Pirmasens Sechsmal ertönt der Narhalla-Marsch
Wenn im Sportpark Husterhöhe an einem Sonntag im August der Narhalla-Marsch aus den Lautsprechern dröhnt, muss das ein besonderen Grund haben. Den gab es in der Tat. Der FSV Mainz 05, selbst ernannter Karnevalsverein der Fußball-Bundesliga, gastierte gestern beim Oberligisten FK Pirmasens und eroberte durch sein fan-freundliches Auftreten die Herzen der rund 1600 Zuschauer. Dass die Torhymne der Mainzer sechsmal und die des FKP nur einmal erklang, war nebensächlich.
Wichtig für den FKP war es, Werbung für sich zumachen und gleichzeitig Peter Mrosik, den geschäftsführenden Gesellschafter der Profine-Gruppe, für deren Pirmasenser „Kömmerling“-Fensterprofile die Nullfünfer auf ihrer derzeit nicht allzu breiten (Trikot-)Brust werben, für ein Engagement beim FKP zu begeistern. „Es gibt ein paar Ideen, zusammen mit dem FKP ein Paket zu schnüren“, sendete der Profine-Chef, der mit dem von ihm angeschobenen Event vollauf zufrieden war, positive Signale. Selbst seine in der Halbzeitpause beim Stand von 0:2 geäußerte Hoffnung, der FKP möge doch ein Tor schießen, wurde letztlich nach 88 Minuten erfüllt. Dennis Krob erzielte den Ehrentreffer zum 1:6. „Für mich als Lauterer gegen Mainz ein Tor zu schießen, ist schon eine schöne Sache“, sagte der Torschütze lachend nach der Partie. Den nicht gerade optimalen Termin für das „Kömmerling“-Spiel verteidigte der Sportvorstand der Mainzer, Rouven Schröder. „Das war unheimlich schwierig, es musste bei uns und auch bei Kömmerling in den Plan reinpassen“, sagte Schröder und fügte an: „tolles Stadion, tolle Atmosphäre, prima Stimmung.“ Während Schröder erstmals die Schuhstadt besuchte, kickten zahlreiche andere Akteure der Mainzer schon in Pirmasens. Der Prominenteste davon war zweifellos Rene Adler. Der Ex-Nationaltorwart stand fast genau vor sieben Jahren in der ersten DFB-Pokalrunde beim 11:1 (1:0) von Bayer Leverkusen beim FKP im Kasten der Werkself. „Als ich das Stadion gesehen habe, habe ich den Jungs gesagt, hier hab ich schon mal gespielt“, erzählte der 32-Jährige, der am Abend zuvor noch beim ZDF Gast im „Aktuellen Sportstudio“ gewesen war. Adler hütete gestern allerdings nicht das Tor, da die Mainzer mit einem B-Team aufliefen. Von den Spielern, die tags zuvor beim 0:1 gegen den VfB Stuttgart dabei gewesen waren, gehörten in Pirmasens nur die eingewechselten Viktor Fischer, Kenan Kodro und Pablo de Blasis zur Startelf. Die nicht eingesetzten Profis saßen indes auf der Bank – allerdings vor dem Stadion. Dort schrieben sich die Mainzer Top-Spieler vor der Partie die Finger wund. Die Autogrammwünsche der kleinen Fans, die zudem die Hüpfburg, das Kinderschminken und „Vabolinos“-Popcornstand genossen, war riesengroß. Auch nach der Partie, als alle Kinder auf den Rasen durften, um sich dort die Unterschrift der Mainzer, aber auch Pirmasenser Spieler aufs T-Shirt oder eigens für das Testmatch gefertigte Klatschpappe schreiben zu lassen. „Für die Kinder ist das schon was Besonderes“, sagt der viel gefragte FKP-Verteidiger Manuel Grünnagel. Im Publikum war auch die Pirmasenser Trainer-Ikone Robert Jung. „Zusammen mit Salmrohr habe ich Mainz und den FKP insgesamt 20 Jahre trainiert“, berichtete Jung. Aus seiner Zeit bei den Nullfünfern, mit denen er 1990 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga packte, kannte der pensionierte Gymnasiallehrer noch den heutigen Torwarttrainer Stephan Kuhnert. Jung weiter: „Und FSV-Trainer Sandro Schwarz hat damals in Mainz in der B-Jugend gespielt.“ Auch FSV-Coach Schwarz schwelgte in Erinnerungen: „1997 bin ich in Pirmasens mit dem SV Wehen Wiesbaden drei Spieltage vor Saisonende in die Zweite Bundesliga aufgestiegen.“