rief 2003 sein Epos „Russian Ark“ über die St. Petersburger Eremitage und ihre wechselhafte Geschichte hervor. Der mit der Steadicam gedrehte Film, bei dem die 35 Räume der Eremitage durchquert werden, besteht aus einer 90-minütigen Aufnahme mit vielen Massenszenen, jedoch ohne einen einzigen Zwischenschnitt. 2011 präsentierte er eine sehr freie Interpretation von „Faust“ mit deutschen Schauspielern: der Abschluss seiner Tetralogie über die Macht und das Böse, zu der außerdem die Filme „Moloch“ über Hitler und Eva Braun, „Taurus“ über Lenins letzte Tage und „Die Sonne“ über den japanischen Kaiser Hirohito gehören. Der „Filmpoet des Todes“, wie er oft genannt wird, sagt zu seinen bildgewaltigen metaphysischen Werken: „Dass man beim Anschauen eines Films tatsächlich für seine eingetauschte Lebenszeit einen Gegenwert erhält – das ist für mich das drängendste Problem. Weil wir doch, wenn wir Filme anschauen, nicht mit Geld bezahlen, sondern mit Zeit unseres Lebens.“ (chy/Foto: dpa)