Pirmasens Solor investiert 4,5 Millionen
Pirmasenser Schuhkompetenz rückt näher zusammen: Die Solor Schuhforschung und Entwicklung GmbH zieht aus der Innenstadt auf die Husterhöhe, in die Nachbarschaft von Hochschule, Prüf- und Forschungsinstitut (PFI), Internationalem Kompetenzzentrum (ISC) und Schuhfachschule. Damit verzahnen sich auch Wissenschaft und Praxis stärker: 2020 soll der neue, bundesweit einzigartige Studiengang Orthopädieschuhtechnik in Pirmasens starten.
Noch in diesem Jahr will Matthias Birke, der mit seiner Mutter Edith Birke Solor führt, mit dem Bau eines neuen Firmengebäudes beginnen. Entstehen soll es an der Carl-Schurz-Straße, direkt gegenüber der Hochschule. Über 3240 Quadratmeter Grundfläche, teilweise zweistöckig überbaut, wird das neue Domizil verfügen. Dafür wurde mit der Stadt Pirmasens eine Vereinbarung getroffen über den Erwerb eines 8000 Quadratmeter großen Grundstücks. Eine „Top-Fläche“, für die es schon viele Anfragen gegeben habe, merkte Oberbürgermeister Bernhard Matheis gestern dazu an. Dass nun Solor auf der Suche nach einem neuen Domizil gewesen sei, wertet er als glückliche Fügung – damit werde dort bereits angesiedelte Kompetenz rund um den Schuh wunderbar ergänzt. Rund 4,5 Millionen Euro investiert Solor in das Neubauprojekt, in die Teilmodernisierung des Maschinenparks und den Umzug, der Mitte 2020 im laufenden Betrieb vonstatten gehen soll. Ein ambitioniertes Vorhaben, räumt Geschäftsführer Matthias Birke ein. Aber ein notwendiges, denn am Standort in der Kreuzgasse sei kein Platz mehr. In der Kreuzgasse werden vor allem Schäfte und Komponenten zur Herstellung von maßgeschneiderten Schuhen für Problemfüße gefertigt; damit beliefert Solor Orthopädieschuhmacher in ganz Europa. Daneben entwickelt und fertigt das Unternehmen Prototypen und Kleinserien für normale Füße. 95 Mitarbeiter, dabei sechs Auszubildende, beschäftigt Solor. Mit dem Schwesterunternehmen Birke Schuhhaus & Orthopädie GmbH, das selbst für Unternehmen aus der Orthopädieschuhtechnik fertigt, erwirtschaftet die Solor-Gruppe jährlich rund sechs Millionen Euro. Der 1992/93 erstellte Produktionsbau war immer wieder erweitert worden. Das Ergebnis: teilweise lange Wege zwischen Verwaltung, Entwicklung, Lederlager, Zuschneiderei, Stanzerei und Stepperei. Hinzu kam nun, sagt Matthias Birke, dass sie durch die Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 ihre Arbeitsweise überdenken müssten. So hätten sie zum Beispiel drei große computergesteuerte Schneidetische angeschafft. Aber jetzt seien sie an Grenzen gestoßen: „Wir kriegen keine Maschine mehr unter.“ Dass es nun mit einem Neubau in direkter Nachbarschaft zu PFI, ISC, Deutscher Schuhfachschule und Hochschule klappt, freut auch Birkes. Mit den neuen Nachbarn arbeite man schon lange zusammen, sagt Birke, der das zukunftsträchtige Orthopädieschuhmacher-Handwerk in der dritten Meister-Generation fortführt. Das PFI zertifiziere und prüfe für sie, überdies arbeiteten sie in der Forschung zusammen, wie auch PFI-Geschäftsführerin Kerstin Schulte betont. Ein Thema ist für Birke zum Beispiel Sensor-Technik bei Diabetiker-Schuhen, die dem – durch die Krankheit unempfindlich gewordenen – Träger signalisieren soll, wenn Druckstellen entstehen. Durch den Umzug von Solor schließt sich auch für die Hochschule ein Kreis. Denn dort soll im Sommersemester 2020 der neue berufsbegleitende Bachelor-Studiengang Orthopädieschuhtechnik starten, wie die Professoren Ludwig Peetz (Dekan) und Thomas Stumm erläuterten – bundesweit einzigartig. Apropos einzigartig: Was in Pirmasens an Wissen um den Schuh versammelt sei, das sei auch weltweit einzigartig, finden sie.