Ein Bild und seine Geschichte
Späterer Nazi-Pilot landet auf dem Messplatz im Winzler Viertel
Im September 1896 in der Häfnersgasse geboren, erlernte er zunächst den Beruf des Zuschneiders. Gerade mal 18 Jahre alt wurde er 1914 zur bayrischen Kavallerie in München eingezogen. Damals gab es noch keine Luftwaffe und die Fliegertruppen und Luftstreitkräfte gehörten noch zur Armee. Es dienten nicht nur Bayern, sondern auch Soldaten aus Preußen und Schlesien. Fasziniert von den Männern in den klapprigen Kisten meldete sich Schnäbele zu den Luftstreitkräften. Er war Frontflieger, aber kein Draufgänger wie der berühmte „Rote Baron“, Manfred von Richthofen.
„Das waren noch Zeiten, als das Reisen mit dem Flugzeug eine ganz exklusive Sache war. Es gab weder eine Flugüberwachung noch Luftkorridore und überhaupt noch kein Gedrängel am Himmel wie es heute der Fall ist. Nur einzelnen war es vergönnt, dorthin aufzusteigen, wo die Freiheit grenzenlos ist ...“ Zu ihnen gehörte ein echter Pirmasenser, Carl Schnäbele mit Namen. In der Broschüre „200 Jahre Stadt Pirmasens 1763 – 1963“ heißt es: „Wenn der Schnäbele mit seinem Doppeldecker für eine kurzen Besuch draußen auf dem Wiesengelände landete, wo sich heute das neue Winzler Viertel am Weißhof ausbreitet, dann bekamen wir jungen Buben schulfrei und durften ihm die Hand drücken und beim Start zuschauen...“ (Quelle: „Geliebtes Pirmasens“, Band X, 1. Auflage 1989. Das Archivmaterial stammt von Julius Lehnung, die Autoren Gerhard und Evelyn Stumpf haben das Buch beendet, da Julius Lehnung zwischenzeitlich verstarb; die Redaktion)
Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam die Fliegerei im Deutschen Reich fast zum Erliegen. Zugelassen waren nur wenige Luftpost- und Passagiermaschinen. Schnäbele bekam aber eine Anstellung und flog mit einem alten Doppeldecker auf der Strecke München – Hannover – Leipzig. Seine Zuverlässigkeit und seine Erfahrung machten offenbar die Runde, denn schon bald engagierten ihn die Junkers-Werke als „Einflieger“. Bei oft abenteuerlichen Testflügen musste er den Aktionsradius neu entwickelter Modelle prüfen. Er flog in den 20-er Jahren einige Weltrekorde für Junkers, so im März 1927 einen Dauerflugrekord von 22,11 Stunden mit 500 Kilogramm Nutzlast. Er führte auch Fernflüge nach Iran und China durch.
Karriere bei den Nazis
„Carl Schnäbele war ein begeisterter Flieger“, beschreibt der Heimatforscher und -geschichtler Fritz Burger, in seinem Buch „Geschichte und Geschichten aus der Horebstadt“ (2004) den Pirmasenser Luftfahrtpionier. Und weiter: Wenn er als Pilot in der Kanzel seines Flugzeuges saß, ... fühlte er sich in seinem Element. In wessen Diensten er dies tat, war für ihn zweitrangig. So folgte er dem Ruf Hermann Görings in den Führungsstab der Luftwaffe. Beide kannten sich vermutlich von Einsätzen im Ersten Weltkrieg. Schnäbele machte Karriere bei den Nazis. Vermutlich auf Betreiben von Hitlers Pilot Hans Baur wurde er in die Regierungsstaffel aufgenommen. SS-Reichsführer Heinrich Himmler verpflichtete den Pirmasenser als persönlichen Flugzeugführer. Schnäbele starb nicht den Fliegertod, sondern wurde in der Ukraine, wo Himmler eine Feldkommandostelle hatte, bei einer Erkundungsfahrt von Partisanen erschossen. Soweit Fritz Burger in seinem Buch.
Zwei Versionen des Todestags
Zu Schnäbeles Tod gibt es allerdings zwei Versionen. Eine Quelle (ein Angehöriger vom Kommandostab RFSS; Reichsführer SS; die Redaktion) hielt in einem Tagebuch folgendes fest: „Bei einem hinterhältigen Anschlag von Banditen, bei dem auch von uns so genannte Flintenweiber teilgenommen hatten und auch zivile, volksdeutsche Hilfskräfte zum Opfer fielen, zerrissen feige gelegte Sprengsätze unter anderem auch den Flugkapitän des RFSS, den Obersturmbannführer Karl Schnäbele sowie den Untersturmführer Maurus sowie ein volksdeutsches Mädchen bei dieser Nacht und Nebelaktion am 27. Oktober 1942.
Alle drei – die Schwerstverwundeten wurden zuvor abtransportiert in ein nahe liegendes Lazarett – wurden auf dem Friedhof Shitomir unter militärischen Ehren beigesetzt. Nach der Beerdigung marschierten wir und das Begleitkommando „Der Führer“ am Reichsführer SS vorbei. Eine sehr würdevolle Bestattung und ich persönlich bemerkte, wie sehr der RFSS am Tode seines langjährigen Begleiters und Kapitäns Anteil nahm.“
Kameraden finden nackte Leichen
Eine weitere Version, die im Internet (Wehrmacht Forum) nachzulesen ist, hat ein gewisser „Hobbyfreund“ eingestellt: In dem Buch von Hans Baur „Mit Mächtigen zwischen Himmel und Erde“ wird der Vorfall auch erwähnt. Hier zur Abrundung noch Baurs Ausführungen: „Ich war erschüttert, als ich eines Morgens die Meldung erhielt, dass mein Kamerad Schnäbele, der als Flugkapitän bei mir tätig war, schwer verwundet in einem Lazarett liege. Flugkapitän Schnäbele, der in der Gegend von Berditschew untergebracht war, fuhr von dort aus in ein volksdeutsches Dorf. Es war schon dunkel geworden als er zurückkehrte, und zur Hauptstraße führten nur Feldwege. Schnäbele, der befürchtete, sich nicht zurechtzufinden, bat den Bauern, ihm einen Lotsen bis zur Hauptstraße mitzugeben. Der Bauer schickte seine beiden Töchter mit, die auch im Wagen Platz nahmen. Ungefähr zwei Kilometer vom Dorf entfernt führte der Weg über einen Bach. Die Brücke war durch einen Baumstamm versperrt. Schnäbele und der Fahrer stiegen aus, um das Hindernis zu beseitigen – da knallten die Schüsse der Partisanen. Der Fahrer war sofort tot, Schnäbele brach schwer verwundet zusammen. Eines der Mädchen wurde im Wagen tödlich getroffen, das andere rannte schreiend zurück. Eine sofort alarmierte Kompanie konnte nichts mehr ausrichten. Die Leichen und der Schwerverwundete waren nackt, die Partisanen hatten ihnen sogar die Kleidung geraubt, das Auto war an Ort und Stelle verbrannt. Schnäbele starb am nächsten Morgen. Himmler erzählte mir später, dass man den Partisanenführer, der den Überfall leitete, gefasst habe. Er trug die Ausweise Schnäbeles bei sich.“
Der Pirmasenser Carl Schnäbele fand die letzte Ruhe auf der vom Volksbund hergerichteten Kriegsgräberstätte Shitomir, 120 Kilometer westlich von Kiew.