Pirmasens
Schulleitung besteht auf Nasenabstrich – trotz Attest eines 15-Jährigen
Die Mutter des Jungen, Jessica Seitz, hat alle denkbaren Hebel bis zur Schulaufsicht in Bewegung gesetzt. Es hilft nichts. Schulleiterin Liane Fremgen von der Landgraf Ludwig Realschule bleibt dabei, dass der Sohn von Jessica Seitz nicht in die Schule darf, wenn er sich dort nicht einem Nasenabstrich unterzieht. Der Sohn sitzt weiter zu Hause, während seine Klassenkameraden wieder in die Schule dürfen.
Der Sohn hat einen veränderten Nasenraum, weil er gleich nach der Geburt über eine Magensonde ernährt werden musste, erläutert Jessica Seitz die Vorgeschichte. Ein entsprechendes Attest des Hausarztes liege vor. Die Mutter besorgte auf eigene Kosten so genannte Spucktests, bei denen der Testende auf den Schnelltest spuckt. Fünf Euro habe sie pro Test bezahlt und einen entsprechenden Vorrat angelegt.
Schüler, die sich zu Hause selbst testen und mit einer Bescheinigung der Eltern zum Unterricht erscheinen, will aber Schulleiterin Liane Fremgen nicht akzeptieren und verweist auf einen gemeinsamen Beschluss aller Pirmasenser Schulleiter vom April, wonach die Tests in der Schule unter Aufsicht der Lehrer verpflichtend seien. In der Landgraf Ludwig Realschule werden diese im Klassenzimmer zweimal in der Woche erledigt. Wer sich nicht testen lässt, darf nicht in die Schule. „Es gibt keine Ausnahmen“, betont Fremgen und verweist darauf, dass von den 450 Schülern der Landgraf Ludwig Realschule gerade mal 15 derzeit nicht in die Schule kommen. Die meisten, weil sie krank sind oder die Eltern so erkrankt, dass sie eine Infektion über die Kinder und die Schule nicht riskieren wollen. Der Sohn von Jessica Seitz sei die Ausnahme mit seiner Weigerung für den Nasenabstrich.
Schulleiterin bleibt konsequent
„Ich sehe kein Problem für einen Nasenabstrich“, gibt sich Fremgen konsequent. Ein Selbsttest zuhause könne nicht akzeptiert werden, weil dann das Chaos auszubrechen drohe. „Sie glauben nicht, was für Bescheinigung wir da vorgelegt bekämen. Von der Rückseite eines Einkaufszettels bis zu unlesbarem Gekritzel wäre da alles dabei“, schildert die Schulleiterin ihre Befürchtungen. Zudem verweist sie auf den hohen Anteil an Migranten und deren Eltern, die kaum deutsch sprächen. Wie solle sie eine Bescheinigung in arabisch lesen können, nennt Fremgen einen weiteren Grund für die stringente Haltung in der Testfrage. „Da würde ich von den Eltern wer weiß was attestiert bekommen.“
Anerkennen würde Fremgen einen Spucktest, der in einem regulären Testcenter mit deren Bescheinigung gemacht worden wäre. „Die Schule kann ja nicht alles leisten“, meint Fremgen auf die Frage, ob nicht für den einen Fall Spucktests in der Schule gemacht werden könnten. „Dann kommen andere, die aus religiösen oder politischen Gründen das nicht wollen.“ Mit ihrem Sohn in ein Testzentrum will Jessica Seitz aber nicht gehen. Sie sei berufstätig und schaffe das nicht, zweimal die Woche den Sohn in ein Testzentrum zu begleiten.
Bildungsministerium nennt Alternative
Ganz so streng wie Fremgen sieht es das Bildungsministerium in Mainz nicht. Deren Pressesprecherin Sabine Schmidt betont, wenn ein Schüler aus nachvollziehbaren gesundheitlichen Gründen keinen Nasenabstrich machen könne, sollte nach einer Alternative gesucht werden. Einfach mit einem mitgebrachten Spucktest im Klassenzimmer neben den anderen Schülern gehe es aber auch nicht, betont die Ministeriumssprecherin. „Spuck- oder Gurgeltests sollen in der Schule nicht verwendet werden, da bei der Probengewinnung über Spucken das Risiko einer Verbreitung von potenziell infektiösem Speichel durch Aerosole besteht“, erläutert Schmidt. In Einzelfällen könne der Schüler aber den Spucktest zuhause machen mit „qualifizierter Selbstauskunft“ oder in der Schule im Freien sowie am offenen Fenster, nennt die Ministeriumssprecherin die Alternativen.
Die Meinung des Ministeriums ist Schulleiterin Fremgen bekannt. Sie verweist weiterhin auf den gemeinsamen Beschluss aller Pirmasenser Schulleiter, von dem sie nicht abweichen könne. Liane Fremgen ist froh über den wieder angelaufenen Schulbetrieb, der nur wegen der regelmäßigen Tests möglich sei. „Damit sind wir einigermaßen im sicheren Bereich.“