Pirmasens
Stadtwerke: Strom wird teils doppelt so teuer
Was kommt auf Neukunden zu, die von einem Billigversorger zurück zu den Stadtwerken gehen?
Die werden seit 2. November nur noch in der Grundversorgung bei Gas und Strom versorgt. Sonderverträge mit günstigeren Konditionen gibt es für diese Kunden nicht mehr, auch nicht nach einer Wartezeit. Wer sich nicht um einen Tarif in der Grundversorgung bemüht, fällt in den ersten drei Monaten in die Ersatzversorgung und dort wird es richtig teuer. Die Preise werden monatlich je nach Marktlage kalkuliert.
Warum unterscheiden die Stadtwerke zwischen Neukunden und Bestandskunden?
Wegen der Kündigung vieler Billigverträge oder der Insolvenz der Billiganbieter seien „dramatisch“ viele Wechselkunden plötzlich wieder bei den Stadtwerken. Der Pirmasenser Energieversorger hat seine Strom- und Gaseinkäufe aber bisher nur an den Bestandskunden ausgerichtet. Für die Wechselkunden muss nun sehr teuer an den derzeit überhitzten Märkten eingekauft werden. Diesen Preisnachteil wollen die Stadtwerke nicht einfach auf alle Kunden – auch die treuen Altkunden – umlegen, sondern explizit den Wechselkunden berechnen, zumal zu erwarten ist, dass diese beim erstbesten Billigangebot wieder verschwinden.
Warum kündigen die Billiganbieter derzeit?
Die Discountversorger hatten beispielsweise genügend Gas eingekauft, mit dem auch weiter billig versorgt werden könnte. Sie kündigten aber trotzdem ihren Kunden, um das Billiggas zu den inzwischen exorbitant gestiegenen Preisen an andere Versorger verkaufen zu können. „Auf diese Weise wurde ein satter Gewinn für die privaten Firmenbetreiber eingeheimst und die Kunden hatten das Nachsehen“, sagt Stadtwerkechef Christoph Dörr. Andere Billiganbieter hatten nicht genug Billiggas auf Vorrat gekauft und schlitterten in die Insolvenz, da sie ihre Kunden nicht mehr zu den vereinbarten Tarifen beliefern konnten.
Ich bin neu in Pirmasens zugezogen. Muss ich dann auch dauerhaft in die Grundversorgung oder gar in die Ersatzversorgung?
Das geht aus der Pressemitteilung der Stadtwerke nicht hervor. Die wurde am Freitag um 13 Uhr verschickt und danach war niemand mehr erreichbar für Rückfragen.
Was kommt auf Kunden in der Grundversorgung zu?
Die werden ab dem kommenden Jahr kräftig mehr zahlen müssen. Beim Strom kündigt Stadtwerkechef Christoph Dörr eine Steigerung von 105 Prozent an. Beim Gas soll es 84 Prozent teurer werden.
Was passiert mit den Sonderverträgen?
Die werden auch teurer, aber deutlich weniger als der Grundvertrag. Beim Strom soll der Preis um 86 Prozent steigen, beim Gas um 62 Prozent.
Ich war bisher in der Grundversorgung und immer bei den Stadtwerken. Kann ich noch in einen Sondervertrag?
Das geht für diese Kundengruppe noch bis zum 31. Dezember diesen Jahres. Wer jedoch jetzt zu den Stadtwerken zurück kommt, bleibt in der Grundversorgung. Wer als Bestandskunde bis zum 31. Dezember nicht gewechselt ist, muss in der Grundversorgung bleiben, egal ob er seit 40 Jahren den Stadtwerken treu blieb oder jahrelang von billigen Discountstrom und -gas profitierte.
Warum steigen die Preise jetzt so stark?
Die Stadtwerke konnten laut Dörr bisher durch eine mittelfristige Kaufstrategie die Preissteigerungen auffangen. Im Klartext: Die Stadtwerke hatten vor der Energiekrise große Gas- und Strompakete billig eingekauft. Das geht jetzt aber nicht mehr. Die Preise für Strom haben sich am Markt ebenso wie der Gaspreis verfünffacht. Dazu kommen die Netzentgelte, also die Preise, die für die Durchleitung an die Netzbetreiber gezahlt werden müssen. Die sind auch gestiegen.
Geht das jetzt immer so weiter nach oben?
Das muss nicht sein. Aktuell sinkt laut Dörr der Gaspreis wegen der milden Temperaturen. Bis sich die Preissenkungen aber in Pirmasens auswirken, dürfte es noch einige Zeit dauern. Dörr verspricht, dass die Kunden darauf vertrauen dürfen, von diesen Preissenkungen auch zu profitieren, wenn die Entwicklung so weiter geht.
Wie wird sich die Strompreisbremse auswirken?
Wenn die in der vorgesehenen Form beschlossen wird, rechnen die Stadtwerke mit einer Senkung des dann für 2023 geltenden höheren Preises um etwa 25 Prozent in der Grundversorgung und 16 Prozent in den Sonderverträgen. Im Vergleich zu den Preisen von diesem Jahr werde die Erhöhung dann bei den Grundversorgten und den Sonderverträgen mit Strompreisbremse um je 52 Prozent ausfallen.
Wie wird sich die Gaspreisbremse auswirken?
Bei den für 2023 geltenden Preisen wird die Entlastung etwa 22 Prozent in der Grundversorgung und elf Prozent bei den Sonderverträgen betragen. Im Vergleich zu den Preisen von 2022 werden es in den Grundverträgen 84 Prozent und bei den Sonderverträgen 61 Prozent.
Wie sehen die neuen Preise für 2023 konkret aus?
Darüber wollen die Stadtwerke „in Kürze“ informieren. Dann gibt es auch Infos zu der geplanten Übernahme der Dezemberabschläge durch den Staat.