Hauenstein Späte Würdigung für den Maler Rudi Knoth
Norbert Meyerer, der mit Rudi Knoth (1943-2019) von Jugend auf befreundet war und ihn in seinen letzten Lebensjahren begleitete, hat mit Knoths Neffen Stephan Seibel den Nachlass des Künstlers gesichtet – und dabei einen wahren Schatz gehoben. In der Wohnung des zuletzt sehr zurückgezogen in Lug lebenden Architekten fand sich eine große Menge von Werken aus vielen Lebensjahrzehnten. Der Nachlass überrascht.
Der Blick der Kunstlehrerin
Meyerer knüpfte Kontakte zu Renate Burkhard, die am Hauensteiner Marktplatz die Galerie Kunst-werk-vier betreibt und ließ sie einen Blick auf einen Teil der Arbeiten Knoths werfen und weckte die Neugierde der pensionierten Kunstlehrerin. In einer ersten Reaktion ließ sie keinen Zweifel: „Das sind Arbeiten in toller Qualität.“ Sie machten deutlich, dass Rudi Knoth ein fleißiger und experimentierfreudiger Künstler war. Er habe „in vielen Stilen und in vielen Techniken gearbeitet. Das Ergebnis ist immer überraschend“.
Das ließ schnell den Plan reifen, Rudi Knoth, eine Ausstellung zu widmen. Denn die Breite seines Schaffens ist weitgehend unbekannt. Er hatte 1977 – unterstützt von seinem Freundeskreis um Urban Seibel – eine Kunstmappe mit 17 Zeichnungen herausgebracht, die Motive aus Alt-Hauenstein mit dem Zeichenstift einfingen. Wenig später folgte eine Mappe über Annweiler. Sie zeigten Knoths zeichnerische Meisterschaft, beide Mappen sind vergriffen. Eine Ausstellung, die sich der Breite seines Schaffens gewidmet hätte, gab es nie.
Das Wachsen des Dorfes
Jetzt wird sie kommen: Am 20. März wird sie eröffnet. Schon bei der Sichtung des Nachlasses, auf den die RHEINPFALZ vorab einen Blick werfen konnte, wurde deutlich: Die Ausstellung wird einen Blick öffnen in die Lebensgeschichte des Künstlers, die Phasen seiner künstlerischen Entwicklung einerseits, aber auch auf das Werden und Wachsen des Dorfes in all seinen Facetten und der weiteren Region. Denn da begleitete Knoth durchaus kritisch.
Wer war dieser begnadete Künstler, der sein Licht nur allzu gern und oft unter den Scheffel stellte? Rudi Knoth, 1943 geboren, wuchs im Nachkriegs-Hauenstein auf, das mit Pfarrer Georg Sommer eine Überfigur besaß, die nicht nur religiös das Dorf prägte. Die Verdienste des Prälats in der Verweigerung gegenüber dem Allmachtsanspruch der Nazis sind das eine, seine autoritäre Art, in Familien und in die Gemeinde mit harter Hand hineinzuregieren, das andere.
Start in der Schuhfabrik
So ist es nicht verwunderlich, dass auf vielen Blättern Rudi Knoths „De Prälad“ im Porträt und in gottesdienstlichen Zusammenhängen erscheint. „Dieser Pfarrer hat auch Rudi Knoths Entwicklung beeinflusst. Wir haben manche heiße Diskussion über de Prälad und die schwarze Pädagogik geführt“, erinnert sich Meyerer angesichts eines Blattes, in dem der Priester quasi über dem Dorf schwebt.
Nach der Schule absolvierte Rudi Knoth eine Lehre im kaufmännischen Bereich bei der Schuhfabrik Lugina. Auch diesen Lebensabschnitt hat der er in vielen Variationen bildlich umgesetzt. Der Schuh als Motiv taucht in zahlreichen Zeichnungen und Bildern auf – etwa als ausgelatschter Arbeitsstiefel vor der Fachwerkkulisse an der alten Kirche. Ein anderes Beispiel: Auf großformatigen Blättern hat er – szenisch unterteilt in Rechtecke und beschriftet wie in einer Art Comic – auch das Auf und Ab der Hauensteiner (Schuh-) Geschichte thematisiert.
Städte, Dörfer, Landschaften
Über das Speyer-Kolleg erarbeitete sich Rudi Knoth das Abitur und studierte in Kaiserslautern Architektur. Hier war er Student von Professor Horst Römer (1930-2008), der das schlummernde zeichnerische Talent erkannte und förderte. In Knoths Nachlass finden sich ungezählte architektonisch-zeichnerische Studien aus Hauenstein, Annweiler und Weißenburg: detailgenaue städtebauliche Ensembles, deren Strichführung extreme Akribie verrät.
Es gibt aber auch die eher skizzenhaften Blätter, die erkennen lassen, dass Knoth, der später in einem Architekturbüro arbeitete, Wesentliches und Charakteristisches mit sparsam gesetzten Akzenten auszudrücken vermochte. Das gilt für Ansichten aus Dörfern ebenso wie für Landschaften. Manches arbeitete er als Aquarell aus, manche Zeichnung wurde sparsam koloriert. Selten arbeitete er in Öl, in seinem Nachlass finden sich Radierungen, viele, viele Skizzen und auch Experimentelles. Für die Besucher der Ausstellung jedenfalls wird es viel zu entdecken geben.
Info
Retrospektive Rudi Knoth, Hauenstein, Galerie Kunstwerk 4, Bahnhofstraße 4, 20. März bis 24. April. Öffnungszeiten: Donnerstag, Samstag, Sonntag 16-19 Uhr.