Pirmasens Städtisches überbelegt
Im Pirmasenser Krankenhaus herrscht Hochbetrieb. Der Grund ist ein kräftiger Anstieg von Grippe- und Noroviren. Nach den närrischen Tagen wird mit weiteren Infektionen gerechnet. Die Grippewelle ist im Rollen.
Für Cornelius Moser, einer der Chefärzte der Inneren Medizin des Pirmasenser Krankenhauses, ist die Situation allerdings nicht beunruhigend. „Das ist alles nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit.“ Es sei derzeit nun mal Infektzeit. Im Krankenhausbetrieb seien die Patienten mit Infektionen nicht in der Mehrzahl. Von den 150 Betten in der Inneren Abteilung seien vielleicht bis zu 20 Betten mit Grippepatienten belegt und weniger als zehn mit Kranken, die sich einen Norovirus eingefangen haben. Noroviren werden umgangssprachlich auch als Magen-Darm-Grippe bezeichnet, die sich mit Fieber, Durchfall und Erbrechen äußert.
Die meisten Patienten kommen momentan mit Grippesymptomen, schätzt Moser. Infekte der oberen Atemwege seien am häufigsten. Diese Patienten würden auch gleich isoliert, um die anderen Kranken nicht auch noch anzustecken, wobei nicht jeder Grippepatient ein Einzelzimmer erhalte, sondern auch zwei grippale Infekte zusammen gelegt werden könnten. Dazu kommen laut Moser in den vergangenen Tagen auch noch RS-Viren, die eine akute Bronchitis auslösen.
Bei den echten Influenza-Infektionen, also der richtigen Grippe, kann das Gesundheitsamt bei der Kreisverwaltung eine regelrechte Welle seit Jahresbeginn verzeichnen. 88 Fälle wurden von Ärzten in der Südwestpfalz seit 1. Januar gemeldet, wie Ulla Eder von der Kreisverwaltung gestern mitteilte. Im gesamten Dezember sei nur ein Fall registriert worden und im Vergleichszeitraum 2014 von Januar bis Anfang Februar nur zehn Fälle. Wobei die tatsächliche Zahl der Grippeinfektionen höher liege, so Eder, da nur die Fälle erfasst würden, bei denen Erkrankte auch wirklich zum Arzt gingen und der einen richtigen Nachweis mache sowie diesen melde.
Der Hausarzt entscheidet über die Aufnahme in eine Klinik
Wer sich einen Infekt einhandelt, der eine echte Grippe ist, müsse nicht unbedingt in das Krankenhaus. Der Hausarzt entscheide meist über die Aufnahme in eine Klinik, erzählt Moser. Bei jungen Erwachsenen reiche es meist, sich Zuhause gründlich auszukurieren. Problematisch verlaufe die Grippe nur bei älteren Menschen, die zudem noch andere Erkrankungen wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Nierenprobleme hätten. Manche älteren Patienten mit Grippe müssten besonders ernährt und mit Flüssigkeit versorgt werden. Komme es zu Komplikationen mit der Atmung, sei gelegentlich auch die Gabe von Sauerstoff nötig. „Das können sie nicht Zuhause behandeln.“ Problematisch sei auch, dass viele Patienten die Grippe bereits mehrere Tage haben und damit die Krankheit schon verschleppt haben, bevor sie ins Krankenhaus kommen. Mittel wie Tamiflu könnten dann nicht mehr verabreicht werden, da diese nur wirkten, wenn sie in den ersten 24 oder 48 Stunden einer Grippeinfektion eingenommen werden.
Die derzeit hohe Zahl an Grippe- und Noroviruspatienten sei für die Jahreszeit absolut typisch, meint Moser. Das Krankenhaus sei nicht nur deshalb fast täglich überbelegt. „Wir müssen uns öfter mal bei der Rettungsleitstelle abmelden wegen Überbelegung.“ Daraus resultiere auch eine besondere Belastung für die Mitarbeiter, vom Arzt bis zum Pfleger. „Da ist schon ein enormer Durchsatz an Menschen zu bewältigen. Personell sind wir an der Kapazitätsgrenze.“ Die Patienten selbst seien meist verständnisvoll und tolerant, auch wenn sie ausnahmsweise in einem Dreibettzimmer untergebracht werden müssten.
Eine besondere Belastung durch Patienten aus Zweibrücken, die wegen der Vorgänge am dortigen evangelischen Krankenhaus nach Pirmasens ausweichen, kann Moser nicht feststellen. Das Pirmasenser Krankenhaus habe noch nie einen großen Zustrom von Zweibrücker Patienten gehabt, schildert der Mediziner. In Zweibrücken gebe es ja noch das katholische Krankenhaus und dann ginge der Zweibrücker lieber nach Homburg, statt nach Pirmasens. (kka)