Pirmasenser Brunnen
Schusterbrunnen: Der lange Weg des Schusters Joß
Seit Dezember 1980 steht der Schusterbrunnen vor der Lutherkirche in der Fußgängerzone. Aus der Mitte des achteckigen Brunnens ragt ein Steinsockel heraus, aus dem vier Röhren den Brunnen mit Wasser speisen. Auf dem Sockel ist die fast lebensgroße Bronzefigur eines Arbeiters, die Figur des Schuhmachers Joß zu sehen. In seiner rechten Hand hält er einen Hammer und in der Linken einen fertigen Halbschuh. Die fiktive Bronzefigur symbolisiert die Beziehung der Stadt Pirmasens zur Schuhmacherei, zur Schuhindustrie. „Diese Figur ist von schöner Ruhe und Ausgeglichenheit, ganz einfach, schlicht und doch nicht ohne eine gewisse Größe, die den Vergleich mit der Antike nahe legt“, schrieb anno 1921 die Münchner Zeitung, die damals nicht ahnen konnte, welch wechselhafte Geschichte Joß noch erleben sollte.
Erstmals 1809 hatten die Pirmasenser die Idee, Schuster Joß für dessen Verdienste ein Denkmal zu setzen. Doch es folgten keine Taten. 1874 dann nahmen die Pirmasenser einen erneuten Anlauf, ihren Schuster Joß mit einem Denkmal zu würdigen. Doch an den ungünstigen Zeitverhältnissen und „der Verständnislosigkeit gewisser Personenkreise“, scheiterte auch dieses Mal das Vorhaben. So jedenfalls ist es in einem älteren Zeitungsartikel zu lesen. 1910 nahm dann die Absichtserklärung der Pirmasenser konkrete Formen an, insbesondere weil ein Pirmasenser, der nicht genannt werden wollte, 8000 Mark für den Bau eines Brunnens stiftete. Als Geheimrat Otto Strobel, der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens, dies im Stadtrat bekannt gegeben hatte, sollen sich die Stadträte als Zeichen der Anerkennung von ihren Sitzen erhoben haben. Im Februar 1911 beschloss der Stadtrat einen Brunnen, der 16.000 Mark kosten sollte, zu errichten. Vom bayerischen Staatsministerium des Innern gab es dann 1913 – also zwei Jahre später – einen Zuschuss von 9600 Mark. „Seine königliche Hoheit Prinz Ludwig, des Königreichs Bayern Verweser, haben allergnädigst zu genehmigen geruht….“ hieß es damals in dem Bewilligungsbescheid.
Kriege setzen Schuster Joß zu
Die Stadt schrieb einen Wettbewerb für das Brunnendenkmal aus. Nicht weniger als 110 Bildhauer beteiligten sich daran. Der Münchner Bildhauer Georg Müller erhielt den Zuschlag. Er verpflichtete sich, die Figur bis zum 15. Mai 1915 fertigzustellen. Doch dann kam der Erste Weltkrieg dazwischen. Statt eines Schusters Joß wurden Bomben und Granaten hergestellt. Dennoch konnte Müller bereits 1919 der Stadt ihren Schuster in Bronze übergeben. Im Juni 1921 wurde der Brunnen mit Joß auf dem oberen Schlossplatz, dort wo heute die Volksbank steht, errichtet.
Dann kam der Zweite Weltkrieg. Eine Bombe schlug 1944 in Brunnennähe ein, die Druckwelle fällte Joß. Er blieb zwar fast unversehrt, der Brunnen allerdings wurde vollständig zerstört. Nach dem Krieg ging Joß ging auf „Wanderschaft“ durch zahlreiche Lager der Stadt. Manchmal durfte er sich in einer Ausstellung zeigen und dann war der Schuhmacher auch schon mal ohne Brunnen an der Schlosstreppe – am ehemaligen Kaufhaus Merkur – zu sehen gewesen. Dann kam die Zeit der Fußgängerzonen – auch in Pirmasens. Es war die Wiedergeburt des Schusterbrunnens. Der im Krieg zerstörte Brunnen wurde exakt nachgebaut und Joß kam wieder auf den Sockel. Seit 42 Jahren sprudelt nun der aus Buntsandstein gebaute Schusterbrunnen wieder.
Brunneninschriften
- Verläßt der Schuh die städtisch’ Grenz, soll Lob er sein für Pirmasens.
- Der Schuh hat uns hier groß gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht’!
- Das wahre Leben Arbeit ist, ein deutscher Mann das nie vergißt!
Zur Serie
Einst waren sie lebensnotwendig, heute sind sie meist nur noch Zierde, ein Genuss für Seele und Auge und manchmal eine willkommene Gelegenheit, sich zu erfrischen: Brunnen. Jahrhunderte dienten die sprudelnden Quellen unseren Vorfahren nicht nur zur Versorgung mit Trinkwasser, sondern sie wurden auch als Viehtränke und Waschzuber genutzt. Das ist heute ganz anders. In der Serie stellen wir Pirmasenser Brunnen vor.