Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Sportschießen: Sieben Kilo schwer und rund 3000 Euro teuer – das Kleinkalibergewehr

Das Ziel ist 100 Meter entfernt, doch der Monitor zeigt Jochen Helfrich vom SV Münchweiler, wo der Schuss gelandet ist.
Das Ziel ist 100 Meter entfernt, doch der Monitor zeigt Jochen Helfrich vom SV Münchweiler, wo der Schuss gelandet ist.

100 Meter ist das Ziel bei den Kreismeisterschaften mit dem Kleinkalibergewehr entfernt. Die RHEINPFALZ war in Waldfischbach vor Ort.

Seine 1,80 Meter hat er in einen stramm sitzenden Anzug gesteckt, in dem er Mühe hat, sich zu bücken und eine heruntergefallene Patrone aufzuheben. Heiko Helfrich steht an diesem Samstagmorgen bei den Kreismeisterschaften in Waldfischbach-Burgalben auf dem Schießstand des SV Edelweiß und hält sein Kleinkalibergewehr in den Händen. „Der Systembau ist von Anschütz, der Firma, die auch die Gewehre für unsere Biathleten baut. Der Rest ist von Walther“, erklärt der 49-jährige Verwaltungsangestellte aus Münchweiler. „Geerbt“ hat er das Gewehr von seinem Vater, der in den 1960er-Jahren mit dem Schießen begonnen hatte. Anfänger im Kleinkaliberschießen müssen etwa 3000 Euro auf den Tisch legen, um solch ein Sportgerät zu erwerben.

Deutscher Meister dabei

Über ein Ringkorn nehmen Helfrich, sein Bruder Jochen (57) und der dreimalige Deutsche Meister mit dem Ordonnanzgewehr, Franz Matheis (53), die 100 Meter entfernte Zehn ins Visier. Noch sind sie nicht in den Wettbewerb eingestiegen, noch schicken sie Probeschüsse nach vorne. Bei jedem Schuss wird die Randfeuerpatrone mit dem Kaliber 5,6 (.22 lfb) aus dem Lauf herauskatapultiert, und es muss eine neue eingelegt werden – im Gegensatz zu den Biathleten, die ein Magazin mit fünf Schuss einführen können.

Man sollte fit sein

Es ist durchaus eine anspruchsvolle sportliche Tätigkeit, bei 30 Wertungsschüssen die Visierlinie des rund sieben Kilogramm schweren Sportgerätes so ruhig zu halten, dass möglichst eine Zehn als Resultat herausspringt. Wer da seine körperliche Fitness vernachlässigt, ist deutlich im Nachteil. „Besonders die zum Schießen wichtigen Muskelpartien sollten gestärkt werden“, rät Matheis mit der Erfahrung eines Deutschen Meisters. Und Heiko Helfrich pflichtet sofort bei.

Bei 9,9 wird abgerundet

Auf einem Monitor können die drei ersten Schützen sofort sehen, wo ihr Schuss gelandet ist. Das Ergebnis wird auf eine Stelle hinter dem Komma angezeigt. Und Heiko Helfrich schießt bei seinen ersten drei Schüssen zweimal eine 9,9. Das ist ärgerlich, denn die zählt eben ,nur’ als eine Neun. „Das fängt ja gut an“, hat Helfrich während des Wettkampfs noch die Gelassenheit, sein Schießen zu kommentieren. Fünf Zentimeter Durchmesser hat die Zehn in 100 Meter Entfernung. Der weitere Ringabstand beträgt 25 Millimeter. Weil die Energie des mit einem Abzugsgewicht von 50 bis 100 Gramm nach vorne sausenden Geschosses nicht mehr als 150 Kilojoule beträgt, sei die Waffe „relativ entspannt“ zu nutzen, sagt Helfrich. Ein Rückstoß ist kaum wahrnehmbar.

Batterie leer

Pech mit der Technik hat indes Jochen Helfrich, da dessen Monitor mit Hilfe einer Maus nicht vom Probeschießen- in den Wettkampfmodus wechseln kann. Die Batterie habe wohl den Geist aufgegeben, stellt ein Helfer fest. Irgendwann ist das Problem dann behoben, doch zwischen Helfrichs letztem Probeschuss und dem ersten Wettkampfschuss sind da rund zehn Minuten vergangen. So verpufft der Effekt des Probeschießens fast.

Handwärmekissen hilft

Bei Heiko Helfrich ist zuerst die Anzeige „Das war der letzte Schuss“ auf dem Monitor zu lesen. 264 Ringe hat er geschossen. Er habe gemerkt, dass mit zunehmender Schießdauer die Kälte in seinen Abzugsfinger gekrochen sei und das Schießen immer schwieriger gemacht habe. Da lobt er seinen Bruder Jochen, der daran gedacht hat, ein kleines Handwärmekissen mitzubringen, mit dem er zwischendurch immer wieder den Abzugsfinger erwärmt.

Die Resultate

Herren I (21 bis 40 Jahre): 1. Timo Rieth (SV Heltersberg) 283 Ringe, 2. Marcus Bäuerle (SV Münchweiler) 272, 3. Tobias Klein (Heltersberg) 268

Herren II (41 bis 50 Jahre): 1. Heiko Helfrich (SV Münchweiler) 264

Herren III (51 bis 60 Jahre): 1. Franz Matheis (SSZ Lindersbach) 280, 2. Jochen Helfrich (SV Münchweiler) 258.

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