Pirmasens Stadtgeschichte zum Fühlen, Riechen, Schmecken
„Leben wie vor 100 Jahren ist ein multimediales Angebot zur Erkundung der Lebensverhältnisse und Alltagskultur, wie sie sich den Bewohnern der westpfälzischen Stadt um 1900 boten. Themenschwerpunkte sind dabei die Ernährung, die Arbeit im Haushalt und die Bekleidung. Das dreiteilige Set besteht aus Filmaufzeichnungen, einer Arbeitsmappe und einer „Guck-mal-Kiste“, die im Pirmasenser Stadtarchiv kostenlos ausgeliehen werden kann. Die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ von Jugendforum und Stadtarchiv Pirmasens gemeinsam umgesetzte Aktion will den Kindern das Leben und den Alltag um die vorletzte Jahrhundertwende herum nachvollziehbar näherbringen.
„Die Inhalte des Projekts sind während des ersten Lockdowns entstanden und passen wunderbar in die Lehrpläne des Sachkundeunterrichts“, sagt der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick. „Dank der ineinandergreifenden multimedialen Dreiteilung können sie sowohl im Fernunterricht und zu Hause als auch im Präsenzunterricht und in schulischen Arbeitsgemeinschaften genutzt werden, sobald diese wieder regulär möglich sind.“
„Häusel“ als Filmkulisse
Die Aufnahmen des gut 20-minütigen Films entstanden in dem vom Historischen Verein Pirmasens unterhaltenen „Pirmasenser Häusel“. Das Häuschen ist noch im Original erhalten und seine Einrichtung der Zeit um das Jahr 1900 herum nachempfunden. Die Protagonistin Angela Pfenninger erkundet das Häusel für die Zuschauer und führt Dinge vor, die die Kinder in normalen Zeiten selbst dort machen könnten, zur Pandemie nun aber immerhin daheim nachspielen können. Die Einblicke in eine vergleichsweise beschwerliche Zeit reichen vom Einkauf über das Kochen und Backen bis hin zum Wäschewaschen.
Kisteninhalt für alle Sinne
„Das Häusel wurde vor mehr als 100 Jahren für die Familie Hüther gebaut. Die Eltern lebten mit den fünf Kindern in diesem Haus. Wir wollen euch zur Familie, zu deren täglicher Arbeit und zu den Lebensumständen etwas erzählen.“ Mit diesen Worten werden die Kinder auf der ersten Seite der Arbeitsmappe begrüßt. Das Material hilft den Kindern, das im Film Gesehene nachzuarbeiten und besser zu verstehen. Mit allerlei Informationstexten und Aufgabenstellungen werden außerdem vielfältige Angebote gemacht, das historische Pirmasens spielerisch zu erkunden. Die „Guck-mal-Kiste“ enthält Material zum Anfassen, Riechen, Schmecken und Fühlen. Die Kinder werden ermuntert, Dinge von früher selbst zu erstellen, zu sammeln oder zu erproben. Als Spielmaterial gibt es Knöpfe, Memory-Karten und Fäden, es findet sich aber auch eine Kaffeemühle darin. Sie darf ausprobiert werden und der Unterschied zwischen echtem und Kornkaffee errochen werden.
► Adelheid Theisinger, Leiterin der Spiel- und Lernstube Ohmbach, wo rund 30 Kinder aus Förderschulen, Grundschulen, Realschule plus und Gymnasien betreut werden, hat die Materialien getestet. „Wir haben den Film Schülern aus den vierten und fünften Klassen gezeigt und damit beste Ergebnisse erzielt“, erzählt sie. „Der Film hat ein reges Fragenstellen nach sich gezogen und die Inhalte wurden sehr gut erinnert.“ Arbeitsmappe und „Guck-mal-Kiste“ seien hervorragende Arbeitsmaterialien.